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Frage der Kultur und ver Religion ernſthaft er-
hoben wird, va, wo man den „Mut zur Wirklich-
keit" hat und ihn in der Geſtaltung des Denkens
und der Kunſt zum Ausdprue bringt; iwo man um
innere Form des Individuums ringt; wo man in
der Pjychologie neue Wege ſucht zu methodiſchem
Wijjen von der Seele, Konkret greiſbar ijt N.3
Wirken im beſonderen in dem unermüdlichen
Ningen J. Müllers um eine Weſenskultur, die die
Bewußtſeinskultur ablöſen ſoll, und in der
Richtung der bewußten Leibkultur, die in
Stephan George ihren prieſterlichen Mittel-
punkt hat.
Literatur. Schriften: Geſamtaus8gabe der
Werke, Muſarionaus8gabe, 22 Bd. (1920-28). -- Über
N.: Eliſabeth Förſter-Nietſc 2 Bd. (1895--1904). -=- Dieſelbe: Der junge N. (1912)
und Der einſame N. (1914).=-R. Richter: Fr. N. (1903,
19172). -- H. Römer: N., 2 Bd. (1921). ECE. Förſter-
Nießſche und H. Lichtenberger: N. und ſein Werk
(1928). = K. Joel: N. und die Romantif (1905). --
G. Simmel: Schopenhauer umd N. (1907).-- E. Ber=
tram: N. (1919). = NR. H. Grüßmacher: N. (1921*).
--H. Rickert: Lebenöphiloſophie (1922). = GC. Hirſch:
Luther und N. (1921). -- M. Havenſtein: N. als
Erzieher (1922). -- Th. Odenwald: Das Religion3-
vroblem bei Fr. N. (1922) und Fr. N. und das heutige
Chriftentum (1926). -- Ch. Schrempf: Fr. N. (1922). --
ECE. Gundolf und &. Hildebrandt: N. als Richter
unſerer Zeit (1923). -- N. von Bubnoff: Fr. N.8 Kul=
turphilojophie und Umwertungslehre (1924). = K. TJ.
Obenauer: Fr. N., der etſtatiſche Nihiliſt (1924). =-
G. Burchardt: Weltanſchauungskriſis und Wege zu
ihrer Löſung, 2 Bd. (1925). -- L. Klages: Die pſycho=-
logiſchen Crrungenſchaften N.3 (1926). = Prinzhorn:
N. und das 20. Jahrhundert (1928). Odenwald.
Nvvlogijche Rüdagogit. 1. Philofophiſche
Grundlage. 2. Das humaniſtiſche Gr=-
ziehungsziel. 3. Das ſoziale und das
naturhafte Erziehungsziel. 4. Verhält-
n1s zur Sozialpädagogik. 5. Verhältnis
zur Jndividualpävagogik. 6. Verhältnis
zur Pädagogik ves deutſchen Jdealis-
mus. 7. Zuſammenfaſſung.
1. Philojophijche Grundlage. Die noologiſche
Pädagogif wurzelt in der Weltanſchauung Nu-
dolf Cuckens. Sie nimmt demgemäß ihren ober-
ſten Standort in einer dem menſchlichen Kreije
überlegenen Ordnung, die Cucken Geiſteswelt
over Geiſtesleben nennt. Dieſes Geiſtes8leben iſt
dem Menſchen überlegen, wirkt aber doch in
jenen Kreis hinein und kann von ihm angeeignet
werden, wenn er bereit iſt, fortgeſeßt den Kampf
mit dem Bloßmenſchlichen auſzunehmen. Dieſer
Kampf erfordert einen ethiſchen AktiviSmus8, der
ſich von einem flachen Optimi3mus wie von
einem müden und tatloſen Peſſimismus in glei-
cher Weiſe ſern hält.
2. Das humaniſtiſche Erziehung3ziel. Die
vinerfennung und Aneignung des Geiſteslebens,
vas jich uns inNReligion, Moral, Kunſt und Wijſen-
Ichaft oſſenbart, iſt die eigentliche Beſtimmung
des Menſchen. Da aber der Beſtimmung des
Menjchen auch das oberſte Erziehungsziel ent-
Nießjhe -- Novlogiſche Bädagogik
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jprechen muß, ſo ergibt ſich für die Erziehung als
erſte und höchſte Aufgabe, daß ſie den heran-
wachſenden Menſchen für die Anerkennung und
Aneignung der ewigen Ordnungen des Geiſtes-
lebens tauglich macht. Da nun aber in dem Ver-
hältnis des Menſchen zum Geiſtesleben ſeine
eigentlich menſchliche Beſtimmung beſchloſſen
liegt, jo fann das oberſte Erziehungsziel paſſend
das humaniſtiſche genannt werden.
3. Das ſoziale und das naturhafte Erziehungs:
ziel. Der Menſc) gehört aber nicht bloß dem
Geiſtesleben, ſondern auch der Welt der Exr-
ſahrung an, in der er innerhalb einer Gemein-
jchaſt zu leben und zu wirken berufen iſt. Da nun
jede Gemeinſchaft beſtimmten Exiſtenzbedingun-
gen unterſteht, die von dem einzelnen Menſchen,
der ihr angehört, anerfannt und beachtet werden
müſjen, jo muß der Menſch auch ſo erzogen wer-
- den, daß er Ginſicht gewinnt in die Bedingungen
eines ſozialen Zuſammenlebens und gewillt
wird, ſich dieſen Bedingungen zu fügen. Damit
tritt neben das humaniſtiſche Erziehungsziel als
zweites eim joziales. Das oberſte Ziel iſt unt
bleibt aber das humaniſtiſche, ſv daß, wenn etwo
die ſozialen Forderungen mit den Forderunger
des Geiſteslebens in Konflikt kommen, dieſen vo1
jenen unbedingt der Vorrang eingeräumt werder
muß. =- Da der Menſ endlich aber auch ein
Naturwejen und als ſolches an die Geſetze ge-
bunden iſt, die die Natur beherrſchen, ſo muß c1
auch jo erzogen werden, daß er Einſicht gewinn!
in dieſe Geſetze und gewillt und fähig wird, ſein
förperliches Leben mit ihnen in Ginklang 31
bringen. Damit ergibt ſich als drittes Erziehungs
ziel ein naturhaſtes. So ſtellt alſo die noolv-
giſche (d. h). im Geiſtesleben wurzelnde) Pädago-
gif drei Erziehungsziele auf, nämlich ein perjo-
naliſtiſch-humaniſtiſches, ein ſoziales und ei
| naturhaftes, weiſt aber unter dieſen dem perſona.
liſtiſch-humaniſtiſchen die erſte Stelle zu.
4. Verhältnis zur Sozialpädagogit. Die So.
zialpädagogit ſtellt als oberſtes Erziehungszic
das ſoziale hin. Man unterſcheidet zwiſchen einc!
pojitiviſtiſchen und emer idealiſtiſcher
Sozialpädagogik. Die poſitiviſtiſche hat ihre:
Namen von dem jogenannten PoſitiviSmus, den
philojophiſchen Syſtem des Franzoſen A. Com-
te, der von 1798-1852 lebte. Auch die Englände1
I. St. Mill und Herbert Spencer werden zu der
Poſitiviſten gerechnet, aber Comte iſt der eigent.
liche Begründer dieſer Vhilojophie. Dieſe ſchließ
alles aus, was ſich nicht tatſächlich erweiſen läßt
ſie ſteht nach Comte mit den Tatſachen in Ein:
klang und det die wirklichen, unabänderlichet
Geſeke aller Phänomene und aller Ordnunge1
von Phänomenen auf. Sie iſt nur auf das „Poſi-
tive“, d. h. auf die Welt der unmittelbaren Wahr-
nehmung und Erfahrung eingeſtellt und ſcheide!
alle lezten Fragen nach dem Woher und Wohir

aus. Weil es eine jenſeitige Welt nach ihr nich!

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