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ſich verantwortlich für das Ganze fühlen. Zur
jorgſfältigen Behandlung der Geräte und Werk-
zeuge gehört auch ihre Inſtandhaltung. Das
Schleiſen des Mejſjers, des Hobels, das Schärfen
der Säge, das Neinigen und Olen, ſchließlich
auch die Erneuerung einzelner Teile, wie etwa
der Bohrer, Hammerſtiele uſw., muß, ſoweit
der Schüler dazu fähig iſt, von ihm ſelbſt aus-
geführt werden. Erſt auf dicſe Weiye lernt er
das Werkzeug und ſeine Funktion richtig ver-
ſtehen und ſchäßen.
Literatur. Burger: Arbeit3pädagogitf (1914,
1923). -- Frenkel: Leichte Holzarbeit in Verbindung
mit Linearzeichnen (1917). =- Derſelbe: Hobelbank-
arbeit in Verbindung mit Linearzeichnen (1926). --
Groß=-Hildebrand: Geſchmacbildende Wertrtſtatt-
übungen (1929). -- Hildebrand: Leichte Holzarbeiten
(1928). = Hildebraund=-Walther: Metallarbeit im
Werkunterricht (1928). =- Deutſche Werklehrerver-
einigung: Die geſtaltende Hand (1930). -- Kühnel:
Techniſche Bildung (1926). -- Landeslehrplan für
die Volksſchulen im Freiſtaat Sachſen (1927). --
Sächſ]. Landesverband fürwerktätigeErziehung:
Vorſchläge zur Einrichtung von Wertſtätten (1928). --
Sauer: Werkunterricht (1924). = Stiehler: Zur
Organiſation des Werkunterrichtes (1926), =- Pallat:
Werkerziehung (1930). -- Derſelbe: Zeichen-= und
Werkunterricht. Amtliche Beſtimmungen (1927). --
Wolfinger: Mit Lincal und Zirkel (1924). Hildebrand,
Wertunierricht. Der W.-U. umfaßt die Hand-
betätigung im Unterricht mit dem Endziel, ein
gegenjtändliches Werk zu geſtalten. Geſchichtlich
betrachtet trat derW.-U.als Arbeitsunterricht,
Handſertigkeitsunterricht, Knabenhand-
arbeit überall da auf, wo die ſchulpraktiſche
Auswertung pädagogiſcher Jdeen ſtattfand, und
umfaßte ausgewählte mechaniſche Beſchäſti-
gungen, die aber nicht zu einer einſeitigen tech-
niſchen Ausbildung des Zöglings führen ſollten.
In dieſem Sinne laſſen ſich die Spuren der Hand-
betätigung im Unterricht bis zu den Anfängen
der Crziehung überhaupt zurück verfolgen; aber
erſt mit dem Übergang des Mittelalters zur Neu-
zeit bahnt ſich allmählich eine klare, prägnante
Formulierung an.
A. Comenius (1592-1670) fordert in der
„oScholae pansophicae delineatio“, daß außer
in „der Erkenntnis der Dinge“ und der „Eleganz
der Sprache" in der „Geſchicklichkeit der Hand-
lungen“ unterrichtet werden ſoll, und in der
„Didactica magna“, daß „die Jugend von den
Handwerken das meiſte im allgemeinen lerne,
wenn auch nur zu dem Zivecke, damit ſie bezüg-
lich dejjen, was im menſchlichen Leben vorgeht,
nicht in großer Unkenntnis bleibe, und ſpäter die
natürliche Neigung, wohin ſich jeder gezogen
fühlt, leichter zutage trete". =- Sein Zeitgenoſſe
A. Reyher (1601--73) erkennt ebenfalls die Be-
deutung des handlichen Tuns an und wünſcht,
daß „die Kinder im Unterricht ſelbſt das Papier
zu einem Winkelmaß zujammenlegen, Hölzerlein
nach einem verjüngten Maßſtab zurechtſchneiden,
Maße auf einem geeigneten Platz abſtecken, aus-

Werkſtättenunterricht -- Werkunterricht

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meſjen u. a. m.“ = J. Lo>e (1632-1704) hält
es für richtig, „daß auch der Jüngling aus
höherem Stande ein Handwerk erlerne, etwa
das des Tiſchler3, Drechſler3, ebenſo auch Lackieren
Kupſerſtechen oder Metallarbeit, damit die Ge-
ſundheit gefördert und den Gefahren des Müßig-
ganges begegnet wird“. -- Rädagogiſch fkonſe-
gauenter und pjychologiſch begründeter geht J.
Rouſſeau (1712-78) vor. Sein Zögling ſoll
„du der Kunſt, der Induſtrie und der Werkſtatt
geſührt werden, um ſelbſt Hand anzulegen, da-
mit ihm durch die Handarbeit unmerklich Ge-
jchmac> an Überlegung und Nachdenken einge-
ſlößt und jein Verſtändnis, ſein Erfindungs-
geiſt und ſeine Vorausſicht gebildet werde." --
Im Pädagogium von A. H. France (1663 bis
1727) in Halle wurde den Zöglingen Gelegen-
heit zur Ausübung verſchiedener Handarbeiten
(Drechſeln, Glasſchleiſen, Gartenbau uſw.) ge-
geben, nicht nur, um brauchbare Dinge zu jc ſen, ſondern au) „zur Wiſſenſchaft und Motion“.
--F. de Fenelon (1651-1715) betont in ſeiner
„Education des filles“ den erziehlichen Wert der
praktijchen Hausarbeit. -- Als Schüler Frances
ſezten ſich in Berlin J. C. Silberſchlag und
beſonders I. J. He >er (1707-68) für die Pflege
der Handarbeit ein, vor allem in Hinblick auf das
ſpätere Leben der Zöglinge. =- Von den Philan-
thropen famen J. B. Baſedow (1723-90)
und H. Campe (1746-1818) faum über die
theoretiſche Grundlegung ihrer Beſtrebungen
hinaus, die Handarbeit als Erziehungs- und
Bildung3mittel zu verwenden. -- Wirkungs-
voller nach der praktiſchen Seite hin war das
Auftreten Ch. G. Salzmanns3 (1744-1811),
obwohl dieſer anfangs bei der Verwirklichung
jeiner im „Ameiſenbüchlein“ niedergelegten
JTdeen auf allerhand Schwierigkeiten ſtieß, vor
allem dadurch, daß er, im Gegenſaß zu Baſedow,
nicht den Handwerker, ſondern den Erzieher ſelbſt
als Lehrer der Handarbeit wünſchte. Ju Salz-
manns Erziehungsanſtalt Schnepfenthal wirkte
auf dieſem Gebiete beſonders erfolgreich B. H.
Blajche (1766-1832), der e3 verſtand, eine enge
Verbindung zwiſchen der Handarbeit und dem
Schulunterricht herzuſtellen. Seine hierbei ge-
wonnenen Erfahrungen legte er in mehreren
grundlegenden Schriften nieder. Die „Natur-
beſchäſtigung“ ſollte die Kinder zur Kenntnis?
und Liebe der Natur führen, die „Kunſtbeſchäfti-
gung“ ihre intellektuelle Bildung fördern und
die Befriedigung des Tätigkeitstriebes in gleicher
Weije die geiſtigen wie die körperlichen Kräfte
fördern. =- Zu derſelben Zeit verſuchte auch
T. H. G. Heuſinger (1763-1837) das Prinzip
der Handarbeit in die Schule einzuführen, indem
ex davon ausging, daß der Menſch zum „Handeln
und Spekulieren "geboren iſt. Da bei den Kin-
dern der Trieb zum Handeln am ſtärkſten ent-
wickelt iſt, muß die Erziehung beſonders den Be-

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