739 Staatsbürgerliche Erziehung und Staat3bürgerfunde--Stein 740
Literatur. Beſonder38 wertvoll ſind: Wilhelm
Ziegler: Einführung in die Politik 1927 [beſonders 1:
Die tatſächlichen Grundlagen der Politik (Land, Leute,
Rohſtoffe) und IV: Politik und Wirtſchaft]; ferner Adolf
Grabvows8ky: Deutſchland im Weltbild der Gegenwart,
und die „Weltpolitiſche Bücherei“; in dem letzteren
Werk Bd. 1: Adolf Grabows8ky, Staat und Namn;
Vd. 2: Erwin Scheu, Deutſchlands Wirtſchaſts-
provinzen und Wirtſchaftsgrenzen; Bd. 3: Otto Maundt,
Politiſche Grenzen; Vd. 5: Albrecht Burchardt,
Staat und Klima; Bd. 7: Walther Pehl, Der Kampf
um die Rohſtoffe; Bd. 9: Max E>ert, Meer und
Weltwirtſchaft; Bd. 10: Joſef März, Landmüchte.
und ESeemächte. Alles im BZBentralverlag Berlin,
Schon die Buchtitel geben Hinweiſe auf die Art der
Betrachtung.
Die ſtaatsbürgerlichen Aufgaben des Re-
ligionöSunterrichtes ergeben ji) zunächſt aus
vem Verhältnis der Staat8gewalt zum Glauben
ves einzelnen und zu den religiöſen Gemeii-
ſchaften; es jind alle die Probleme und CEin-
richtungen, die mit den Artikeln 42, 139-141,
149 und 147 der RV. bezeichnet werden, die
der Religionöunterricht in Konzentration mit
dem Gejdjichtsunterricht zu beſprechen hat.
Sodann: wenn, wie wir oben ſagten, die rechte
Staatsgeſinnung ſich in der Verwirklichung der
Jdec betätigt, daß der Staai ein ſittliches
Gemeinwejen ſei, dann muß der Religions-
unterricht, namentlich bei älteren Schülern,
die Rechte und Pflichten der Staatsbürger, wie
ſie im 2. Teil der RV. ausgeſprochen ſind, und
Staatseinrichtungen und Staatshandlungen, ſür
die die Erfenntnis Jugendlicher zureichend iſt,
nach ſittlichen Normen beſprechen. Einige An-
deutungen: Jeſaias 1--5 und die ſoziale Frage;
Das Gleichnis von den anvertrauten Zentnern
---“ RV. 163. Welche weittragenden ſtaatlichen
Folgerungen ergeben ſich aus unſerm chriſtlichen
(Glauben, daß der Schöpfer einem jeden Men-
Ichen eine unſterbliche Seele gegeben hat, um
die er ſtändig ſorgt, daß der Menſch ein Kind
Gottes iſt und daß alle Menſchen Brüder ſind!
James Bryce hat dieſe Gedanken a. a. OÖ. in
dem Kapitel 9: „Demokratie und Religion“
bejonders erwogen.
Literatur. Bei Lampe und Franke, a. a. O., S.
329 fi. Stuhlfath: Die ſtaatsbürgerliche Erziehung im
evangeliſchen Religionsunterricht; G. 347 ff. Diering-
hoff: -- im fatholiſchen Neligion3unterricht.
Wir bemerkten ſchon oben, daß der 'Deutſch-
unterricht auch der Erwecung und Pſlege der
Staatsgeſinnung dienen joll; ſtaatsbürgerliche
Kenntnijje ſoll er nicht vermitteln. Dagegen
hat er m. W. eine Auſgabe noch nicht über-
nommen : nämlich an einigen leicht verſtändlichen
Gejeßen (3. B. am Reichswahlgeſeß) das Wejen
und die beſondere Form der Gejeßesſprache zu
betrachten.
Der alt- und neuſprachliche Unterricht
ergänzt den Geſchichtöunterricht durch die Lek-
türe von ſtaatspolitiſchen Erörterungen der Phi-
lojophen (Plato, Ariſtoteles, Cicero, Grotius,

Hobbe3, Locke, Montes8quieu, Roujjeau) und
fremder Geſchichiöwerke (Taine, Toqueville, Ma-
caulay, Seeley). Die Richtlinien für die Lehr-
pläne der höheren Schulen Preußens geben in
dieſer Hinſicht gute Weijungen.
Der mathematiſche Unterricht lehrt und
übt die zahlenmäßige Erfaſſung und graphiſche
Darſtellung von Tatſachen aus der Volk8- und
Weltwirtſchaft und aus den HauShalten der
Gemeinde, des Kreiſes, der Provinz, des Landes
und des Reiches. Die neuen Rechenbücher
bieten in dieſer Hinſicht eine Fülle von Auſ-
gaben, leider in der Negel nur bis zur Quarta.
Da aber dieſe Sachgebiete erſt von älteren
Schülern tiefer erfaßt werden können, [vo
jollten die Mathematiklehrer bemüht jein,
jolche Aufgaben auch in den Mathematik-
unterricht der Mittel-, bejonders der Ober-
ſtufe auſzunehmen. (Vgl. P. Zühlke, Politiſche
Mathematik, 1923.)
Die ſtaatsbürgerliche Durchdringung des
phyſifkaliſ<;en, giſchen Unterrichts fann das Verſtändnis
begründen für die wichtigen Zujammenhänge
zwiſchen den phyſikaliſchen, logiſchen Tatjachen einerſeits und ihrer hygie-
nijchen und volfswirtſchaſtlichen Bedeutung
anderſeits und kann an einigen typiſchen Bei-
ſpielen zeigen, wie die Staatsgewalt durch Geſetz
und Verwaltung ordnend, verhütend und forri-
gierend eingreiſt. Es jei nur erinnert an die
Begriſſe Feuer-, Wajjer- und Gejundheits-
polizei, an die Behörden Reichsgejundheitsamt,
Wohlfahrtsminiſterium, Wohlfahrt8amt, an den
Krei3-, Medizinal- und Veterinärrat.
Literatur. Viblivgraphie. Chriſtian Edert:
Nundſchau über ſtaatsbürgerliche Erziehung; in
Schmoller3 Jahrbuch für Geſezgebung, Verwaltung und
Volkswirtſchaft, S. 295-337 (1912). =- Hans Vauer-
ſchmidt: Staatsbürgerliche Bildung und Erziehung.
Zeitſchrift „Vergangenheit und Gegenwart“, S. 61--72
(1915), S. 30--35 (1919), S. 232--240 (1921), S. 235
bis 242 (1923), S. 309--311 (1925), S. 318--320 (1927),
S. 169-175 (1929). Bär.
Staatöſchule f. Staat und Erziehung.
Stammeln |. Sprachheilpflege.
Stein, Lorenz v. 1. Leben. St. wurde am
15. November 1815 zu Ekernförde geboren. Cr
ſtudierte Philoſophie und Rechtswiſſenjchaft
im Kiel und Jena mid promovierte in Berlin
zum Doktor der Rechte. Dann trieb er in Paris
bejonders joziologiſche und rechtsgeſchichtliche
Studien. 1846 erſolgte ſeine Ernennung zum
außerordentlichen Profeſſor an der Univerſität
Kicl. 1848 beteiligte er ſich an der politiſchen
Bewegung ſeiner Heimat und verlor 1850
mit noch acht andern Kieler Proſeſjoren
durch die Dänen ſein Lehramt. Von 1855
bis 1888 hatte er ununterbrochen eine Bro-

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