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zeichnen, Sprache, Rechnen, ſtaatsbürgerliche
Unterweiſung machen den Hauptinhalt der Fort-
bildungsfurſe aus. Eine eidgenöſſiſche Negelung
des ganzen Lehrlings8weſens iſt gegenwärtig in
Vorbereitung.
Das landwirtſchaftliche Bildungsweſen
iſt auſgebaut aus: 1) Jahresſchulen; 2) Winter-
ſchulen; 3) landwirtſchaftlichen Fortbildungs-
ſchulen? 4) Wanderiurjen; 5) eimer technijchen
Landwirtſchaftöſchule in Lauſanne; 6) der
landwirtſchaftlihen Abteilung der Eidge-
nöſſiſchen techniſchen Hochſchule.
Dem hauswirtjchaftlichen Bildungsweſen,
ſoweit es ſpezialiſiert iſt, dienen die ſtändigen
Frauenarbeitsöſchulen, die Mädchenſortbildungs-
ſchulen und Wanderkurſe; außerdem eine Reihe
privater Haushaltungsſchulen, 3. T. mit land-
wirtſchaftlichen und Gartenbau-Schulen ver-
bunden. Hierher können auch die Schulen für
Krankenpflegerimnen gerechnet werden. Die ge-
meinnüßigen Frauenvereine entfalten nach diejer
Seite regſte und erſprießliche Tätigkeit. Hie und
da ſind freiwillige hauswirtſchaftliche Prüfungen
durch kantonale Prüfungskommiſſionen zur Eim-
führung gelangt. Eine eigene Gruppe beruflicher
Bildung3auſgaben bildet die Vorbereitung auf
alle Arten ſozialfürſorgeriſcher Betätigung, in8-
bejondere für Frauen, wozu auch die in emem
weiteren Sinne pädagogiſchen Gebiete (Jugend-
fürjorge u. ä.) gehören, welchen ſich u. a. das
Inſtitut J. J. Rouſſeau in Genf widmet. Kurſe
zur Einführung in „joziale Tätigkeit“ werden ſeit
einigen Jahren in allen Großſtädten gehalten.
Außerdem ſind vier joziale Frauenſchulen
entſtanden (Genſ, Luzern, Freiburg, Zürich).und
eine Hochſchule ſür ſoziale Frauenberufe in Genſ.
Die zeitgemäße Fachausbildung für phyſiſche Ex-
ziehung ſteht erſt in den Anfängen. Kunſt- und
Muſikſchulen beſtehen meiſt nur als private Un-
ternehmungen.
10. Privatſchulen. Die große Ausdehnung
und Bedeutung, die das private Schulweſen
neben dem öffentlichen beanſprucht, weiſt auf
eine bei aller Vortrefflichkeit beſtehende Ergän-
zung3bedürſtigfeit des letzteren nach einzelnen
Seiten hin. Der Errichtung privater Lehranſtal-
ten ſtehen im allgemeinen rechtliche Hinderniſſe
nicht im Wege (der Kanton Solothurn hat ge-
jeßlichen Schulzwang für die Primarſchule), und
eine ſtaatliche Cinmijchung in dieſelben greiſt nur
inſoweit Plat, als die Kontrolle über Erfüllung
der Schulpflicht und öffentlich anzuerkennende
Prüfungöausweije in Betracht kommen. Sehen
wir von dem in einzelnen Gegenden als Erwerb3-
zweig blühenden Inſtitut3- und Benſionat8weſen
mit vorwiegend ausländiſcher Klientel ab, ſo ver-
bleiben als wichtigſte Fälle, in welchen eine Son-
verauſgabe dem Privatſchulweſen zufällt: 1) die
Schulen konſeſſionellen Charakters, wel-
dhe ein Gegengewicht gegen die öffentliche Simul-
Schweiz (Bildung3weſen)

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tanſchule darſtellen; ſie entſtanden in den evan-
geliſchen Kantonen (Bern, Zürich), als der po-
litiſch zur Herrſchaft gelangte Freiſinn den Geiſt
der öffentlichen Schule beſtimmte. Sie umfaſſen
(3. B. in Bern) alle Schulſtuſen einſchließlich der
Primarlehrerausbildung und zeigen -- troßdem
ſie finanziell ganz auf ſich ſelbſt angewieſen ſind
-- einen recht blühenden Stand. Allen refor-
mierten LandesSteilen dient die evangeliſche Er-
ziehungsöanſtalt Schier3 (Graubünden). Jn ka-
tholiſchen Kantonen ſchöpfen die Privatſchulen
aus ähnlichem Grund ihre Nechtſertigung, ſoweit
das Regiment vorherrſchend freiſinnig iſt; dort,
wo auch für die Politik katholiſch-konjervativer
Geiſt leitend iſt, ſinden wir, als Erſcheinung, die Übernahme des Mittelſchul-
weſens durch religiöſe Orden unter ſtaatlicher
Aufſicht und zumeiſt auch Bundesanerfennung,
ſoweit es die Maturitätsſchulen betrifft. Das
private Unterrichtsweſen ſpringt 2) mannigſach
vort ein, wo die öffentlichen Körperſchaften
verſagen (Anſtalten für Abnorme, Beruſs3-
fachſchulen); 3) findet es eine wertvolle
Rechtfertigung in der freien Anbahnung neuer
Schulformen und Erziehungsgeſtaltungen, wie
3. B. durd) die Landerziehungöheime (Hofober-
tir<, Glariſegg, Chailly u. a.) und allgemein
Durch die ſogenannten neuen Schulen. 4) Einen
Sonderfall ſtellen die vor allem hygieniſchen
Rückſichten Rechnung tragenden „Hochalpinen
Erziehungsanſtalten“ dar (Davos, Zuoz).
11. Volksbildungsweſen (Erwachſenenbil-
dung). Die Volkshochſchulen (ſaſt alle größeren
Ortſchaften haben ſolche) ſind entweder freie oder
Univerſitäts3veranſtaltungen. Jn letzterer Form
haben ſie ſich am beſten bewährt vor allem in
Baſel, Zürich, St. Gallen Umfaſſende und qua-
lifizierte Volksbildungsbeſtrebungen verfolgen
die „Volk3hochſchulvereinigung“ im Bern, die
Arbeitsgemeinſchaft „Arbeit und Bildung“ in
Zürich und die von der freiſinnigen Partei
veranſtalteten Staat3bürgerkurſe. Jn unterjte
Schichten zu gelangen, bemühen ſich der
„Schweizeriſche Arbeiterbildung3ausſchuß“, die
„Beſtalozzigeſellſchaft Zürich". Mehr fünſt-
leriſche Ziele verfolgt der „Leſezirkel Hottingen",
ſtaat8bürgerliche die „Neue helvetiſche Geſell-
ſchaft", die ſich u. a. der Auslandsſchweizer an-
genommen hat. Zahlreich ſind die regionalen
Bildungsvereinigungen. Allen zur Seite ſteht
die „Schweizer Volksbibliothek", 1919 aus der
Solvdatenbibliothef der YMobiliſations8zeit ent-
ſtanden und als öffentliche Stiſtung konſtituiert,
welche als Wanderbibliothek arbeitet (ſchon 70
Tauſend Bände, 50 Tauſend in Umlauf). Ähn-
lich wirfen die „Stiftung zur Förderung der
Gemeindeſtuben", die „Schweizeriſche Koms-
miſſion für Kinoreform"“ und das „Schweize1
Schul- und Volkskino“. Zwecds VWVereinheit-
lichung aller Volfsbildungsbeſtrebungen 111

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