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Literatur: Grundlegend die ausgezeichnete Dar-
jfiellung von Dilthey in der Allg. deutſchen Bivgravphie,
Bd. 37, 206-415 (1894); jet abſchließend ergänzt
durch Wilhelm Süvern: Joh. W. Süvern, Preußens
Schulreforner nach dem Tilſiter Frieden. Ein Denkmal
zu ſeinen 100. Tvodestage (1929). Hier auch eine Zus-
ſammenitellung der geſamten Literatur. Waßner.
Syllogi5mus [. Schluß.
Symbole. 1. Symbole im weiteren Sinn. Jm
weiteſten Sinn werden die Wörter S. und Zei-
chen gleichwertig gebraucht. S. bedeutet dann
joviel als Zeichen überhaupt. In dieſem Sinn
ijt alles, was ſtellvertretend ſür ein anderes ſteht,
veſjen S. Als ſolches weiſt es immer auch über
ſich hinaus auf das Symboliſierte, d. h. auf das,
wofür es ſteht und was es repräſentieren ſoll. Je
nach den Umſtänden heißt es Zeichen, Kenn-
zeichen, Erfennungszeichen, Bezeichnung, Ab-
zeichen, Anzeichen (Symptom), Ausdruck, Marke,
Sinnbild uſw. Das Symbolijierte macht die
„Bedeutung“ des S.3 aus. Die ſeſte und ein-
deutige Zuordnung des S.5 zum Symboliſierten
fanm durch Übereinſtimmung in irgendwelchen
Zügen und Merkmalen, alſo durch Ahnlichkeit
beider (3. B. Bild, Abbild) oder durch kauſale
Vorkfnüpfung beider (Anzeichen) oder aber durch
Deſinition, willkürliche Feſtſezung, Tradition
und Konvention bewirkt ſein und dann wie etwa
die meiſten Wörter der Sprachen der Kultur-
völfer einer Ähnlichfeit des S.3 mit der bezeich-
neten Sache entbehren. Symbolijch iſt in dieſem
allgemeinſten Sinn nach Leibniz jede Erkennt-
nis, die ob der Kompliziertheit und Zuſammen-
gejeßtheit des Begriffs, z. B. eines Tauſendecks,
nicht das Ganze der Sache nach allen Cinzel-
heiten ſimultan zu Überbliden vermag und ſich
daher mit der unvollſtändig oder dunfel vor-
ſchwebenden Wortbedeutung und dem Bewußt-
jein, den Begriff jederzeit entwickeln zu können,
begnügt. Jm Hinbli> auf die Gegebenheits-
weiſe des Symbolijierten tritt damit für Leibniz
die ſymboliſche Erkenntnis zur anſchaulichen in
Gegenjatß. Es iſt der S.-begriſſ der Logik und
Mathematik, der damit exponiert iſt und etva in
der Nede vom mathematiſchen S. zum Ausdruck
fommt.
. Der Symbolbegriff in der Theologie. Im
Sprachgebraucd) der Theologie heißen außer dem
in der Folge noch zu Erörternden (3. u. 4.) auch
die Bekenntnisſchriſten der einzelnen Konfeſ-
ſionen S.e, wie das Apoſtoliſche, Nicäniſche
und Athanaſianiſche Symbolum (ökumeniſch),
die beiden KatechiSmen Luthers, die Augs-
burgiſche Konfeſſion, ihre Apologie, die Schmal-
kaldiſchen Artikel und die Konkordienformel
(evang.-luth.), die Kanones und Dekrete des
Tridentiniſchen Konzils, die Dekrete des Vatika-
niſchen Konzils über die Unfehlbarkeit des Papſtes
(röm.-fath.) u. a. Demzuſvolge verſteht man
Süvern -- Symbole

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Symbolik jo viel als Bekenntni8- oder ver-
gleichende KonfeſſionöSkunde. Zugrunde liegt det
Begriff des S.3 im allgemeinſten Sinn.
3. Symbole im engeren Sinn. Im Gegenſaß
zum allgemeinſten S.-begriff wird vielfach die Be-
zeichnung S. nur dann in Anwendung gebracht,
wenn außer der grundlegenden Hinweis- und
Bedeutungsfunktion noch andere Bedingungen
erfüllt find. Nun kann nicht mehr jedes beliebige
Zeichen auch S. genannt werden. Hierher gehört
z. B. der S.-begriff Kants, wie er zuſammen-
ſaſjend im 8 59 der Kr. d. U. entwicdelt iſt. Zu-
nächſt ſcheidet für den Kantiſchen S.-begriff alles
au8, was nicht Anſchauung iſt. Nur Anſchau-
ungen, Bilder, anſchauliche Gegenſtände können
S. jein. Begriffe ſind nicht S.e und können es
auch nicht ſeim. Anders als bei Leibniz (|. o.) iſt
ſür Kant die ſymboliſche Vorſtellungöart ein
Spezialſall der intuitiven, nicht ihr Gegenteil.
Den Gegenſaß zum Symboliſchen bildet für ihn
nicht das Intuitive, ſondern das Diskurſive, das
begriffliche Denken. Aber auch nur ſolche An-
Ichauungen heißen nach Kant S.e, denen das
Symboliſierte nicht ähnlich iſt, ſondern nur
ähnlich gedacht wird, indes es von ihm vielleicht
überhaupt feine Anſchauung und Erfahrung
gibt. Der an Beiſpielen vollzogenen Veranſchau-
lichung empirijcher Becmriſſe tritt damit die einzig
im S.en mögliche Veranſchaulichung der auf
Tranſzendentes gehenden Begriffe, die Ver-
anſchaulichung der Jdeen gegenüber.
4. Symbol und Allegorie. Wo immer uns die
Bedeutung eines S.5 zunächſt unbekannt iſt und
erſt aus ihm ſelbſt oder dem Zuſammenhang, in
vem es ſteht, ermittelt werden muß, ohne von
vornhereim verſchiedene mögliche Auflöjungen
auszuſchließen, da ſtehen wir vor der Aufgabe
der „Deutung“ des S.3. Für ſie gewinnen wir
aus Goethes Unterſcheidung zwiſchen S. und
Allegorie fruchtbare Fingerzeige. Die Allegorie
veranſchaulicht immer einen beſtimmten all-
gemeinen und abſtrakten Begriff in einem Bild.
Sie geht vom Begriff aus und hat daher auch nur
eine einzige rechtmäßige Deutung, nämlich dieſen
Begrifſ. Die Zuordnung hat etwas Konventio-
nelles, mehr oder minder Willfürliches, „indem
uns erſt der Sinn de3 Zeichens überliefert
werden muß, ehe wir wiſſen, was es bedeuten
joll“ (zur Farbenlehre 917). Beim S. hingegen
hat nicht das begriffliche Denken und die NRe-
flexion, ſondern die Anſchauung und das Gefühl
des S.3 ſelbſt das Übergewicht (Dichtung und
Wahrheit, 7. B.), indem der unmittelbare „Ein-
drud“, den das S. als Bild, als Geſtalt, als
Qualität auf unſer Jnneres ausübt, nicht auf
einen beſtimmten, in der Deutung u. U. auch zu
verſehlenden Begriff, ſondern auf ein all-
gemeinſtes Geſtaltung3prinzip der Erſcheinungen,
| auf ein Urphänomen hinweiſt, in dem ſich das
dann auc in diejem Zuſammenhang unter | leßtlich Unerforſchliche, Wirkende, ſchöpferiſch

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