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Sthöppa, Gottlob. 1. Lebens8gang und Perſön-
lichkeit. Sch. wurde 1846 in Spiegel in der
Mark Brandenburg als Sohn eines Kantor ge-
boren und verlebte die Zeit ſeiner Kindheit bi8
zu ſeiner Cinſegnung hier und in Zechin bei
Küſtrin. Nach dem Beſuch des Gymnaſiums in
Frankfurt a. O. ſtudierte er Theologie in Berlin
und Halle, machte den Krieg 1870/71 al3 Feold-
diakon mit und wandte ſich nach Ablegung der
beiden theologiſchen Brüfungen und nach kurzer
Tätigkeit als Hauslehrer und Kadettenerzieher
dem Lehrerbildungsdienſt zu. 1874 wurde er
Seminarlehrer im CElſterwerda, 1876 erſter
Seminarlehrer (Seminar-Oberlehrer) in De-
libſc<. In dieſer Zeit war er fünf Jahre lang
als Mitglied der konſervativen Partei Landtags-
abgeordneter für ven Wahlkreis Delißſch. Von
1383-1892 leitete er als Direktor das Seminar
in Delikſch und war dann als Regierungs- und
Schulrat in Magdeburg, Trier und Schleswig
tätig. In Schleöwig lag ihm neben der Beauſ-
jichtigung des Volksſchulweſens auch die Leitung
der Lehrerbildung und der höheren Mädchen-
jchulen der Provinz ob, bis er hier 1899 zum
Provinzialſchulrat ernannt wurde. 1901 als
Vortragender Rat in das Kultusminiſterium
berufen, wirkte er hier bis zu ſeinem Übertritt
in den Ruheſtand 1913. Er ſtarb 1921. Sein
Leben3- und Bildungsgang erklärt manche be-
jonderen Züge ſeines Weſens. Dem Lande als
der Quelle der Volkskraft brachte er ſtet3 hohe
Wertſchäßung entgegen, hatte großes Ver-
ſtändnis für ländliche Dinge und war ſchon früh
entjſchlojjen, für die Volksſchule und den Volk8-
jhullehrerſtand zu wirken. Starkes preußiſches
Nationalgefühl, Sinn für Wehrhaftigkeit und
Freude an großen vaterländiſchen Taten zeich-
neten ihn aus. Zu dem kernhaften Stamm der
Nordmark empfand er ſtet38 beſondere Zuneigung
und bewährte für die eigenartigen Bedürfniſſe
des dortigen Schulweſens ein tiefeindringendes
Verſtändnis. Mit umfaſſendem Wiſſen, reicher
Erfahrung und abgeflärtem Urteil verband er
eine gewinnende Liebenswürdigkeit, die allen
Rat- und Hilfeſuchenden wohltat und bei der
Beſichtigung von Schulen jeder Art ſtet3 neue
Arbeitsfreude zurücließ.
2. Amtliches Wirken. Sch.3 Tätigkeit im
Kultus8miniſterium galt zunächſt den deutſchen
Leſebüchern der Volk8- und Mittelſchule. Auf
dieſem Gebiete waren allmählich unerträgliche
Mängel entſtanden. Die Leſebücher berück-
jichtigten zu wenig den heimatkundlichen Ge-
ſichtöpunit, einige waren einſeitig ſchöngeiſtig,
andere rein realiſtiſch gehalten; ſtatt der Schäße
unjerer volkfstinnlichen Literatur enthielten ſie
dürftige Machwerke unberufener Verſaſſer; der
Bilderſchmuc fehlte faſt ganz. Der Erlaß vom
28. Februar 1902 (Zentralblatt für die geſamte
Unterricht3verwaltung in Preußen 1902,S.326ff.)
Schöppa

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gab die Nichtlinien an, nach denen die Leſebücher
umzuarbeiten oder neuzugeſtalten waren. Sch.
hat bei der oberſten Prüfung der Bücher eine
außerordentliche Arbeit geleiſtet. Wenn heute
in unſeren Volk8- und Mittelſchulen im ganzen
gute Lejebücher vorhanden ſind, ſo gebührt ihm
ein weſentlicher Teil des Verdienſte3. =-- Mit
yanzer Kraft wandte er ſich) dann der Reform
ver Mitteljchule zu. Die Allgemeinen Be-
ſtimmungen vom 15. Oktober 1872 enthielten
eimen Klan für Mittelſchulen, der längſt überholt
war. Namentlich im Weſten Preußens batten
ſich hier und da blühende Mittelichulen ent-
wicdelt; im ganzen aber entſprach vie ESchul-
gattung nicht den Forderungen der Zeit. Denn
inzwiſchen hatten ſich Handwerk, Handel und
Induſtrie gewaltig entwiekelt, und immer mehr
machte ſich das Bedürfnis geltend, die zahlreichen
Stellen im mittleren Verwaltungsdienſt des
Staates und der Gemeinde ſowie in großen
Handelsgeſchäften und induſtriellen Werken mit
jüngeren Leuten zu beſeßen, deren Vorbildung
einerſeits über die Volköſchule hinausging,
andererſeits grundſäßlich praktiſch gerichtet war
im Gegenſaß zu den höheren Schulen mit ihrer
mehr wiſjenſchaftlichen Cinſtellung. Die Not-
wendigkeit, eine zwiſchen Volksſchule und höherer
Schule ſtehende vollwertige Mittelſchule ins
Leben zu ruſen, war unabiveisbar. Sch. ſchuf
den Plan vom 3. Februar 1910 (Zentralblatt
1910, S. 343 ff.). Dieſex Plan fand ungeteilte
Zuſtimmung. Das Weſen der Mittelſchule war
lar beſtimmt; innerhalb des großen Rahmens
war eine großeBewegungsfreiheit für mancherlei
Sonderbedürfniſſe gegeben; die Fortſchritte der
Didaktik und Methodik fanden eine erfreuliche
Berücſichtigung. Troß der Schwierigkeiten
während des Krieges und der Zeit nachher haben
vie Mittelſchulen ſich eine geſicherte Stellung
errungen und ſich derart entwickelt, daß ein neuer
Plan erforderlich wurde, der am 1. Juni 1925
erſchien (Zentralblatt 1925, Beilage zu Heft 12).
Er verlängert den Lehrgang der Mittelſchule
um ein Jahr, ſußt aber im weſentlichen auf dem
Plan Sch.3, der mit Recht der Gründer der
preußiſchen Mittelſchule genannt werden darf. =-
Schließlich erſtreckte ſich Sch.3 Tätigkeit auf das
Lehrerbildungösweſen. Die Ordnung für die
zweite Prüfung der Volksſchullehrer vom Jahre
1901 (Zentralblatt 1901, S. 644 ff.), die an den
Lehrerjeminaren abgehalten wurde, befriedigte
nicht, da ſie zu theoretiſch war und die Lehr-
proben vor unbekannten Klaſſen keinen ſicheren
Maßſtab der Bewertung boten. Die Prüfungss-
ordnung vom 13. Juli 1912 (Zentralblatt 1912,
S. 555 ff.), die hauptſächlich von Sch. entworfen
iſt, verlegt die Prüfung in die Klaſſe des Lehrer8.
Hier kann dieſer in Wahrheit zeigen, was er in
erziehlicher und unterrichtlicher Hinſicht zu leiſten
vermag. Die theoretiſche Prüſung ruht ganz auf

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