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Inzwiſchen hatten ihn ſeine Schriften weit über die Grenzen ſeines engeren Vaterlandes
hinaus bekannt gemacht, und ſo erhielt er 1816 einen Ruf al8 Schul- und Conſiſtorialrath
nah König3berg , den er, bereits im 57. Jahre ſtehend, annahm. Eine außerordentliche
Arbeitslaſt wartete ſeiner ; mit beſonderer Hingabe widmete er ſich der Hebung des ſehr ver-
nachläſſigten Landſchulwejen3 der Provinz Prenßen. Ueber ſeine zahlreichen Viſitationsreiſen
die er meiſt zu Fuße unternahm, ſagt er 1. A.: „Die guten Schullehrer ſehen mich
gern fommen, die faulen fürchten mich al8 Subſtitutenſezer und bekommen das Vi-
jitationsfieber. “ Obgleich jo rüſtig, daß er noc< im 69. Jahre wöchentlich 83 Stunden
arbeiten und Sonntags oft 12 = 13 Stunden ohne Augenglas8 ſchreiben konnte, warf ihn
dennoc< eine zugezogene heſkige Erkältung auf's Krankenbett und führte ſeinen Tod am
29, Mai 1831 herbei. Dieſe Nachricht verbreitete in ganz Deutſchland tieſe Trauer ; denn
mit Dinter war ein Mann aus dem Leben geſchieden, der, ſelbſt einer der khätigſten,
kenntnißreichſten und tüchtigſten Erzieher , im reformatoriſchen Geiſte ſegensreich für das
deutſche Schulweſen gewirkt hatte. =- Als Dinter's wichtigſte Schriften find zu nennen :
„Die vorzüglichſten Regeln der Katechetik" 1802. 7. Aufl. 1829; „Kleine Reden an
fünftige Bolksſchullehrer“ 4 Bde. ; „Die vorzüglichſten Regeln der Pädagogik , Methodik
und Shulmeiſterklugheit“ 4. Ans8g. 1822; „Unterredungen über die zwei erſten und Unter-
redungen über die vier lehten Hauptſtücke des Luther'ſchen Katechiamus" ; „Die ganze hei-
ligeSchrift in die Sprache des 19. Jahrhundert3 überſeht" 1830: „Dinter'8 Leben.“ Auto
biographie.
Director. Gegenwärtig giebt es ſo verſchiedene Arten von Directoren, daß e8, um
Frrfhümer und Verwechſelungen zu vermeiden, gerathen iſt, die Directoren , von denen in
diejem Handwörterbuche nur die Rede ſein kann, Schul=, Seminar=-, Gymnaſial=, Realſchul-
direcioren u. f. w. zu nennen, alſo genauer zu bezeichnen ; Ein Director iſt der Vorſteher,
Vertreter, Leiter, Ordner, Auſſeher einer Sculanſtalt; er ſoll dirigiren, d. h. leiten, len-
fen, ordnen, beaufſichtigen. Darau38 geht hervor, daß ſein Amt ein ungemein wichtiges iſt,
und daher müſſen auch an die Berſon eine3 Schuldirector38 hohe Anforderungen geſtellt wer=
den, wenn die Anſtalt unter ſeiner Leitung wirklich gedeihen ?oll, Verſuchen wir zunächſt
die exrſorderlichen und wünſchen8werthen Eigenſchaften eines Director3 kurz feſtzuſtellen : Er
muß zunächſt ein Mann ſein, der hervorragende, gründliche und ſichere Kenntniſje beſißt,
jowie einen unverwüſtlichen Ciſer zu wiſſenſchaftlicher Fortbildung. Seine Kenntniſſe dürfen
jich auch nicht auſ nur wenige einzelne Fächer beſchränfen, ſondern ſeine Bildung muß mögs=
lichſt allgemein ſein, wenn ein Director, wie fich von ſelbſt verſteht, auch kein Alleswiſſer
jein kann. „Mag auch der Director in der Kenntniß einzelner wiſſenſchaftlicher Fächer ſo
Manchem ſeiner Collegen nachſtehen, mag der oder jener Lehrer ein beſſerex Botaniker, Ma=
thematifer oder Franzoſe ſein al3 der Director, in den Augen billig und vernünſtig Den-
kender wird dies ſeinem Anjehen keinen GCintrag thun.“ (Dr. Möbius). In einigen Haupt=-
fächern des Wiſſen3 aber muß der Director ſeine Lehrer überragen, um ihnen gehörig zu
imponiren ; doch darf darunter die allgemeine Bildung nicht weſentlich gelitten haben ; denn
Männer, die aus leidenſchaftlicher Neigung nur einen Wiſſen8zweig cultivirt und alles An-
dere möglichſt link8 gelaſſen haben, eignen ſich nicht beſonders für das Amt eines Director8.
Wa3 nun weiter die ſpecielle Berufswiſſenſchaft , die theoretiſche und prakiſc anlangt, jo wird mit Recht von einem Director verlangt werden können, daß er fich von
keinem ſeiner Collegen überbieten laſſe, daß er durch keine Frage, deren Beantwortung ſichere,
gründliche pädagogiſche Einſicht und Erfahrung, ſowie Kenntniß der hervorragenderen Er=
ſcheinungen der pädagogiſchen Literatur alter und neueſter Zeit vorausſeßt, in Verlegenheit
gebracht werde, daß auch jein hervorragende8 Lehrtalent und ſeine Schulpraxis überhaupt
geeignei ſind , dem geſammten Collegium zum Muſter zu dienen. Ein tüchtiger Praktiker
aber ijt ein beſſerer Schuldirector als ein bloß berühmter Schriftſteller ; denn er ſoll im
Squlleben mehr handeln als ſchreiben. Weiter muß ein Director einen praktiſchen Sinn
beſihen, der ohne in theoretiſche Speculationen ſich zu verlieren, alles Neue immer auf die
rechte Weiſe, die zum Ziele führt, anzugreifen verſteht. Ein ſcharfer Bli>, der die Schä-
den in der Anſtalt, die Urſachen derſeiben, die rechten Mittel zur Abhülfe bald heran8=
findet, darf ihm nicht abgehen. Ein ruhiges, ſicheres, richtiges Urtheil muß ihn vor aller

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