Vom CH 01 Frömmigkeit | W
herausgegeben von Dr. . Wichard Lange) für ſeine Idee wirkend und kämpfend bis | an ſeinen
- Tod (1852.) Sein Wort: „Kommt, laßt un8 unſeren Kindern leben", verehrung8würdigen Mann, der unter dem Greiſenhaar ſich ein Jünglings8herz bewahrt hatte,
vollkommen. Weiteres über ſeine Jdee |. Kindergarten,
Frohſinn (Heiterkeit). Frohſinn wird gemeinhin erklärt als ein andauerndes Ge-
fühl von Wohlbefinden und freiem Gebrauch alier Kräfte. Daraus entſteht eine Stim-
mung de8 Gemüthes zur Freudigkeit und der Ausdruck derſelben, den man als Frohſinn
bezeichnet. Oft iſt dieſe Gemüth3ſtimmung nur eine vorübergehende und kann durch trau-
rige Begebenheiten leicht in das Gegentheil, in Trübſinn verwandelt werden, oft aber wird
ſie gleichſam zur anderen Natur, und auch vorübergehende Uebel ſind dann mht im
Stande, fie gänzlich zu unterdrücken. So ſehr trübſinnige und melancholiſche Menſchen für
jich und Andere zur Plage werden, ſo hoch werden doch frohſinnige und heitere Menſchen
geſhäßt. Daraus geht für den Erzieher die Pflicht hervor, ſchon der Jugend Frohſinn
einzupflanzen und zu erhalten, umſomehr, als bei einem frohen Sinne alle Tugenden wohl
gedeihen und Laſter leicht vermieden werden. Freilich liegt e8 nicht immer in der Macht
de8 Erzieher3 , Frohſinn zu erzielen und Trübfinn zu verſcheuchen, da beide Gemüthsſtim-
mungen auf's Engſte mit körperlichen Zuſtänden verbunden ſind. Kränkliche Kinder ſind
ſelten heiter und oft auch nicht mit Anſtrengung aller Kräfte und Erzieherkünſte auf die
Dauer heiter zu ſtimmen. In ſolchen Fällen iſt die Aufgabe des Erzieher3 Beſeitigung der
ſeiblichen Uebel, welche dieſe Mißſtimmung des Gemüthes erzeugen. Geſunde Kinder hingegen
find von Natur heiter und werden e8 um ſo ſicherer bleiben, als man ſich bemüht, jie jo
anſpruchslo8 als möglich zu erhalten. Jede Kleinigkeit muß ſie zur Freude ſtimmen können,
und Berſagungen kleiner Wünſche dürfen auf die Dauer ihr Gemüth nicht verdüſtern. Auch
die Haltung der Umgebung wirkt vielfältig auf den Frohſinn der Kleinen ein. Kinder, die
jo unglülich find, mit mürriſchen, launiſchen und heſtigen Perſonen ſchon frühzeitig um-
geben zu ſein, nehmen gar leicht einen finſteren Charakter an, in dem ähnliche Leidenſchaften
hervortreten, während Frohſinn in der Umgebung, der ſich durch Freundlichkeit, Herzlichkeit
und Wohlwollen, durc unſchädlichen Luſt, durch willige Unterſtüßung beim Spiel u. |. f. zu erkennen giebt, die na-
türliche Anlage zur kindlichen Heiterkeit ſicher zur Ausbildung bringt. Leider wird, beſon-
der3 in den niederen Volksclaſſen, der Frohſinn oft ſyſtematiſch unterdrückt. Wer es weiß,
unter welchen Unmigebungen unzählige Kinder de8 Volkes aufwachſen, welche Uebellaune ihrer
eigenen Aeltern ſie faſt von ihrem erſten Eintritte in's Leben au empfängt und auſzieht
(weil ſie jo oft unerwünſcht genug da ſind), wer au die Mißhandlungen, das Anfahren, Schel-
ten, Schlagen denkt, das ſie erfahren müſſen, der muß fich wundern, daß überhaupt noch
ein jo geſunder Frohſinn im Volke wurzelt und kann dieſe Wahrnehmung nur der unbe-
jiegbaren Hinneigung zur Heiterkeit, die Gottes Liebe in die Menſ Dem Erzieher aber müſſen die geſchilderten Uebelſtände ein erneuter Antrieb werden, nicht
noh weiter an der Menſchennatur zu ſündigen, nicht gerade die aus Heiterkeit hervorgehenden
Unarten, als narrenhafte Ausgelaſſenheit, Uebermüthigkeit oder gar Rohheit zu dulden, aber
auch nicht Alle8 für Unart zu betrachten, was doch im Grunde unſchuldig iſt und daher
erlaubt ſein follte. Wo Kinder fröhlich bei einander ſind, da geht es ſtet8 etwas laut her,
aber iſt denn jedes Lärmen und muntere Reden, Rufen , Lachen, jede flinke Beweglichkeit
des Körpers eine Unart? Es giebt Erzicher, welche die Kinder um deswillen ſo lange ſchel-
ten, bi8 fie ſtumm und unbeweglich neben einander hocken. Das ſind die Feinde jugend-
lichen Frohſinnes und zugleich Feinde kindlicher Tugend; denn die in fich gekehrten , ſcheu=-
bli>end einherſchleichenden Kinder thun und denken des Böſen viel mehr, als ein luſtiger
Springin8feld, der auch noc den Frohſinn, jeinen Einfluß 2c.“ Leipzig.)
Froömmigfeit iſt dem Weſen nach gleichbedeutend mit Religioſität (ſ. d.), unterſcheidet
ſic) aber von dieſer durch eine ſichtlichere Vorliebe für Andachtsübungen und eine größere
Neigung zur Beſchäftigung mit religiöſen Dingen und zur Theilnahme an den kirchlichen
Handlungen. Die Frömmelei iſt der äußere Schein zur Schau getragener Frömmigkeit,
welche des nothwendigen inneren Grundes der wahren Religioſität entbehrt, So ſehr die

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