-Erziehungsmittel - Erziehungsperioden 69
nicht in der Familie, jondern nur unter den zu gleichem Beruſe Beſtimmten mit Erfolg zur
Anwendung gebracht werden können (Militärerziehung Munch dadurch, daß gewiſſe körperliche
und geiſtige Gebrechen beſondere Veranſtaltungen bei der Erziehung nöthig machen (Erziehung
Blöd=, Schwach= und Fehlſinniger). Sie ſind aber auch für ſolc deren Aeltern entweder unfähig oder hänslich und geſchäftlich zu ſehr beengt ſind, um der
Kindererziehung ſeſbſt exfolgreieß vorzuſlehen z; deren Wohnort von einer guten Schule zu
fern gelegen iſt, um die hänsliche Erziehung mit dem öffentlichen Unterrichte verbinden zu
können u. |. ſ. Die ECrziehungsanſtalten müſſen in allen dieſen Fällen das Amt der Familie
und Schule mit einander verbinden und ſo organiſirt fein, daß ſie beides erſehen. Dies
iſt jedoch feine leichte Auſgabe, und daher laſſen ſich an den vorhandenen Erziehungsinſtituten
mehr oder weniger verbreitete Fehler rügen, namentlich der, daß ſie zu wenig darauf Rüc=
jſic den meiſten die Hauptaufgabe, die Schule ſteht mithin obenan und verdrängt das Familiäre ;
über der geiſtigen Bildung leidet vielfach das leibliche Wohlbefinden, unter dem Geiſte eiſernen
Zwanges und kalter Geſezmäßigkeit geht gar zu leicht der Geiſt der erwärmenden Liebe ver-
ſoren, die ſtete Ueberwachung und moraliſche Feſſelung erzeugt wohl äußere Zucht, doch häufig
ohne inneren Halt, ja wohl gar heuchleriſche, Außenwelt ein linfiſches und menſchenſcheue8 Weſen. Dabei liegen in dem, in ſolchen Anſtalten
beliebten Verfahren, die älteren Zöglinge als Erzieher für die jüngeren zu verwenden, die
Gefahren des Pennali8mus äußerſt nahe. In den Berufsſchulen für Geiſtliche, Lehrer, mit
denen Zuternate verbunden ſind , wuchert nicht ſelten das Mucerthum und in denen der
Lehrerinnen und überhaupt in Erziehungöanſtalten für das der Gefühlsſchwärmerei ſo leicht
zugängliche weibliche Geſchlecht niſtet ſich leicht der Geiſt der Pietiſterei ein, der gleich immer
für den Vertreter einer vernünftigen Erziehungsweiſe ein hartnäckiger Feind iſt. Je umſang-
reicher die Anſtalt iſt, eine deſto geſchitere Leitung und eine deſto zwekentſprechendere Gliederung
des Cötus iſt nöthig, um die genannten Schäden der Inſtitut8erziehung zu verhüten. Mädchen-
erziehungsanſtalten ſollten ſtet3 eine nur ſehr beſchränkte Zahl von Zöglingen aufnehmen.
Zn Bezug auf die Wahl des Ortes ſollte als Grundſaß gelten: Nur geſund gelegene Gegenden
ſind zur Errichtung von ECrziehungsanſtalten geeignet, do jein, damit ein zweckmäßiger Verkehr der Zöglinge mit gebildeten, auch moraliſch einfluß-
reichen Familien unterhalten werden könne, Für Erziehungsanſtalten der jüngeren Geſchlechter
möchten fich fleinere, für die mit höheren Schulen verknüpften jedoch größere Städte empfehlen.
(Recht beherzigenswerthe Anſichten über Erziehung8anſtalten findet man in; Niemeyer's
„Grundſäße der Erziehung“ 111. Th. S. 236 Fortſ.) (S. Waiſen=, Blödſinnigen-
Inſtitute u. f. w.)
Erziehungsmittel. Die Mittel, welche der Erzieher anwendet, um ſeine Zöglinge auf
den ihm als Ziel ſeiner Thätigkeit vorſ zu führen, zerfallen in 2 Gruppen; Belehrung und Gewöhnung. Beide Crziehungsfactoren
müſſen mit einander Hand in Hand gehen, doch wird bald der eine, bald der andere in
den Vordergrund treten. In den früheſten Kindheit8jahren erzieht man vorzug8weiſe durch
Gewöhnung. Anſchauliches Vorthun oder das Beiſpiel des Erzieher8 hat ſchon in dieſem
Alter, wie durch die ganze Periode der Kindheit hindurch, den weſentlichſten Einfluß ; Drohungen
und Verheißungen und endlich Belohnungen und Strafen kommen ihm zur Hülfe. Die Be=
lehrung kann als Erziehungs8mittel erſt dann auftreten, wenn die Urtheilsfraft ſo weit ent-
wickelt iſt, daß der Zögling Urſache und! Wirkung zu erkennen und gewiſſe Grundſäße in
Beziehung zu ſeinem Denken, Wollen und Handeln zu ſeen im Stande iſt. Auch dieſe
Belehrungen werden, gleich der Gewöhnung, ſich anfangs mehr auf dem Gebiete des Sinnlich-
Anſchaulichen bewegen müſſen und erſt ſpäter nach Durchwandlung verſchiedener Vorſtufen
in das Gewand des Abſtracten kleiden dürfen. Die Mittel für die erſte Erziehung werden
ſich mehr auf das Entwickeln der Anlagen und Kräſte, für die ſpätere hingegen namentlich
auf das Bilden des Entfalteten und auf die Heilung von Entartungen zu richten haben.
Ueber die rechte Handhabung der Erziehungsmittel, ſowie über die Folgen fehlerhaft gewählter
oder jehlechter, belehrt die Erziehungs8kunſt oder Pädagogik (ſ. d.).
Erziehungsperioden. Sowie man drei allgemeine Entwikelungsſtufen de8 menſchlichen

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