Cfgefihl Ehrlichkeit 133
lebhafte: Streben nach. Ehre. Solcher Ehrtrieb artet leicht aus in Ehrbegierde, Chr=-
geiz und Chrſucht. Der CEhrbegierige macht die Erlangung von Chre zu ſeinem-höchſten-
Strebeziele mit Hintenanſezung anderer , höherer oder gleicchoher Güter. Ehrgeiz iſt in
der Wahl der Mittel wenig wähleriſch, ex benußt auch ſolche, welche vor dem Richterſtuhle
der Vernunft nicht beſtehen können , opfert dem Strehen nach Ehre oft höhere Pflichten
auf und ſeßt nicht ſelten einen beſonderen Werth auf kleinliche, eitele und an ſich werth-
loſe Dinge, weil er in ihnen Zeichen der Chre erblickt. Ehrgeiz zählt zu den Leidenſchaften
und wird in ſeinem vollendetſten Grade, in welchem er zur förmlichen Seuche, zu einer
gefährlichen Krankheit der Seele geworden iſt, Chrſucht genannt. Ehrſucht jagt nach zeit-
licher Chre mit Hintenanſehung der Moral und Pflicht und ſcheut ſich nicht, dabei ſelbſt
Anderer Glück aufzuopfern. =- Das Capitel von der Chre iſt für den Erzieher ein außer
ordentlich wichtiges, ſowohl in Hinſicht auf die förderliche, al8 auch auf die gefahrbringende
Seite im Erziehungs8leben. „C3 wäre mir lieber, ich ſtürbe, als daß mir Jemand meinen
Ruhm ſollte zu nichte machen“, dieſes bibliſche Wort führt auf den hohen Werth der Ehre
im Allgemeinen, den auch der Erzieher allezeit im Auge haben muß. Der Jugend ſchon
muß neben dem rechten Begriffe das Gefühl dieſes Werthes8 anerzogen werden. Religid8=
philoſophiſche Unterredungen über dieſen Gegenſtand , Vorführung von Muſterbildern aus
der Geſchichte, Veranſchaulichung aus dem täglichen Leben und der täglichen Umgebung,
Anwendung von Ehrenſtrafen und Ehrenlohn, ehrwürdiges Betragen des Erzieher8 über=
haupt, beſonders aber vor den Augen der Zöglinge begründen nach und nach ein richtiges
Urtheil über das Weſen und den Werth der Ehre, alſo auch Ehrgefühl und Ehrtrieb. Wer
e8 verſieht, dnr< weiſe Anwendung obengenannter Mittel, durc recht augenfällige Scheidung
der erlaubten von den verwerflichen, durc< ſc Chre noch erſtreben3werthen Güter de8 Lebens und vernunftgemäße Fizirung ihrer Stellung
unter denſelben, dur< ſparſame, fremde Leiſtungen nie herabdrückende, allezeit ſtreng gerecht-
fertigte Anwendung von Ehrenlohn und Vermeidung aller, Eitelkeit und Dünkel erzeugender
Auszeichnungen, jene Ausartungen des Ehrgefühles und Chrtriebe8 in Ehrbegierde, Ehrgeiz
und Ehrſucht zu verhüten, der wird davon nur ſegensreiche Folgen bei ſeinem Erziehungs
werke ſpüren, als da find: Aengſtliche Fernhaltung der Zöglinge von dem, was ſchändet,
z. B. gemeine Reden und Handlungen, Ungehorſam, Trägheit, Lüderlichfeit, Lüge, Un=
mäßigleit u. f. w., und Hinneigung zu den ehrenden, den genannten Fehlern gegenüber=
ſtehenden Tugenden. Für die Schule wird die Erregung und Belebung des Ehrgefühles
dadurch zu einem ſchäßbaren DisSciplinaxmittel, und nur, wenn ein irregeleitetes Ehrgefühl
übergroße Reizbarkeit und Empfindſamkeit bei nothwendigen Zurechtweiſungen und gerechtem
Tadel ſpüren läßt, wenn übelnehmiſches Weſen in finſterem Murren und tagelangem Schmollen
fich Luft macht, wenn Herrſchſucht over Neid a1s Folgen falſchen Ehrtriebes das Band
treuer Kameradſchaft in einer Claſſe zu zerſtören drohen, dann ſei der Lehrer auf der Hut
und erſticke da8 Uebel durch kräftige, aus -Ddigem reſultixende Gegenmittel ſofort im Ents-
ſtehen ; erkenne aber darin gleichzeitig für ſich den ſicherſten Beweis unpädagogiſcher Hand-
lung3weiſe.
Ehrlichkeit befißt Derjenige, deſſen Geſinnungen, Worte und Handlungen ſo beſchaffen
ſind, daß er mit ihnen vor dem Nichterſtuhle des Geſehes zu Ehren beſtehen kann. Da
unter dem Geſeke eigentlich immer das Sittengeſeß verſtanden werden muß, welches durch
ein ſtreng urtheilende3 Gewiſſen vertreten wird, jo giebt e8 demgemäß ebenſo eine EChr-
lichkeit in Gedanken, wenn dieſe ſich nicht mit ſchlimmen Nevenabſichten verbinden, welche
mit Bravyheit und Biederkeit, -- und eine Chrlichkeit in Worten, wenn dieſe nicht bloß
gut erſcheinen ſollen, ſondern in Wirklichkeit aus edlen Geſinnungen entſproſſen ſind , die
durc< Aufrichtigkeit und Ohnefalſchheit bezeichnet wird, als auch eine Ehrlichkeit der Hand-
lung3weiſe, welche man meiſt ausſchließlich unter dieſem Begriſſe verſteht. Das, was man
gemeinhin in der gewöhnlichen Umgangs8ſprache mit Ehrlichfeit ausdrücken will, nämlich
ein Fernhalten von Betrug, Diebſtahl und ſchimpflicher Antaſtung fremden Gutes iſt
eine Abſchwächung der eigentlichen Bedeutung. Kinder müſſen zur Ehrlichkeit nach allen
drei genannten Seiten hin erzogen werden. Da jedoch von der Ehrlichkeit der Geſin=
nungen unter Falſchheit , Heuchelei und von der Ehrlichkeit in Worten unter Auſrichtig-

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