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vird es dem bedächtigen Sickingen, durch Ver-
tröſten auf die zu erhoffende Einjicht des Kaiſers
den Freund von offener Gewalttat zurückzu-
halten. Da trifft ihn die ſchwere Enttäuſchung
des Wormjer Reichötagöabſchieds, der ihm
grauſam zeigt, wie wenig auf den Kaijer zu
rechnen jei. Aber erſt als mit Siingens miß-
glückter Fehde gegen den Erzbiſchof von Trier
Das deutſche Nittertum dem Fürſtentum weichen
muß, iſt Hs. Kraft gebrochen. Krank und ohne
Mittel irrt ex im Lande umher, um endlich, nach-
dem Schlettſtadt, unter vem Einfluß des ängſt-
lichen EraöSmus auch Baſel, jodann auch Mühl-
hauſen ihm das Ajyl verweigert, bei Zwingli in
Zürich eine lezte Ruheſtatt zu finden. 1523 ſtirbt
er, 36 Jahre alt, auf der Injel Ufnau im Züricher
See. Mag da3 Urteil über feine Verjönlichkeit
ſchwanken, ſicher iſt, daß dieſer Feuergeiſt einen
Strom nationaler Energien in das Bett der
Jieſormation geleitet hat und daß das neu-
humaniſtijch-proteſtantiſche Bildungsideal der
Gegenwart im jeiner Zuſammenſchau des
ſrommen mit dem deutſchen Menſchen von ihm
vorgeſchaut und vorbereitet wurde. Wo man
dankbar eines Fichte gedenkt, wird man auch
eines H. nicht vergeſſen dürfen.
Literatur. Geſamtausgabe der Echriſten H38. von
Böcking (1864--1870). =- Deutſche Schriften,
herau8g. von Szamatvolski (1891), -- C. Spranger:
H3. Briefe an Luther (19093). -- N. Zoozmann:
Geſprächbüchlein (1904), =- Viographien von D. Fr.
Strauß (1895*-*), G. J. Wolf (1905), K. F. Jordan
(1908). =“ W. Reindell: Luther, Crotus und H.
(1890). -- H. Boehmer: Luther im Lichte der neueren
Forſchung (19142), S. 61 ff. = PV. Kolkvoff, H8.
Vagantenzeit und Untergang (1923); mit ſtark kritiſchem
Ergebnis. Bruhn.
Hydrvzephaülie (Waſſerkopf). Vermehrung
Der Flüſſigkeit in den Hirnhöhlen (Ventrikel)
oder zwiſchen den Blättern der Hirnhäute
(Spinnewebenhaut, Arachnoidea) und damit
Bermehrung ver Flüſſigkeit in ver Schädelhöhle
wird -- als Ergebnis ſehr verſchiedener Krank-
heit5prozeſje -- als Hydrozephalie bezeichnet.
Hydrocephalus internus wird jede abnorme
lüſſigkeitszanſfammlung in dem Ventrikelſyſtem,
Hydrocephalus externus die Flüſſigfeit3an-
jammlung zwiſchen den Hirnhäuten genannt.
Beide Formen kommen häuſig vereinigt vor.
Die Entſtehung der Hydrozephalie iſt nod)
wenig geklärt. In vielen Fällen iſt ſie die Folge
eines entzündlichen Prozeſſes (f. Art. „Gehirn-
erkrankungen"). In anderen Fällen handelt es
ſich um Behinderung des Abſluſſes der Flüſſig-
keit der Hirnhöhlen durch Geſchwülſte, durch
Stauungen. Man unterſcheidet, mehr aus
praktiſchen als aus wiſſenſchaſtlichen Gründen,
eine angeborene und eine erworbene Form
de3 Hyvdrozephalu3s. Der angeborene H. wird
wejentlich auj Alkoßolizmus der Cltern, an-
geborene Syphilis oder auf Traumen des
graviden Uterus zurückgeführt. Er iſt faſt ſtets
Hutten -- Hydrozephalie -- Hypnoti3myus

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afut, manchmal Übergang von der akuten Form zur vor. Die Flüſſigkeitömenge in der Hirnhöhle
ſteigt von ca. 60--120 Gramm in der Norm auf
200 Gramm, 1 Liter --- ja bis zu 5 Litern!
Durch die wachſende Flüſjigkeit3ömenge kommt
es zu einer Erweiterung der Hirnhöhlen, der
Ventrikel, im verſchiedener Ausdehnung und
in verſchiedenen Formen. Die Gehirnmaſſe wird
in ihrem Raum beſchränkt = die Gehirnſurchen
verſtreichen ſich, die Windungen platten ab;
ſchließlich ſtellt die eigentliche Hirnſubſtanz nur
noch eine dünne Rlatte dar. Aud) der Schädel
verändert ſeine Form. Das Schädelgehäuſe
wird nach allen Richtungen vorgewölbt, wird
rund und breit. Die Stirnbeine und die Scheitel-
beine wölben ſich höerartig vor. Die Fontanellen
ſchließen ſich nicht, ſind erweitert, oft prall ge-
ſpannt. Der Kopfumfang ſteigert ſich auf
56-63 em Umfang (fj. Art. „Gehirnertrankun-
gen“ -=- unter „Gehinnhautentzündungen“).
Betont muß werden, daß troß Waſſerkopf
geiſtige Vollwertigkeit beſtehen kann. Anderer-
jeit3 aber ſind geiſtige Minderwertigkeiten bis
zur Jodiotie mit Waſjerkopf weithin verbunden.
Selbſt die Geheilten zeigen oft ausgeſprochenen
Schwachſmn. Sie ſind geiſtig ſchwerfällig,
langjam; der geiſtige Erwerb iſt armjelig. Jhr
Denken iſt beſchränkt, ihre Willenskraft gering;
ſie ſind leicht beeinflußbar und ohne Initiative.
v. Düring.
Hygiene [|. Geſundheitspflege und Schulhygienc.
Hypuotismus, |]. auch „Suggeſtion“,
„Hyſterie“. 1. Deſinition. : Die Hypnoſe
(vom gr. hypnos, der Schlaf) iſt eine durch
Suggeſtion (ſ. d.) erzeugte, dem Halbſchlaf bzw.
dem Traumbewußtſein ähnliche Veränderung
Des Seelenzuſtandes, bei der das Urteil3ver-
mögen und die Willkür eingeſchränkt, dagegen
die Aufnahme von Sinnesreizen und die Ver-
arbeitung von Vorſtellungen im Unterbewußt-
jein erhalten und die dabei geſteigerte Sug-
geribilität auf einen beſtimmten perſönlichen
Cinjluß abgeſtimmt iſt (Jamin).
Der Hypnotismus beſchäſtigt ſich mit dem
Wejen und der Erzeugung dieſes Zuſtandes.
C5 beſteht bei vem Hypnotiſierten eine Ein-
jchränfung des Bewußtjeims und des Willens;
der hypnotiſierte Menſch unterliegt weithin --
nicht unbedingt -- dem Willenzöeinfluß deſſen,
der ihn hypnotiſiert. Doch iſt unbedingt foſt-
zuhalten, daß nur die angenommene Sug-
geſtion wirkſam iſt, die Autoſuggeſtion.
2. Geſchichtliches. Der eigentliche Begründer
der wiſſenſchaſtlichen Erforſchung des Hypnotis-
mus, Braid, jchuf dieſe Bezeichnung; wir ver-
ſtehen heute allerdings nicht den Zuſtand (die
Hypnoſe) unter dieſem Wort, ſondern bezeichnen

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