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richts als eines ganz jungen Zweiges des Re-
ligionSunterrichts iſt gegenwärtig noch unaus-
gebildet. Wir haben einige Sammelbücher von
religions8geſchichtlichen Mythen und Sagen und
zahlreiche kleine Quellenheſte als Grundlage.
Aber Quellenſtüe ſind auf dieſem Gebiet oft
recht unanjchaulich und der Erklärung bedürftig.
Selbſt die uns näherſtehende nordgermamiche
Edda iſt in vielen Teilen ſchwer verſtändlich.
Man venke an die Völuspa. Anſchauliche und
gefühlöbetonte Lebens- und Perſönlichkeits-
bilder, Darſtellungen ſremder Gottesdienſte,
Abbildungen, Abſchnitte aus Reiſebeſchreibungen
müjjen zu den Quellen hinzufommen. An
jolchen für den Unterricht bearbeiteten Hilfs-
büchern fehlt es noch. Auch das wiſſenſchaftlich
trefflich gearbeitete Buch von Melßer iſt ganz
unanſchaulich. „Wir heißen euch hoffen." Jmmex
aber muß der evangeliſche Religionslehrer das
lezte Ziel im Auge behalten, und dieſes heißt:
das evangeliſche Chriſtentum. „Alles iſt euer,
ihr aber ſeid Chriſti."
Literatur. Chantepie de 1a Saussaye: Lehrbuch
der Nel.-Geſch. (1887), neu herausgegeben von Ber-
tholet und Lehmann, 2 Bd. (1925*),-- Beriholet:
Nel.-geſch. Leſebuch (19082, 19262). -- Lehmann und
Haas: Textbuch zur Nel.=Geſch. (19121, 1922*?), -=-
Haas: Bilderatlas zur Rel.=Geſch. (bisher 14 Liefe-
rungen, 1924-1928). -- Bouſjet: Da8 Weſen der
Jeligion (1903, 1920*), -- Süöderblom: Die Neli-
gionen der Erde (rel.-geſch. Volks8buch 1113, 1905). --
Derjelbe (Bearbeitung von Tiele): Kompendium der
RNel.-Geſch. (1912), -- Derſelbe: Das Werden des
Gottesglaubens (19262). -- Edelberger: Vom Glau»
benögut der Völker und Zeiten (1922). -- Göckel: Vom
Glauben und Aberglauben (1922), --- Lorenz: Neligion3=
fundliches Leſebuch (1925). -- Meltzer: Religions8-
geſchichtlicher Unterricht (1925). -- GSteinbe>: Der
religionsgeſchichtliche Unterricht in der Schule (1924). --
Tögel: Germanenglaube (1927). Tögel.
Religionspädagogit |. Religiöſe Erziehung,
Neligionsunterricht.
Religionspädagogiſches Inſtitut. Das R. ZJ.
wurde im Herbſt 1923 vom Cvangeliſchen Ober-
kirchenrat der Cvangeliſchen Kirche der Alt-
preußiſchen Union gegründet. Den Anlaß dazu
gaben die ſchulpolitiſchen Kämpfe der Nachkriegs-
zeit. IJnihnen zeigte ſich, daß dieſe AusSeinander-
jekungen zwiſchen Staat, Kirche und Lehrer-
ſchaft zu ſehr auf der Grundlage des rein Organi-
jatorijchen geführt wurden, während in Wahr-
heit tiefere ideelle Kräfte dabei entſcheidend mit-
wirkten. Auf ſeiten der evangeliſchen Kirche war
auffallend, daß ihr geiſtiges Leben die innere
Fühlung mit den Frageſtellungen der modernen
Pädagogik faſt völlig verloren hatte. E38 war
zwiſchen Theologie und allgemeiner Pädagogik
kaum mehr eine fritiſche Fühlung vorhanden,
geſchweige denn eine Auzeinanderſezung, die für
beide hätte fruchtbar ſein können. Aus dieſen
Erwägungen heraus wurde das R. IJ. gegründet,
„am die wiſſenſchaſtliche Arbeit an den Proble-
men der Erziehung im Geiſte evangeliſchen
Pädaaogiiches Lexikon. IV,
Religions8geſchichte -- Religionspſychologie

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Chriſtentum3 zu ſördern und der pädagogiſchen
Vertiefung und Weiterbildung des religiöſen
Unterrichis zu dienen".
Das Inſtitut hat einen rein wiſſenſchaftlichen
Charakter. Jrgendwelche Berechtigungen ſind
mit ſeinem Beſuche nicht verbunden. Seine
Auſgabe beſteht vor allem in der intenſiven
Weiterbildung von Verſonen, die auf einem
Sondergebiete der Bädagogik ſelbſtändig wiſſen-
ſchaftlich arbeiten wollen. Dafür ſteht der
Juſtitutsleitung eine beſchränkte Anzahl von
Stipendien zur Verfügung, die beliebig verteilt
werden bönnen. Da die Arbeit ſich nicht auf
vas Fach der Religion3pädagogik beſchränkt, ſo
iſt dabei an und für ſich gleichgültig, welcher
Fakultät die Teilnehmer angehören, joſern nur
ihre Ziele im Bereich der Pädagogik liegen.
Die Weiterbildung erfolgt im Zuſammenhang
mit der Univerſität und den übrigen Bildungs-
inſtituten Berlins. Das R. J. unterhält daneben
einen kleinen WVorleſungs8betrieb, der einem
weiteren Kreiſe von Hörern unentgeltlich oſfen-
ſteht. Wiſſenſchaftlicher Leiter iſt 3. Z. Prof.
Dr. Wichmann (biSher der Unterzeichnete). Der
Arbeitsraum des R. J.3 befindet ſich Berlin
N 24, Oranienburgerſtraße 23. Delekat.
Religions3pfychologie. 1. Geſchichte. 2. Be-
ſtimmung. 3. Bedeutung.
Wir bezeichnen vorläufig R. als die methodiſche
Bemühung, die religiöſe Seele zu erkennen, um
es ver Darſtellung der geſchichtlichen Entwicklung
dieſer Bemühungen zu Überlaſſen, wie dieſe
allgemeine Beſtimmung des Begriffes näher zu
erläutern und auszufüllen iſt.
1. Geſchichte. Immer ſchon hat es religiöſe
Innenjchau, Beſinnung auf das Weſen dei
ſubjektiven Neligion gegeben. Um vom Neuen
Teſtament abzujehen, jo hat der von v. Harnac
um deswillen als erſter moderner Menſch be-
zeichnete Auguſtin neben ſeinen für imme1
wertvollen allgemein-pſychologiſchen Erkennt-
niſſen auch reichlich zur Erkenntnis der religiöſen,
genauer der gläubigen Seele beigeſteuert. Auſ
Grund der Selbſtbeobachtung, die Luther geüb!
bat, wurde von der proteſtantiſchen Orthodoxic
der durchaus religions8pſychologijch empfundene
ordo galutis aufgeſtellt, der den Heilöweg det
Seele darſtellte. Im Bereich der Aufgaben dei
Aufklärung mußte es liegen, im Gegenſaß zu
dem jonſt von der Orthodoxie vertretenen Supra-
naturaliSmus und ihrer Betonung der Autorität
des Dogma3 die Aufmerkſamkeit dem religiöſer
Subjekt und auch dem Einzelweſen zuzuwenden.
Leſſing hat einen entſcheidenden Beitrag dazu
geleiſtet, daß die Neligion weniger als ein Syſtem
von Lehren denn als Herzensſache auſgefaß!
würde. An Schleiermacher, der zuerſt mi!
bewußter Selbſtanalyſe des religiöſen Innen:
lebens begonnen und die theologiſche Arbei:
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