10 Ächtſam - - Äkkerbauſchulen |
heraus findend dasſelbe inſoweit gelten läßt, al3 es ſeine ſittliche und pſychologiſche Berechtigung -
in Anſpruch nehmen darf. =- Sehr fraglich dagegen iſt es, ob Accommodation gelibt werden -
dürfe vom Lehrer und von der Schule im Verhältniſſe zu dem Hauſe, zu dem Zeitgeiſte und an=-
deren öffentlichen Mächten, mit denen Beide in Berührung kommen. E3 fragt fich : haben hier
die erzieheriſchen Grundſäße die Priorität zu behaupten, oder ſoll die praktiſche
Pädagogik nun die Schleppträgerin des gewohnheitlich Gewordenen und Feſtgeſehten ſein ?
Wie die Kirche ſtet8 auf der Warte ſtehen muß, um neuen Geiſt und neues Leben in die Ge= .
ſellſchaft dringen zu laſſen, um zu reinigen, zu veredeln, emporznziehen, ſo hat unjere3 Crachtens
nicht minder die Schule eine unausgeſeßte reformatoriſche Thätigkeit zu vollziehen. Sie hat
den Jdealmenſ ric dation an irgend Etwas auf ſich nehmen darf, was nur das Alter3re Seite hat. Die bloße Modeerziehung iſt der gerade Gegenpol der auf geſunden Grund-
ſäßen erbauten, mit Nachdenken und Begeiſterung geführten pädagogiſchen Praxis.
Achtſam , Achtſamkeit. Dieſe Eigenſchaft 1äßt fich als die zartere Aufmerkſamkeit
(jf. d.) beſtimmen. Auſmerkſamfeit iſt auch vom Zögling , Achtfamkeit mur vom Erzieher
zu verlangen. Erſtere richtet ſich gleichzeitig immer vorwiegend auf Einen Gegenſtand, auf
die Hauptſache: die leßtere Joll fich auch auf alles Nebenſächliche richten und namentlich
jeden Keim bemerken, mag er Gutes oder Schlimmes verſprechen. Während das Kind
geiſtig gebildet werden ſoll, muß der Lehrer auch auf deſſen körperliche Entwitkelung
achtſam jein, auf beginnende Leiden und Laſter (3. B. Onanie). Selbſt wo es ſich vor
Allem um den Inhalt handelt, achte man zugleich ſorgfältig auf die Form; nicht bloß in
den Sprachſtunden, ſondern auch in allen anderen Stunden dringe man auf gute Sprache.
Hauptbedingung und Voransſehung iſt die Achtſamkeit de8 Erzieher3 auf ſich ſelbſt, daß
er nie etwas Gemeines ſage oder thue, daß er nie aus Rache ſtrafe, daß er nie ſchimpfe,
nie verhöhne , nie enimuthige u. ]. w. Schließlich ſei der Erzieher eben auch achtjam auf
ſeine Achtſamkeit, gerade wie die rechte Auſmerkſamkeit ſich auch auf ſich ſelbſt zurücbeziehen
muß. Da der einzelne Erzieher immer nur gewiſſe Seiten vorzüglich bemerken, andere aber
ſeicht überſehen wird, jo beſpreche ex ſich über Zöglinge, aus denen ex nicht klug wird, mit
ſeinen Collegen, den Aeltern und nach Befinden dem Arzte. Das Befragen der Mitſchüler
iſt bisweilen nicht zu umgehen , erfordert jedoch einen ganz beſonderen Tact, damit nicht
Angeberei und Zuträgerei befördert werde.
Achtung vor dem Erzieher iſt Anerkennung der Würde und Vorzüge ſeiner Perſon,
Selbſtverſtändlich muß ſie überall im Zögling vorausgeſezt werden, wenn das Erziehungs=-
werf gedeihen joll. Sie kann aber nicht dictirt werden , ſondern muß ſich erzeugen durch
die Cindrücke, die das ganze Weſen des Erzieher8 auf ihn ausübt, we8halb ſie auch nur
der fordern kann, der ſie verdient. Leider wird ſie da, wo ſie ſich erzeugte, oft erſchüttert
dder gar niedergeworfen durch das unpädagogiſche Gebahren unvernünftiger Perſonen ; leider
führt der große Lehrermangel unſerem Stande ſo manche Perſon zu, die nicht dieſe Tugend
bei Alt und Jung hervorzurufen vermag; leider trägt man hier und da durch Begünſtigung
der Heuchelei in Lehrerkreiſen zur Entnervung der Lehrerperſönlichkeiten beiz leider hat unjer
Stand noch vielfach ſelbſt in gebildeten Kreiſen mit Vorurtheilen zu kämpfen, die als ein
Erbſtück der Zeit, in welcher ſich die Schulmeiſter vielfach aus anderwärts nicht mehr brauch-
baren Perſonen recrutirten, zu betrachten ſind. So lange dieſe und manche andere in
unſerer ganzen Zeitrichtung liegenden Urſachen fortdauern, wird von der Schule nicht ver-
langt werden dürfen, daß ſie leiſte, was ſie ſoll. Troßdem muß ſie wirken, was jie kann.
Und große Anſprüche müſſen de8halb an die Lehrer gemacht werden, größere als an andere
Stände. Seine Armuth darf ſich nicht in ſeiner Kleidung aus8prägen, nicht jeinen Anſtand
herabdrücken, darf ihn nicht abhalten, mit einex Geſellſchaft, die ſeiner in Wahrheit würdig,
zu verfehren und für ſeine Fortbildung zu ſorgen. Er muß aber auch mit allen geſeßlich
erlaubten Mitteln wirken, daß ſein Stand nach jeder Seite hin gehoben werde.
Aferbauſchulen gehören zu den Berufsſchulen im engeren Sinne, wie ſie na=-
mentlich der realiſtiſche Sinn der Neuzeit begünſtigt. Sie ſind zum Theil mit anderen Schulen,
Akademien und Univerſitäten verbunden, theilweiſe indeß auch für beſtimmte Kreije jelbſtändig

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