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die Tätigkeitöberichte des Deutſchen Kulturamtes
in Hermannſtadt).
Abgeſchloſſen Herbſt 1929.
Literatur. Fr. Müller: Das Geſetz über das
nicht-ſtaatliche Schulweſen Rumäniens (Hermannſtadt,
Hynterus8drucerei, 1926). -- K. Albrich: Negulament
für die Durchführung des Geſetzes über den Partikulaxr-
j neue Lehrplan für ſtaatliche Volisjehilen (Verlag
wie oben, 192). = H. Jekeli: Die Entwieklung des
jiebenb.-ſäch!. höheren Schulweſens (Verlag wie oben,
1930). -- G. Noeßler, M. Fredel, H. Brandſd:
Der Führer im Schulamte (Schaeßburg, Markus-
druderei, 1930). Cſaßi.
Rundfunk. 1. Weſen. R. iſt die techniſche
Auswertung der phyſikaliſchen Entdeckung des
Bonner Univerſitätsprofejſor8 Hertz, daß elek-
triſche Schwachſtröme mit der Schnelligkeit etwa
des Lichtes die Erde umkreiſen. Sie können in
geeigneten Apparaten in akuſtiſche Wellen um-
gewandelt werden; auch können akuſtiſche
Schwingungen in elektriſche umgeſeßt werden.
Sind aljo ein Sende- und ein Empfangsgerät
auf die gleichen Schwingungs3zahlen abgeſtimmt,
jo können Klänge und Worte als elektriſche
Wellen mit ungeheuerer Schwindigkeit in ferne
Orte geſandt und dort gehört werden. Im Welt-
trieg ſand dieſe drahtloſe Telephonie, als Tele-
graph und Kabel unterbrochen waren, eine un-
geahnte Verwendung und Vervollkommnung,
blieb freilich in Deutſchland auch noch in den
erſten Nachkriegsjahren in der Hand des Reiches,
während in den Vereinigten Staaten von Amerika
jeder frei nach Belieben ſenden und empfangen
fonnte. Aber dieje Ungebundenheit ergab dort
eine jolche Fülle von wechſelſeitigen Störungen
der viel zu vielen Schwingungen, daß die Not-
wendigleit einer Organiſation eingeſehen wurde,
und zwar etwa zu derſelben Zeit, als im Deuts=-
jehen Neich Sendung und Empfang für die pri-
vate Benukung freigegeben wurden -- jedoc)
von vornherein nur bedingt ſrei. Die Reichöpoſt
jah den „Nundſunk", wie man ſich nun gewöhnte,
die Telephonie ohne Draht mit Hilfe des „Radio“
zu nennen, von vornherein als Nachrichtenſen-
dung an, die unter das VPoſtregal ſalle. Zwar
erlaubte ſie den ſich bildenden Aktiengeſellſchaften,
Sendeſtationen errichten zu laſſen, führt aber die
Crrichtung ſelbſt aus, erhebt für den Rundfunk-
empfang Empfangsgebühren der Privatabonnen-
ten, kontrolliert die Sendungen, indem ſie einen
Reichsrundfunkkommiſſar ernannt hat, dem das
gejamte Rundſunkweſen unterſteht, und befindet
ſich im Beſiß der Mehrheit der Aktien der Reich8-
rundſuntgejellſchaft als einer Dachgeſellſchaft der
übrigen deutſchen Sendegeſellſchaften, die re-
gional in Deutſchland arbeiten: der norddeut-
jchen mit dem Hamburger Hauptſender, der oſt-
deutſchen mit dem Königsberger Sender, der
mitteldeutſchen mit dem Leipziger, der ſchleſi-
ſchen mit dem Breslauer Sender, der Berliner
Funkſtunde, des rheiniſchen Sender3 in Langen-
%Vädagoaiiches Lexikon. IV.
Rumänien (Bildungsweſen) -- Rundfunk

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berg, des weſtdeutſchen in Frankfurt a. M. und
der beiden ſüddeutſchen Sender in Stuttgart
und in München. Zu diejen neun Geſjell-
ſchaften kommt nod) die für Janz Deutſchland
und die angrenzenden Gebiete arbeitende Ge-
ſellſchaft „Deutſche Welle" mit dem Sender
in Zeeſen bei Königöswuſterhaujen. Senden
dieſe Geſellſchaſten nach beſtimmten Pro-
grammen Nachrichten, Vorträge, Muſik, Hör-
ſpiele, Reportage-Veranſtaltungen (d. h. Mit-
teilungen über gerade ſtattfindende Ereigniſſe
unter Wiedergabe der dabei zu hörenden Reden,
iufiken, auch wohl Geräuſche), deren Unkoſten
jie aus den Geldern zu decken haben, die ihnen
von der Poſt aus den Abonnementseinkünſten
innerhalb ihrer Gebiete überwieſen werden, jo
liegt die Mehrzahl ihrer Aktien doch bei der
ReichsSrundfunfkgeſelljchaft, die nicht jelbſt jendet,
aber die Tätigkeit der deutſchen Sendegeſell-
ſchaften untereinander ausgleicht und gegenüber
dem Auslande vertritt; denn internationale
Vereimbarungen müjjen dafür ſorgen, daß ſich
die Auslandſender und -empfänger nicht mit den
heimiſchen bei Sendung und Empfang in die
Quere kommen.
2. Bedeutung. Ohne weiteres ſind die poli-
tiſchen und wirtſchaftlichen Werte klar, die der
R. durc die raſche Nachrichtenübermittelung und
die Empfangsmöglichkeit auch an abgelegenjten
Ortſchaften in ſich birgt. Schiffahrt, Luſtver-
kehr, einſame Expeditionen over Beobachtung3-
ſtationen auf Berggipfeln und Inſeln find ebenſo
wie Geld- und Warenbörſen, Marktverkehr,
Politik, Verwaltung durch den R. bei der Löſung
ihrer Auſgaben ungeheuer gefördert worden und
bereits völlig auf ihn angewieſen. Rein geiſtige
Kultur, wiſſenſchaftliche, pädagogiſche und künſt-
leriſche, ſieht ebenfalls ſich durch den R. unter-
ſtüßt und lebhaft angeregt. Nachdem die ver-
ſchiedenen bildhaften Wervielſältigungsarten,
auch Lichtbild und Film, eine Zeit der Bild-
fultur zum beſten der auf Abbildungen ange-
wieſenen Forſchung, des auf bildliche Lehr-
mittel ſich ſtüßenden Unterrichts und der zu Bild-
wiedergaben greifenden Kunſtwiſſenſchaft und
künſtlerijchen Grziehung ſowie des Schmutk-
und Unterhaltungsbedürfniſjes herauſbeſchworen
hatten, die auch der funftionellen Übung im
Sehen, Beobachten und Deuten zugute kam,
wird der NR. die Fähigkeit, zuzuhören, dem Klang
ſinnlich und ſeelijch ſich verſtändni8voll hinzu-
geben, ſteigern undinsbeſondere der geſprochenen
Rede mit ihrem eigenen Stil wieder mehr Gel-
tung verſchaffen neben dergeſchriebenen Sprache,
die ſeit der Crfindung der Buchdruckerkfunſt die
durch3 Ohr aufzunehmende zurückgedrängt hat.
Ob der R. eine Kultur des Hörens und Spre-
die Technik der Apparatur betrifft, von ihm ſelbſt
ab, im übrigen aber von denen, die ihn, Sen-
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