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der Speijeſäle rechnet man bei langen Taſeln
1--1,1 qm Grundfläche einſchließlich Gänge für
einen Schüler. Die Erzieherzimmer -- Wohn-
ſtube mit kleiner Schlaſſtube -- ordnet man in
die betreffende Raumgruppe der Schüler-
zimmer ein.
Zwiſchen Schule und Schule mit Schülerheim
ſteht die TageSheimſchule, die vielfach in größeren
Städten zunächſt für ſchivächlihe Kimider ein-
gerichiet wird. Hier fahren die Kinder morgens
hinaus, werden draußen -- meiſt im Walde --
unterrichtet, betreut und verpflegt und abends
wieder abgeholt. Zu einer ſolchen Schule gehören
neben den Klaſjenräumen ein Speiſeſaal mit
Küche, offene Hallen, Lehrerzimmer, Waſch-
raum und eine Kleinwohnung ſür ven Wärter.
Die Klajſe wird dabei oft als Freiluftklaſſe ein-
gerichtet, d. h. die Fenſter ſind als große ver-
glaſte Türen oder als verjenkbare verglaſte
Wände eingerichtet, jo daß ſich die Klajje faſt
völlig nach dem Freien zu öffnen läßt. Nach
Art diejer Freilufttlaſſen werden Übrigens
heute beſonders in Großſtädten auch ſchon ganze
Schulen eingerichtet.
11. Geſamtanorxrdnung. Die baulichen Grund-
ſormen der Schulhäuſer ſind außerordentlich
verſchieden; ſie bewegen ſich zwiſchen der ein-
klaſſigen Volksſchule mit Lehrerwohnung, die
übrigens noch über 40%, der Volksſchulkinder
im Preußen betreut, und den großen ſtädtiſchen
Schulen von 30 und mehr Vollsſchulklaſſen und
den großen höheren Doppelanſtalten. Je kleiner
die Bauaufgabe, deſto einfacher ſei die Form des
Haujes. Reichere Grundſormen treten mit dem
Wachjen der Klajjenzahl auf. Jm weſentlichen
werden es Gebäude mit Seitenſlur oder mit
Mittelſſur oder Vereinigungen beider Formen
jein. Beide Grundformen ſind bei richtiger Ver-
wendung gut, die mittelflurige iſt gedrängter,
die feitenflurige großräumiger und heller. Starf
beeinflußt wird die Geſamtanlage durch die
Großräume Turnhalle und Aula. Man ver-
bindet heute grundſäßlich die Turnhalle mit
dem Klaſſenhaus, wodurch man die tro>ene Wer-
bindung hat und beſſere Verbindungen zu Ab-
orten, Schulbad uſw. Flache Dächer werden in
Großſtädten mit beengtem Bauplaß vielfach als
begehbare Plattformen ausgebildet und dienen
auch für Gymnaſtik ſowie als Liegehallen und
für Unterrichtözwede, 3. B. Himmel3beobachtung.
Die neuere Zeit liebt fachlich und natürlich
gruppierte Baumaſſen. In ſeinem Äußeren ver-
meidet das heutige Sch. repräſentative Gebärde
und architektoniſche Poſe; da38 Vorherrjchen der
großen, lichten Fenſteröffnungen kennzeichnet
es hinlänglich und gibt ihm etwas Aufgejchloſſe-
nes, Heiteres, wie es ſich für ein Haus der
Jugend gehört. Jm Innern wird die Klarheit
ver Räume noch durch helle und friſche Anſtriche
betont. Von den trüben Farbtönen vergangener
Schulgebäude -- Schulgeld


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Jahrzehnte iſt man längſt abgekommen, ver-
meidet allerdings auch auſdringliche Farbigkeit.
Ganz helle Töne in den großen Flächen kommen
auch den Forderungen mancher Hygieniker ent-
gegen. Cin aus dem neuen Geiſt der Aufgabe
heraus mit Sorgfalt und Hingabe geſtaltetes
Sch. wird Kräfte in ſich bergen, die an dem Werk
nos Erzichers unauffällig, aber ſtetig und nach-
drücklich mitarbeiten.
„Literatur. Bau und Einrichtungen ländlicher Schul-
häuſer in Preußen. Herausgegeben vom Preuß. Mi-
niſterium der geiſtlichen Unterricht8- und Me-
dizinal-Angelegenheiten (1895). -- Deliu8: Bau
und Einrichtungen der ſtaatlichen höheren Lehranſtalten
in Preußen (1913). -- Dienſtanweiſung für die
Ortsbaubeamten der Staats8hochbauvertwaltung (1910).
=- Handbuch der Architektur, IV. 6, 1. Niedere
und höhere Schulen (1889). =- Über: Die ſtaatlichen
Seminarbauten in Preußen (1913). -- Vetterlein:
Die Baukunſt des Schulhauſes (1909). --- Beiſpiele für
neuere Schulen finden ſich zahlreich in den Fachzeit-
ſchriften für Architektur und Bautveſen ſowie in Sonder-
veröffentlichungen einzelner moderner Schulen. Hane.
Schulgeld. 1. Die Entwicklung vom Schulgeld
zur Unentgeltlichkeit bei den Pflichtſchulen. Unter
Schulgeld verſteht man die Gebühr, welche die
Eltern für die Benuzung von Schulen durch
ihre Kinder zu zahlen haben. 8 iſt alſo eine
Bergütung ſür eine beſondere Leiſtung, die
neben den allgemeinen zur Unterhaltung von
Schulen dienenden Abgaben von Eltern zu ent-
richten iſt. Wer keine Kinder zur Schule zu
Ichiden hat, bleibt von dieſer Gebühr verſchont.
Die Privatſchulen werden faſt ganz, die höhere
Lehrziele als die der Volksſchule verfolgenden
Schulen zu einem erheblichen Teile durch das
Schulgeld erhalten. Die Anſchauung, daß die
öffentliche Gewalt, welche den Schulzwang an-
ordnet, verpflichtetiſt, den Cltern die zur Erfüllung
: des Schulzwanges dienende Schule unentgeltlich
zur Verfügung zu ſtellen, ſtammt aus der Zeit
der erſten franzöſiſchen Revolution. Es iſt noch
nicht lange her, daß Staat und Gemeinde troß
des ſtaatlichen Schulzwanges als berechtigt zur
Crhebung von Schulgeld für die Benußung der
Bolksſchule angeſehen wurden. Guizot bezeichnete
die Unentgeltlichfeit noch 1860 als den Traum
hochherziger Geiſter. Dieligus de Yenseignement
ſtellte ſeit 1869 die Forderung der obligation,
gratuite und laicete vergeblich. Crſt 1881 gelang
in Frankreich nach Überwindung heftigen Wider-
ſtandes die Durchführung der Unentgeltlichfeit
(]. Sachſe, Die Unentgeltlichfkeit des Bolksſchul-
unterrichts in Frankreich. Preußiſche Jahrbücher
1883-84). In Preußen kam die Anjchauung,
daß die Unterhaltung der Volksſchule eine Auſ-
gabe der Allgemeinheit ſei und daher von
Sonderleiſtungen frei ſein müſſe, bereits in de
Beſtimmung des Allgemeinen Landrechts8 zun'
Ausdru>, daß die Schullaſt auf die Hausväte1
zu verteilen jei ohne Unterſchied, ob ſie Kinde!
haben oder nicht. Es verblieb aber trozdem be

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