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Lehrſormen --
bloße Anmvendung der theoretiſch ſanttionierten
Formen ſichert dem Unterricht wie überhaupt
den pädagogiſchen Handeln nod) nicht ſeine
Wirkung. Für das einzelne muß auch in vieſem
Punkt auf die Sonderartikel verwieſen werden;
hier jei nur betont, was für alle Lehrformen
gilt und für alle gleich wichtig iſt: daß nämlich
über ihre innere Kraſt und ihren Ertrag zuleßt
nicht die Technik ihrer Handhabung entſcheidet,
jo ernſtlich ſich der Lehrer um ſie bemühen muß,
jondern der Geiſt, der ſie erfüllt. Das muß vor
allem und in allem der Geiſt der Liebe, der
pädagogiſchen Liebe ſein, die dem Schüler
die Hand reicht, die ſtändig nach Mitteln und
Wegen jucht, ihm zu helfen, und ſie auch findet,
die aich den Weg zum Herzen des Schülers
findet. Aber auch der Geiſt, der in den Lehr-
gegenſtänden, den Bildungsgütern lebt, muß
in die Lehrformen mit eingehen, muß ſich
auch in der geiſtigen Haltung des Lehrers
ausprägen. Und hier wandeln ſich Geiſt und
Geiſteshaltung. Es iſt ein Unterſchied, ob den
Schülern die Schilderung einer Landſchaft ge-
boten oder ihnen eine heilige Geſchichte erzählt
wird, ob ihnen ein Kunſtwerk oder das Movell
einer Maſchine gezeigt wird, ob das Thema eines
Lehrgeſprächs eine Frage theoretiſcher Erkennt-
nis oder eine Frage des Glaubens oder der
ſittlichen Verpflichtung iſt. Der Unterricht kann
der Mannigfaltigkeit ſeiner Ziele nicht genügen,
wenm in jeinen Formen nur der Geiſt der
Wiſjenſchaft und der Technik lebt. Schwarß.
Lehrgabe [. Lehrer.
Lehrgegenſtand. 1. Begriff und Bezeichnungen.
Ter Lehrgegenſtand iſt das ſachliche Objekt
Des Lehrens -- neben dem perſönlichen: dem
Lernenden, dem Schüler. „Gegenſtand“ ves
Lehrens iſt er m dem Sinne, daß ſich in ihm
die objektiven Werte darbieten, die der Schüler
jich aneignen ſoll und für deren Aneignung ihm
das Lehren eine Hilfe ſein ſoll. In diejem Sinne
ſind 3. B. religiöſe Schriften, wiſſenſchaftliche
Säße, fünſtleriiche Werke ujw. Lehrgegenſtände.
Vielfach werden auch die einzelnen Lehr-
gebiete (Religion, Geſchichte, Phyſik uſw.) als
Lehrgegenſtände bezeichnet; der Begriff iſt dann
als Sammelbegriff für die einzelnen Gegen-
ſtände gebraucht. Bei Ausdrücken wie leſen
lehren, denken lehren, gehorchen lehren u. vgl.
jind nicht Gegenſtände des Lehrens gemeint,
jondern Fähigkeiten, die beim Lehren erzielt
werden oder erzielt werden ſollen. Cs ſpielt
hier der Unterſchied zwiſchen materialer und
ſjormaler Bildung hinein. Die Elemente der
formalen Bildung ſind nicht „Gegenſtände“,
jondern Ziele oder Wirkungen des Lehrens.
Die „Lehrgegenſtände" ſind zugleich
„FLehrſtoſfe“". Das eine iſt Ausdruck für das,
vorauf das Lehren ſich richtet, das andere
Lehrgegenſtand

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ſür das, woraus es ſich geſtaltet (Stoff-Form)
pder mittels dejſen es wirkt (Stoſf-Kraft).
Wir ſprechen daher auch von „Materien“ des
Unterrichts, meinen damit allerdings in der
Negel die -- größeren oder kleineren -- Lehr-
gebiete. Die Lehrgegenſtände werden auch --
unter einem andern Bilde -- als „Lehr-
inhalte“ bezeichnet, wobei dann das Lehren
als die den Inhalt faſſende Form gedacht iſt.
31n dem Berhältnis von Jnhalt und Form oder
Stoff und Kraft ſind auch die „materiale“ unv
„ormale“ Bildung zu denken. Die formale
Bildung darf alſo nicht mit der „geiſtigen
Formung" (der Perſönlichkeit) verwechjelt wer-
den; denn dieſe iſt materiale und formale
Bildung zugleich, ein Sachverhalt, der für das
Verſtändnis des Bildens und Lehrens von Be-
deutung iſt. Wenn wir von „Lehrgütern“
jprechen, jo deuten wir damit ven Wert an, den
die Lehrgegenſtände an ſich und für das Lehren
haben. Die Ausdrücke Lehrſtoff, Lehr-
inhalt, Lehrgut werden gleichfalls auch in
dem kolleftiven Sinne gebraucht.
2. Weſen und Bedeutung. ES entſpricht dem
Verhältnis von Bilden und Lehren, daß die
Lehrgegenſtände aus der großen Zahl der
„ZBildungsgüter" entnommen werden, d.h.
der geiſtigen Erzeugniſſe, die mit den in ihnen
ruhenden Werten geeignet ſind, dem Menſchen
„Zildung" zu vermitteln. Darin liegt zugleich,
daß die Lehrgegenſtände Kulturgüter ſind und
daßnur Kulturgüter Lehrgegenſtände ſeinkönnen.
Naturdinge können hiernach nicht Lehrgegen-
tände ſein, ſondern das können =- ſoweit es
ich eben um die Natur handelt -- nur wiſſen-
dhaftliche Erkenntniſſe, künſtleriſche Darſtel-
lungen ujw. jein, welche die Natur zum Gegen-
ſtand haben. Damit ſtimmt auch der Sprach-
gebrauch überein. Wir lehren Religion, Ge-
dhichte, Sprache, lehren auch Naturkunde,
Naturwiſſenſchaſt, aber wir lehren nicht Natur.
Die ſog. Naturlehre iſt eine Naturwiſſenſchaft.
Scheinbar treten die Naturgegenſtände in den
Lehrplänen und im Unterricht auch als Lehr-
gegenſtände auſ; in Wirklichkeit ſind aber immer
nur die Erfenntniſſe, die Darſtellungen uſw.
gemeint, welche auf die Natur Bezug haben
(j. auch Art. „Bildung3vorgang uſw.“). Anders
verhält es ſich mit den techniſchen Erzeugniſſen
(Majchinen, Apparate, Geräte u. dgl.); dieſe
ſind jelbſt Kulturerzeugniſſe. Aus allem ergibt
jich auch, daß die Nebenordnung von „natur-
kundlichen“ und „fulturkundlichen“ Lehrgegen-
ſtänden Bedenken unterliegt. Naturkunde iſt ein
Stüc> Kultur, und von der Kultur ſoll die
Jugend nicht nur „Kunde“ erhalten.
Zn den Lehrfſächern unſrer Schulen ver:
einen ſich Lehrgegenſtände von ſehr verſchiedene!
geiſtiger Struktur. Jm Sprachunterricht 3. B
jtehen neben der Sprache, die jelbſt ein Kultur

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