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Verdienſt um die Pſlege der körperlichen Er-
tüchtigung nicht minder groß. Al3 um 1880
die Klagen ſich mehrten, daß die Jugend durch
das gebräuchliche Turnen mit der Bevorzugung
der Geräte nur einſeitig ausgebildet werde,
janden ſie zwar in den beteiligten Kreiſen ſtarken
Widerhall, und e8 waren auch an vielen Stellen
Anfänge zu verſpüren, die dieſen Klagen zu be-
gegnen verſuchten, aber es fehlte der Zuſammen-
jchluß, der ſyſtemiatiſche Aufbau und die Rerſön-
lichfeit, die eine planvolle Führung gewähr-
leijtete und alle Volkskreiſe zu gewinnen ver-
ſtand. Erſt als bei der deutſchen Philologen-
tagung 1889 in Görlitz durch Eitner und Jordan
umſangreiche Jugendſpiele vorgeführt wurden,
war der Anlaß gegeben, die interejſierten Lehrer
durc< Spielkurſe zu gewinnen und die Allge-
meinheit zur Verfolgung der Aufgabe anzu-
regen. Nach umfangreichen Vorarbeiten grün-
dete Sch. 1891 mit einem Kreis Gleichgeſinnter
den „Zentralausſchuß für Volks8- und Jugend-
jpiele“. Nachdem er in einem Aufruf der Öffent-
lichfeit die Bedeutung der Volk8- und Jugend-
ſpiele als eines neu. zu erſchließenden Volks-
wohlfahrts8gebietes dargelegt hatte, richtete der
Zentralausjchuß in allen Teilen Deutſchlands
Ausbildungskurſe ein und ſorgte durch alljährlich
ſtattfindende Verſammlungen dafür, daß in
Wort und Tat die körperliche Ertüchtigung durch
Bewegungsſpiele und gejunden Sport plan-
mäßig auſgebaut und durchgeführt wurde. Die
von Sch. 1892 verfaßte Schrift „Über Volk8- und
Zugendſpiele in Deutſchland“ war die erſte in
der Reihe der von da ab regelmäßig erſcheinen-
den „Zahrbücher für V.- u. 3." Sc. verſtand
es, immer neue und bedeutende Mitarbeiter
heranzuziehen (3. B. Raydt, Schmidt-Bonn,
Kohlraujc< u. a.), die Über alles berichteten,
iwas die Spiele und die ihnen verwandten
Leibe3übungen in ihrem praktiſchen Betrieb,
ihrer erziehlichen und geſundheitlichen Bedeu-
tung, ihrer Literatur und ihrem fortſchreiten-
den Wachstum in Deutſchland betraf. Beſon-
dere Aufmerkjamkeit ſchenkte Sch. auch der Ver-
breitung der Leibezübungen an den deutſchen
Hochſchulen. Sein 1895 erſchienener Aufruf
jand hier lebhaften Widerhall, und ſein in Ver-
bindung mit Heinrich-Charlottenburg 1900 her-
ausgegebener „Ratgeber zur Einführung der
körperlichen Spiele an den Hochſchulen" fand
nicht nur an dieſen, ſondern auch an den Gym-
najien ujw. die ſtärkſte Verbreitung. In gleicher
Weiſe war Sch. auch für die Einführung und
Verbreitung der turneriſchen Spiele im Heer
und der Marine tätig. Wenn die 1897 erſchie-
nene Denkſchrift „Über die Einrichtung deutſcher
Nationalfeſte“ auch nicht in dem großzügigen
Sinne Sch.8 zur Auswirkung kam, ſo gab ſie
doch mittelbar Veranlaſſung zu der 1899 er-
folaten Gründung eine8 „Reichsvereins für
Schenkendorf -- Schiller

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vaterländiſche Feſtſpiele", der jahrzehntelang
zur Hebung des nationalen Gedankens ſegens-
reich wirkte. Die „Denkſchrift über die natio-
nale Erziehung durch Leibe3zübungen" (1910)
hat über ihre Zeit hinaus ihre aktuelle Bedeu-
tung behalten.
Außer den hier angeführten größeren Schriften
erbrachte Sch. in zahlreichen kleineren Abhand-
wien und Vorträgen den Beweis, Daß er nicht
nur als Führer anregen und intereſſieren konnte,
jondern auch in den techniſchen Fragen der Aus-
führung ſeiner Zdeen bis ins kleinſte unter-
richtet war und ſie beherrſchte. |
Literatur. Schriftenv. S<<.3: Die praktiſche Er-
ziehung, eine Forderung der Zeit an die Schule (1880) ;
Die allgemeine Schulreform (1880) ; Eine nordiſche Reiſe
im Dienſte des Arbeitöunterrichtes (1888); Die ſoziale
Frage und die Erziehung zur Arbeit in Jugend und Volk
(1892); Über Volk8- und Jugendſpiele in Deutſchland
(1892) ; Zur Frage der werktätigen Erziehung der Jugend
(1907); Über nationale Erziehung (1910); ferner: v.
Sch. und Heinrich: Ratgeber zur Einführung der kör-
perlichen Spiele an den Hochſchulen (1900). =“- Einzelne
Beiträgein: „Die Arbeit8ſchule“ (1912, 1914,1915)
„Blätter für Knabenhandarbeit“ (1880-1911);
„Nordweſt“(1882, 1883); Jahrbuch für Volk8- und
Jugendſpiele(1892 ff.); Krieg8jahrbuch für Volks-
und Jugendſpiele (1915, 1916). Vergl. ferner die
Verhandlungen de8 Preuß. Abg.-Hauſes v. 1893,
1895, 1910, Hildebrand.
Schiefertafel ſ. Lehr- und Lernmittel.
Sdthielen /. Krankheiten des Schulalters.
Schiffahrisſchulen ſ. Fachſchulweſen und das
Bildungsweſen der Länder.
Schilddrüje j. Krankheiten des Schulalters,
Sekretion (innere).
Schiller, Fr. v. 1. Ein ergreifendes Vor-
bild der Selbſterziehung. 2. Der erſte
Verkündiger einer Erziehung durch die
Kunſt. 3. Ein Lehrer unſerer Jugend.
Es kann nicht Aufgabe des folgenden Artikels
jein, den Leben8gang und die künſtleriſche Lei-
ſtung Sch.3 überſichtlich darzuſtellen; vielmehr
wird es nur darauf ankommen, das aufzuzeigen,
ivas an ihm in pädagogiſcher Hinſicht von bleiben-
der Bedeutung iſt.
1. Ein ergreifendes Vorbild der Selbſterziehung.
Wenn man. mit Recht geſagt hat, der Erzieher
könne nichts Höheres erreichen, al3 daß der Zög-
ling mit Bewußtſein ſich ſelbſt erziehe, und
wenn es in der Theorie der Pädagogik leicht iſt,
Ziele und Wege anzugeben, ſo wird man immer
dankbar zu jeder Perſönlichkeit aufſchauen, die
durch die Tat wahr gemacht hat, was ſie in
Worten forderte. Sch. iſt einer der gewaltigſten
Kämpfer aller Zeiten; ſein Leben iſt das Bild
einer vollendeten Selbſterziehung. Daß der
Menſch frei iſt, und wär* er in Ketten geboren,
daß der Wille ihn groß oder klein macht, daß
der Geiſt ſtärker iſt al8 der Stoff, hat er im
.
,

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