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ältere, jenes für jüngere Schüler. Eher iſt das
Umgefehrte der Fall. Die Selbſttätigkeit der
Schüler kann beim Aufnehmen von Photo-
graphien ebenfalls geweckt werden: Wahl des
Objett3, des Standortes für die Auſnahme
uſw. Die ſogar bloß fingierte Auſgabe, etwa
beim Lehrausflug photographiſche Auſnahme-
objefte zu erjpähen, iſt ein Anreiz, We-
ſentliches vom Nobenfächlichen ſcheiden und
die Dinge ſcharf und unter richtigem Geſicht3-
punkt jehen zu lernen. Die Notwendigleit, Bild-
inhalte zu beſchreiben und zu deuten, iſt einer
Übung im Überſeßzen aus einer Sprache in
die andere gleich zu achten. Das Auſtauen
einer Bilddarſtellung in den zeitlichen Fluß
eines Geſchehen8, von dem nur ein Augen-
bli> dargeſtellt iſt, bietet der Ginbildungskraſt
wichtige Aufgaben. Hinzukommt ſelbſtverſtänd-
lich die Bereicherung der tatſächlichen Anſchau-
ungen über konkrete Lehrſtoffe. Jedenfalls müſjen
Schüler ebenſo zum verſtändigen Umgang mit
Bildern erzogen werden wie zu dem mit Bü-
c Wertvolles vom Wertlofen unterjc Lampe.
Lichtſpieltheater. Die Lichtſpieltheater bilden
mit ihren Lichtreklamen, mit dem Aushang von
anlo>enden Photographien, mit der auffälligen
Hervorhebung gerade zweideutiger und anrei-
zender Titel der Filme oder mit marktſchreie-
riſchen Jnhalt8angaben in Zeitungsanzeigen
einen häufig wenig erfreulichen Teil der Umwelt,
in der ſich die Schüler und Schülerinnen be-
wegen müſſen. Sie bieten vielfach Jugend-
vorſtellungen an, die in ihrer Vorführungs-
folge kaum als bildend oder belehrend an-
geſehen werden können, auch wenn ſie vor-
ſchriſtsgemäß nur Bildſtreifen ſpielen, die
für Jugendliche von den Filmprüfſtellen zu-
gelaſſen ſind; denn die jugendſfreien Bildwerke
brauchen durchaus nicht empfehlenswert für
die Jugend zu ſein, ſondern dürſen nur nicht
unter die Geſichtspunkte fallen, nach denen
Bildſtreiſen für Jugendliche geradezu verboten
werden müſſen. Lichtſpieltheater werden
ſIchließlich mancherorts gemeinſam von Schulen
beſucht zu Vorführungen von echten Lehrfilmen
im Anſchluß an den Unterricht oder ſtatt ſeiner
(4). Art. „Film“)]. E38 gibt in der Tat nicht
wenige Lichtſpieltheater, die, verſtändig geleitet,
ſich den Schulen gegen verhältnismäßig geringes
Entgelt zur Verfügung ſtellen, die keine eigenen
Vorſführungsgelegenheiten für Lauſbilder be-
ſiken, und es nehmen manche Lichtjpieltheater
ſogar auch bei den von ihnen jelbſt veranſtalteten
Jugendvorſtellungen Fühlung mit Lehrern oder
Jugendpflegeſtellen. Noch beſtehen erſt verhält-
niSmäßig geringe Unterſuchungen von exatter
Zuverläſſigkeit über die Stellungnahme der
Schüler ſelbſt zum Lichtſpieltheater und jeinen
Lichtbild -- Lichtjpieltheater

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Gaben. Nach einer Umfrage von Hilker (Saar-
brüden) bei Unterſefundanern lehnten von 50
nur 3 den Bejuch von Lichtſpielhäujern ab mit
Begründungen, in denen viel Jrrtum ſteckte.
Die 47, die ihn in ſehr verſchiedener Nachdrücklich-
keit zulaſſen, anempfehlen wollten oder prieſen,
hatten für ihre Urteile ebenfalls zum Teil nur
pffenbar nachgejprochene oder bloß halbwahre
Gründe, brachten aber zum Teil in ihrer kritiſchen
Stellungnahme doch auch Treſſendes zum AuS3-
druck. Jns8beſondere wurden der ſexuelle Auf-
tlärungsfilm, die ewigen Liebesgeſchichten und
die äußerlichen Abenteurerinhalte abgelehnt.
Häuſig ſind Zuſammenſtellungen erfolgt von
Zeugenausſagen oder Angeklagtenbekenntniſſen
vor Gericht, von Zeitung3meldungen, von Exr-
ſahrungen in Jugendämtern, um eine Art von
ſtatiſtiſchem Anhalt zu bieten für die Phantaſie-
überreizung Jugendlicher durch das Kino, für die
Unterſtüzung des hemmungsloſen Trieblebens
und der geradezu verbrecheriſchen Neigungen
durch) Lichtſpielhausbeſuch, ſogar für eime gewiſſe
Belehrung tatſächlicher Art darüber, wie ſich
diejer oder jener Unfug, diefe oder jene Miſſeta1
zwecdmäßig anſtellen, umgekehrt drohende GEr-
tappung und Straſe vermeiden laſſen. Aber wie
bei Schülerumfragen, deren Beantwortung troß
aller Vorſicht durch Poſierungsluſt, durch Ab-
ſichten und Rückſichten großer Mannigfaltigkeit
beeinträchtigt wird, ergibt auch das Belaſtungs3-
material gegen den Kinobejuch, das aus jugend-
lichen Vergehungen gewonnen iſt, nur einen
brüchigen Anklageboden, weil die Suche nach
Urſachen und die Luſt an bequemen Entſchul-
digungen meiſt viel zu raſch und verallgemeinernd
als Sündenbo> das Lichtſpielhaus verwendet.
Troßdem bleibt es Aufgabe der Schule, ſo-
wohl ihre Zöglinge vor unerwünſchten Ein-
ſlüſjen, die vom Öffentlichen Kino ausgehen, zu
bewahren, als auch unter Umſtänden gegen
Mißſtände im örtlichen Lichtſpielhaus ſich zu
wehren. Mit Verboten des Beſuches wird der
Schaden oft nur vergrößert; denn bloß ein Teil
der Kindper und Jugendlichen findet im Verbot
eine Stützung gegen die Verſuchung. Bei emem
andern Teil wird dieſe durch das Verbot auf
dem Weg über die erregte Neugier nur ver-
ſtärkt. Es empfiehlt ſich, Urteil und Geſchmack
der Schüler durch Beſichtigung oder Beſprechung
einigermaßen wertvoller Bildwerke, durch be-
gründete, fachliche Kritik etwa vorkommender
Auswüchſe, etwa der Neklame, in der Weiſe zu
bilden, daß die Meinungen der Schüler ſelbſt,
tunlichſt ungegängelt, bei freundlichen Aus-
ſprachen in oder neben dem Unterricht, dem
Lehrer ſelbſt ein Bild von der Geſundheit oder
Ungeſundheit der Klaſſe geben und den einzelnen
Schülern einen Anhalt ſür eigene Urteilöbildung
und für eine gewiſſe Bewußtheit der Selbſtver-
antwortung aegenüber dem Schhmuß und Schund,

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