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Literatur. Dörpfeld: Gej, Schr., 7. u. 3. Bd,
(1892 11.1898). =- Greßler: Über Schuliynoden (1890).
=- Wigge: Die Ehnlſynode (1890), = Mitteiluns=-
gen des Vereins der Freunde Herbark'ſcher
Pädagogik, Nr. 30 u. 31 (1907). Vogelſang.
Schulunterhaltung, 1. Die Tröger der Schyllaſt:
Reich, Länder und Gemeinden. Nach Art. 143,1
der Neichöverſaſjung wirken bei der Einrichtung
ver Schulen Reich, Länder und Gemeinden zu-
jammen. Gs iſt angenommen worden, daß
dem Reich damit auch die Verpflichtung auſ-
erlegt iſt, an der Unterhaltung der öſſentlichen
Schulen teilzunehmen. Mit der dritten Steuer-
nvfverordnung vom 14. Febr. 1924 hat ſich
jevoch das Reich von dieſer Aufgabe ausdrücklich
loSgejagt, indem es die gejamte Schul- und
Bildungspflege vorläufig den Ländern zu jelb-
ſtändiger Regelung und Crledigung Überlajjen
hat. Die Länder haben zu beſtimmen, inwie-
weit die Gemeimden an der GCrſüllung der ein-
zelnen Aufgaben zu beteiligen ſind. Hiernach
verbleibt es bis auf weiteres bei ver Regelung
der ESchulunterhaltung, wie ſie das einzelne
Land triſſt. An eine Reichsvereinheitlichung
iſt bei der mißlichen Finanzlage des Neiches auf
dieſem Gebiete weniger zu denken als auf
irgend einem anderen Schulgebiete.
Während der Aufſwanso für vie Schulauſfſichts-
behörden und die Lehrerbildung in allen Län-
dern vom Staat allein getragen wird, iſt die
Unterhaltung der Schulen jeibſt in den Ländern
jehr verſchieden geregelt, verjchieden auch für
Pflicht- und Wahlſchulen. Dem Schulzwange
entjpricht die Pflicht der Mitwirkung des den
Schulzwang auferlegenden Staates bei der
Schulverwaltung. Bei ſreiwilligem Schul-
beſuch erſcheinen Staat und Gemeinde nur joweit
als ihr Intereſſe an vem Beſtehen der einzelnen
Anſtalt reicht, zur Tragung der Koſten ver-
pflichtet, daneben aber auch die GCltern.
Der Dru der Schulunterhaltung hat dazu
geführt, ſie auf immer breitere Schultern zu
legen. Urſprünglich wurde ſie als eine Pflicht
der Eltern angeſehen, denen die Kirche helfend
zur Seite trat, jpäter der Hausväter, dann der
politiſchen Gemeinde und, als viele von ihnen
ſich als leiſtungöunſähig erwiejen, als Pflicht
eines Zwedverbandes von Gemeinden unter
Beiſtand des Staates, ſchließlich des Staates
jelbſt. Die ſächlichen Laſten verblieben jedoch
allgemein der Gemeinde. Für die Tragung
der perſönlichen Laſten iſt der Staat in immer
höherem Maße eingetreten. Ginige kleinere
Länder, aber auch Bayern, haben die perjün-
lichen Volksichullaſten dem Staate ganz über-
tragen, während die meiſten nur eine mehr
oder minder große Beteiligung des Staates
daran vorgeſehen haben. Häufig iſt der Staat
die zahlende Stelle, ohne daß er die Laſt allein
trägt. Die Gemeinden laſjen ihre Beiträge in
Schuljſynoden -- Schulunterhaltung

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die vom Gtaate vorgeſehene Kaſſe fließen
(Preußen), oder ihre Beteiligung wird beim
inneren Finanzausgleich bewirkt (Sachſen, Thü-
ringen, Meklenburg-Schwerin). Manche Länder
haben im der Übernahme der perjönlichen Volk8-
jchullaſt ihre finanzielle Kraft überſchäkßt (u. a.
Heſſen), ſind gerade dadurch in finanzielle
Schwierigkeiten geraten und haben teilweiſe die
Beteiligung des Staates auf geſeßlichem Wege
zu Laſten der Gemeinden geändert (Württem-
berg, Medlenburg-Schwerin). Die ſächlichen
Laſten haben die Länder den Gemeinden über-
lajjen, während eine Beteiligung des Staates an
ihrer Tragung wenn überhaupt, jo dochnurin ſehr
beſcheidenem Umfange vorgeſehen iſt. Dabei
wird die Gewährung einer Dienſtwohnung zwar
als eine ſächliche Leiſtung der Sculunterhal-
tungspflichtigen behandelt, aber ihr Wert wird
ihnen entſchädigt. Die Unterſtüzung leiſtungs-
unfähiger Gemeinden wird meiſt dem Ermeſſen
der Behörden Überlaſjen. Cs trifft das nament-
lich zu für die ſächlichen Ausgaben (Schulbauten).
Objektive Maßſtäbe für den Begriff der Leiſtungs-
unſähigteit zu finden, iſt außerordentlich jehwer.
Oft haben Landtage, wenn ſie die der Schul-
behörde zur Verfügung geſtellten Ermejſſungs-
jonds, welche ſie als Korruptionsfonds anſahen,
beſeitigen wollten, nach vielen vergeblichen Ver-
juchen es aufgegeben, objektive Maßſtäbe zu
finden und ſind wieder zur Bewilligung vor
Ermeſſensfonds zurüdgekommen. Solche Fonds
werden ſich bei der Vielgeſtaltigkeit dex Verhält-
nmijje niemals ganz vermeiden lajjen.
Das Geſetz, welches die Unterhaltung der
Bolksſchule vorſieht, wird in Preußen und Meck-
lenburg-Schwerin als Volksichulunterhaltungs-
geſeß, in Bayern und Sachſen als Schulbedarſ5-
gejeß bezeichnet. Die meiſten Länder, ſv Würt-
temberg, Baden, Heſſen, haben die Schulunter-
haltung innerhalb ihrer Volksſchulgeſeze gere-
gelt. Thüringen hat ein einheitliches Schulunter-
haltungsgejeß geſchaſſen, Württemberg erſtrebt
es im Landesſchulgeſezentwurf. Die Unter-
haltung der höheren Schulen iſt nur in wenigen
Ländern gejeßlich geregelt (Sachſen, Heſſen,
Meclenburg-Schwerin). Meiſt iſt die Unter-
haltung bei ſtaatlichen höheren Schulen durch
den Staatshaushalt feſtgelegt, bei gemeindlichen
durch die genehmigenden Verfügungen der
Sculaufjicht3behörden, im allgemeinen nad)
Analogie der ſtaatlichen Schulen gleicher Art.
Die Unterhaltung der jüngſten öffentlichen Schul-
art, der Berufsſchulen, iſt ſehr verſchiedenartig
geregelt. Der Schulbedarf, in der Hauptſache
verſönliche Ausgaben, wird für alle Schularten
in Beſoldung38- und Berſorgungsgeſeßen feſt-
geſtellt. Das Ermeſſen der Behörden iſt dabei
auſs engſte eingeſchränkt.
2. Perjönliche und ſächliche Schullaſt. Begriff
und Berechnung. Der Begriff der perſönlichen

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