Dienſteid' - Dienftentlaſſung Ww
vom Lehrer Überall in die Hände der vorgeſehten Behörde abgelegt, welche freilich, je nach
den verſchiedenen geſeßlichen Beſtimmungen der einzelnen Länder, eine verſchiedene ſein kann.
In der Provinz Naſſau iſt dies (wenigſtens bi8her) der Amtmann, in Waadt der Präfect, alſo.
eine rein weltliche Behörde ; in Württemberg eine gemiſchte, geiſtliche und weltliche, das gemein=
ſchaftliche Oberamt, (wenigſtens bei Beeidigung der Präceptoren und Realſchullehrer) ; in
Oldenburg das Conſiſtorium ; in den übrigen Ländern aber meiſt. eine Schulbehörde, 3. B.
der Bezirksſchulinſpector (in Sachſen Diſtrict8ſchulinſpector genannt), der, wenn er auch des
Oefterſten Geiſtlicher iſt, in ſolchem Falle nur al8 Schulinſpector fungirt. Was8 den Jnhalt
der Eidesformel anlangt, die der Schwörende nachzuſprechen hat, ſo muß dieſelbe in Kürze
die Punkte bezeichnen, in Beziehung auf welche der den Eid Leiſtende verpflichtet werden
joll. Soll aber der Eid nicht von Anfang an als ein unerfüllbarer bezeichnet werden, jo
fann man vernünftigerweiſe nur die Verſicherung verlangen, daß der Schwörende den red-
lichen, ernſten Willen habe, die übernommenen Pflichten gewiſſenhaft zu erfüllen. Die in
vielen Eidesformeln enthaltene Verſicherung, daß man ſeinem Verſprechen nachkommen werde,
verſtößt nicht nur gegen alle Kenntniß des menſchlichen Weſens und ſeiner Schwächen, ſondern
drückt auch die Würde und Bedeutung herab, ja ſie vernichtet den einen Zwe desſelben
ganz, da der Schwörende nicht zu belebender Zuverſicht erhoben , fondern im Bewußiſein
ſeiner Schwäche mit niederdrückender Beklemmung erfüllt wird. Die Pflichten , welche die
Cides8ſormel anführt, müſſen nur allgemein und kurz angegeben ſein, da im entgegengeſeßten
Falle dur in Württemberg geſchieht) nicht nur der Eid den Charakter einer Inſtruction annimmt, jondern
auch die ſittliche Wirkung verloren geht. In allen in Deutſchland üblichen Eidesſormularen
ſind drei Punkte feſtgehalten, auf welche die Verpflichtung des Lehrer3 ſich richtet: Die Pflich-
ten gegen Staat und Obrigkeit, gegen die Kirche und die jpeciellen des Amtes. In Preußen
und Sachſen haben die Lehrer den gewöhnlichen Staatsdienereid (Treue und Gehorſam gegen
Regenten, Vaterland und Staat3verfaſſung) zu leiſten, und es wird in diejer Formel dann
noh beſonders der eigentlichen Amts3pflichten gedacht. Selbſiverſtändlich muß der Lehrer ſich
auch verpflichten, den Lehren der Kirche treu zu ſein. (Nur in Staaten, wo, wie in Holland
und England, der eigentliche Religionsunterricht principiell von der öffentlichen Schule aus=
geſchloſſen iſt, findet keine derartige Verpflichtung ſtatt.) Früher mußten die Schullehrer in
Sachſen ſogar die Aung8burgiſche Confeſſion, den lutheriſchen Katechiömus und die Viſitation8=
artikel eigenhändig unterzeichnen ; jezt genügt da8 Verſprechen, bei der evangeliſchen Lehre,
wie ſie in der heiligen Schrift, den Katechi3men Luther?8 und der Augsburgiſchen Conſeſſion
enthalten, zu beharren, auch das Wort Gotte8 nach den Grundſäßen und dem Geiſte der
evangeliſchen Kirche lehren und üben zu wollen. Aehnlich iſt es in anderen Staaten. Am
Zweckmäßigſten erſcheint die in Sachſen-Weimar eingeführte Formel, wo die ſymboliſchen
Bücher nicht erwähnt werden, ſondern der Lehrer nur auf die reine Lehre und das liche Bekenntniß , wie es in der heiligen Schrift und den eingeführten katechetiſchen Lehr-
büchern enthalten iſt, hingewieſen wird.
Dienſtentlaſſung, Dienſtentſezung. Sobald ein Lehrer feſt, d. h. nicht auf Kün-
digung oder nur eine beſtimmte Zeit angeſtellt iſt, ſo kann er ohne beſondere Gründe nicht
wieder entlaſſen werden. Nur in Baden iſt es noch geſtattet, einen Hauptlehrer während
der erſten 5 Jahre ſeiner Amtsthätigkeit ohne Angabe von Gründen und ohne Ruhegehalt
zu entlaſſen. Für die Entlaſſung des Lehrers gilt allgemein der Saß, daß die Urſachen,
welche die Entlaſſung eines Staatsdieners zur Folge haben, auch die de8 Lehrer8 nach ſich
ziehen ; doch liegt es in der Natur de8 Lehramtes, daß zu jenen Urſachen hier noch einige
andere kommen. So begründet eine unzüchtige Behandlung der Schuljugend, Gottesläſterung,
öffentliche Herabſehung der Religion, Verlezung der Sittlichkeit, ehrverlezende Aeußerungen
gegen das Staat3oberhaupt oder über deſſen Regirungöhandlungen nach dem Sculgeſekße für
das Königreich Sachſen die Entlaſſung. In Baden thut dies nur der erſte dieſer Punkte,
dagegen kann ein Lehrer auch wegen unſittlicher Handlungen , unwürdigen Betragens und
wegen Mißhandlung der Schulkinder entlaſſen werden. Auch zieht daſelbſt die Verurtheilung
zu einer bürgerlichen Gefängnißſtrafe von mehr als vierwöchenklicher Dauer die Entlaſſung
nach ſich, während im Königreiche Sachſen jede Gefängnißſtrafe dieſelbe bedingt, ja ſogar

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.