927
Die wöchentliche Stunvdenbelaſtung ſchwankt
zwiſchen 30 bis 35. Latein wird mindeſtens ſechs
Jahre, Griechiſch vier bis ſünf Jahre getrieben.
Al3 Fremdyprache iſt zunächſt eine der übrigen
Landesſprachen gründlich zu pflegen. Als zweite
Fremdſprache kann auch Engliſch (häufigſter Fall)
verwendet werden. Bon einheitlichen metho-
diſchen Nichtlinien kann nicht die Nede ſein, noch
weniger von Einheitlichkeit des Geiſtes. Allge-
mein herrſcht im Schoße der Gymmaſiallehrer-
Ichaſt ein ſtarkes Bewußtſein ihrer jchönen und
verantworiungsreichen Auſgabe und an manchen
Schulen eine hocherfreuliche pädagogiſche At-
mojphäre. Die wiſſenſchaftliche und pädagogiſche
SluSbildung der Gymnaſiallehrer geſchieht,
wenigſtens für die höhere Stuſe, durch die philo-
jophijchen Fakultäten der Hochſchulen auf Grund
cines in ver Regel 4jährigen Studiums. Amts-
antritt kann ſoſort nach Abſchluß der Studien
erjolgen. Die Hochſchulen veranſtalten von
Zeit zu Zeit zu ihrer geiſtigen und beruſlichen
Förderung beſondere Fortbildungskurſe. Dex
„Schweizeriſche Gymnaßiallehrerverein“ wver-
einigt die Mittelſchullehrerſchaft annähernd des
ganzen Landes und dient durch ſeine jährlichen
Kongreſje und Veröffentlichungen über Wahrung
der StandeSinterejjen hinaus vornehmlich und
mit Erfolg der Hebung der erzieheriſchen Lei-
jtungsfähigfeit der Bildung3mittelſchule.
8. Hochſchulen. Die Eidgenöſſiſche Techniſche
vochſc Majchineningenieure, Land- und Forſtwirte,
Chemiker, Apotheker, Geometer und für Militär-
weſen; ſie bildet Fachlehrer für mathematiſche,
naturwijjenſchaſtliche, techniſche Fächer aus und
hat das Jiecht, Promotionen zu erteilen. Sie
unterſteht dem Gidgenöſſiſchen Departement des
Zuneren. Aufſichtsbehörde iſt der Cidgenöſſiſche
Schulrat. Zulaſſung auf Grund eidgenöſſiſch
anerkannter Maturität over Prüfung. Die Uni-
verjitäten jind alle fantonal, mit AuSnahme der
HandelsShochſchule St. Gallen, welche ſtädtiſch
iſt. Gigentliche Univerſitäten ſind im ganzen
ſieben vorhanden: drei deutſche: Bern, Bajel,
Zürich; drei franzöſiſch-ſprachige: Genf, Lau-
janne, Neuchätel, und eine gemiſcht-ſprachige und
zugleich konſejſionell-fatholiſche: Freiburg. Neu-
chätel und Freiburg ſind nicht Volluniverſitäten
(es fehlt die medizimiſche Fakultät). Cine Hoch-
Ichnule für die italieniſche Schweiz iſt ofſenes und
vielerörtetes Problem. Gemeinſame Angelegen-
heiten werden durch eine Rektorenkonſerenz be-
handelt. Hinjichtlich der Aufnahmebedingungen
beſteht keine Übereinſtimmung, noch weniger in
bezug auf Promotion, die Fakultätöangelegen-
heit iſt. Die Regel iſt Reifezeugnis einer kanto-
nalen oder kantonal anerfannten Anſtalt (nur
Literarmaturität oder auch Realmaturität je nach
Fakultät). Für einzelne Studienrichtungen ge-
nüat Lehrerpatent bzw. Handel3matmität. Se-
Schweiz (Bildungs8weſen)

928
fundarlehrerpatent gibt in Bern Promotions-
recht an den philoſophiſchen Fakultäten. Pro-
ſeſſorenwahl durch NRegierung3behörde auf Vor-
jIchlag der Fakultät.
9. Beruſsſchulweſen. (Reine Fachſchulen.)
Der immer ſchwieriger werdende wirtſchaftliche
Cxiſtenzfampf nötigt die Schweiz, für die beruſ-
liche Ertüchtigung ihrer Bevölkerung größte Sor-
ge zu tragen. Reichliche Bunde3unterſtüßungen
haben ein Aufblühen beruſsbildender Fürſorgen
bewirtt, inö8beſondere auf kommerziellem, ge-
werblichem, landwirtſchaftlichem und hauswirt-
Ichaftlichem Gebiet. Offentliche Körperſchaften
und berufliche Fachverbände wirfen dabei zu-
jammen und helfen die Laſten tragen. Das kauſ-
männijche Bildungsweſen umſaßt: 1) als Cr-
gänzungseinrichtungen für die praktiſche Lehre
die „Fortbildungsſchulen der kaufmänniſchen
Vereine“ mit Pflichtbeſuch ſür die Lehrlinge und
Abſchluß durch eine öffentlich anerkannte Di-
plomprüfung; 2) niedere Handelsmittelſchulen,
meiſt 3jährig, anſchließend an die Sekundar-
Ichulen, ſelbſtändig oder als Merkantilabteilun-
gen den Kantonjchulen eingegliedert; 3) die
höheren Handelsmittelſchulen (4- bis öjährig),
ſelbſtändig oder Abteilungen der Gymnaſien,
mit Diplomprüfung und Handelsmaturität ab-
ſchließend; 4) die Handel8hochſchulen und die
Handelsöabteilungen der Univerſitäten, wovon
lebtere Handelslehrer ausbilden und zur Pro-
motion rer. pol. führen. Die Rückſicht auf Aus-
leje tüchtigen Perſonals für die BVerkehrs-
anſtalten hat zur Gründung von Verkehrs-
Ichulen Veranlaſſung gegeben, die teils jelb-
ſtändig, teils Abteilungen von Handelsſchulen
oder von techniſchen Mitteljchulen ſind.
Das gewerbliche Bildungswejen iſt ver-
treten durch: 1) die Lehrwerkſtätten und die teils
mit dieſen verbundenen, teils ſelbſtändigen Ge-
werbeſchulen, welche in8beſondere das Fach-
zeichnen pflegen. Sie kommen ſowohl als Er-
gänzungs- wie als Ganztagsſchulen vor. Einzelne
haben den Charakter von Kunſtgewerbejchulen
und erſreuen ſich der lehrenden Wirkjamkeit aus-
gezeichneter künſtleriſcher Kräfte; 2) durch die
techniſchen Mittelſchulen ( „Technikum“ genannt),
welche für Hoch- und Tiefbau, Maſchinenbau und
Clektrotechnik vorbereiten; ſolcher gibt es jechs:
Winterthur, Burgdorf, Biel, Freiburg, Genf;
dazu eine Baumeiſterſchule in Lugano; 3) durch
die eidgenöſſiſche Hochſchule und die kantonale
techniſche Hochſchule in Lauſanne; 4) durc) die
Fortbildungsjchulen ſür Lehrlinge ge-
werblicher (handwerklicher) Berufe. Die jchul-
entlaſſene erwerbstätige Jugend in Handel, Jn-
duſtrie, Handwerk iſt meiſt verpflichtet, die ſin
ſie jpeziell eingerichteten Fortbildungskurjſe zr
bejuchen. Beſuch derſelben und Abſchluß iſt Vor:
ausſekzung für die Zulaſſung zu den meiſt eben:
falls obligatoriſchen Werkprüfungen. Werk

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.