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jönlichkeiten will, der ſie ins Leben ruſt und die
Bedingungen für ihre Exiſtenz ſchafft. Nur
in der Verſjönlichkfeit Gottes findet die werdende
geiſtig-ſittliche Perſönlichkeit des Menſchen ihre
Ruhe. Und andererfſeit8; darin am meiſten
erweiſt ſich Gott als lebendige Gott-Perſjön-
lichfeit, daß er auf dieſe38 Ziel hin wirkt, daß
ſich ſreie geiſtig-ſittliche Perſönlichkeiten heraus-
bilden, vie in Lebens8gemeinſchaft mit ihm
treten können. Es iſt unmöglich, zu einem un-
perſönlichen Abſoluten ein wirklich perſönliches
Verhältnis religiöſer Art zu gewinnen. Wenn
man das Weſen Gottes nicht geiſtig-perſönlicher
Art denkt, dann ordnet man e3 ja damit der
höchſten Organiſationsſtufe des Lebens unter,
die ſchon in der Sinnenwelt erreicht iſt. Urgrund
und Endzwe> der Welt würden dann in einer
Criſtenzform liegen, die ſchon in dieſer Welt
überholt werden könnte, ja bereits überholt
wäre. So wird der P. in der lezten Konſequenz
zum reinen Atheismus zurückgedrängt. Jeden-
jalls bietet er keinen ſicheren Schuß gegen das
Zurücfſallen in eine rein naturaliſtiſch-atheiſtiſche
Weltanjhauung. Und er bietet alſo keine
Gewähr, eine wirklich ethiſch orientierte Welt-
anſchauung durchzuführen. Denn wirklich
Cthiſches iſt nur da, wo es verankert iſt im
ethiſchen Willen perjönlichen Lebens.
4. Der Panentheiömus. Der Begriff des Pan-
entheismus iſt weder unter hiſtoriſchem
noch unter jachlichem Geſichtspunkt ſcharf
abzugrenzen und eindeutig zu beſtimmen.
Sachlich iſt er am beſten auf die Verſuche zu
beſchränken, eine mittlere Poſition zwiſchen
TheiöSmus und P. einzunehmen, ſich alſo der
Entſcheidung gegenüber der in Wirklichkeit
beſtehenden ſtrengen Alternative zu entziehen.
Hijtoriſch angeſehen werden als Panentheismus
bejonders diejenigen Formen des P. bezeichnet,
welche die vorher aufgezeigten Wahrheits-
momente desſelben in den Vordergrund rücken,
vhne doch zu ſeinem eigentlichen Weſensmerkmal
flar und ſicher Stellung zu nehmen.
Wobbermin.
ParallelisSmus. 1. Entwielnde Darſtellung.
a) Erflärung und Entſtehung. Unter P.
(„Lehre) verſteht man diejenige Auffaſſung
des Verhältniſjes von Immateriellem und
Materiellem, welche eine durchgehende Pa-
rallelität zwiſchen beiden behauptet. Ge-
wöhnlich bezeichnet man mit P. im engeren
Sinne den ſog. „pſychophyſiſchen P." im
Unierſchied zum „metaphyſiſchen P.“ Dex
pſychophyſiſche P. betrifft den Menſchen
(Seeliſches: Leibliches), der metaphyſiſche die
Welt (Geiſtiges: Körperliche8). Der pſycho-
phyſiſche P. lehrt demnach: das Nacheinander
von Seeliſchem iſt dem Nacheinander von Leib-
lichem (Gehirnlichem) in dem Sinne parallel,
daß jedem neu auftretenden ſeeliſchen Zuſtand
Panthei8mus, Panentheismu3 -- Parallelismus

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des Menjc tretender leiblicher (gehirnlicher) Zuſtand des
Menjhen entſpricht und umgekehrt, ohne daß
die beiden verſchiedenen Zuſtandsreihen in
einem urſächlichen Abhängigkeit8verhältni8 zu
einander ſtünden. Der metaphyſiſche P. lehrt
entſprechend, daß notwendigerweiſe mit jeg-
lichem Körperzuſtand in der Welt, unabhängig
von ihm, gleichzeitig ein geiſtiger Zuſtand in
der Welt ſtatthabe und umgekehrt. Obwohl
nun der metaphyſiſche P. logiſch die Ber-
allgemeimerung des pfychophyſiſchen bedeutet,
hat er in der Geſchichte der Philoſophie ſrüher
eine ausführlichere Darſtellung gefunden(Spino-
ziSmus8, Jdentitätsphiloſophie) als der pjycho-
phyſiſche P. in der Geſchichte der Pſychologie
bzw. Phyſiologie. Daher pflegt der pſycho-
phyſiſche P. jeine Behauptung gern durch
Hinweis auf den metaphyſiſchen P. zu ſtüßen.
-=-- Der pſychophyſiſche P. iſt als vieljeitig aus-
gebaute pfychologiſche Theorie aus dem Gegen-
ſaß zur Wecdhſelwirkfungslehre entſtan-
den, deren anſcheinende innere Mängel er zu
beſeitigen fuchte. Zwar fetzen beide Theorien
ſowohl die Grundverjchiedenheit von Seeliſchem
und Leiblichem als auch einen Zuſammen-
hang zwiſchen beiden voraus. Während aber
der pſycho-phyſiſche P. die beiden Zuſtands-
reihen als von einander unabhängig behauptet,
lehrt die Wechſelwirkungslehre gerade die
wechſelſeitige urſächliche Bedingtheit eines See-
len- bzw. Leibe3zuſtandes von einem Leibes-
bzw. GSeelenzuſtande. Beſteht nun auf der
einen Seite der Vorzug der Wechſelwirkungs-
lehre gerade darin, daß ſie der Forderung ge-
Ichlofjener Naturtaufalität Rechnung trägt,
inſofern als ſie jegliches Geſchehen, mithin auch
das ſeeliſche, in den Wirkungs8zuſammenhang
der Welt einbezieht, jo ſcheinen ſich damit auf
der anderen Seite zwei Hauptnachteile zu
ergeben. Crſtens nämlich ſah man in der Be-
hauptung eines wechſelſeitigen Wirkens zwiſchen
Seele und Leib einen Widerſpruch zum Saß
vom Wirken: wie follen ſo grundverſchiedene
Einzelweſen wie die (immaterielle) Seele und
der (materielle) Leib aufeinander wirken können,
da vo< Wirken (Kauſalität) die Gleichartigkeit
der in Wirfung3zuſammenhang ſtehenden Glie-
der erfordere! Zum anderen befürchtete man
von der Behauptung der Wechſelwirkung eine
Beeinträchtigung des Sakes von der Erhaltung
der Cnergie: wenn Leib auf Seele wirke, dann
gehe dem wirkenden Leibe (Gehirn) infolge
jeines Wirtfens Cnergie verloren, ohne daß
dod) die Seele als Wirkung-E: fahrendes Energie
gewinnen könne (Verminderung des Geſamt-
energiebetrag3); und wenn Seele auf Leib
wirke, gewinne der Wirkung-erfahrende Leib
Energie, ohne daß doch die wirkende Seele
Energie zuſeßen könne (Vermehrung des Ge-

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