218 Gehorſam Ghör |
Sie müſſen lernen, ſich dieſem unterzuordnen, ſhon de3halb, weil er der. ſtärkere iſt und
ſie ſich ihm nicht entziehen können. Gleichwohl laſſe man ſie 2) dieſe Erfahrung nur da
maden, wo der Zwe dur< kein andere38 Mittel erreicht werden kann. Man gebiete alſo
ſo wenig als möglich und verſuche, wo es ſich irgend thun läßt, ob die Kinder das Recht
und das Unrecht jelbſt finden. Wo das Geſeß nothwendig iſt, da werde es 3) mit Ruhe
und mit Sanftmuth ausgeſprochen; es erwerke nie die Jdee der Leidenſchaftlichkeit. Das-
gegen beharre man 4) darauf mit -Feſtigkeit. Durch ſie erleichtert man den Gehorſam.
Man täuſcht ſich, wenn man die8 dadurch zn erreichen meint, daß man das Nichtgehor vft, wie unbemerkt, hingehen oder ſich erbitten läßt, Geſehe zurückzumehmen. Gerade da-
durch wird der Gehorſam erſchwert. Bei jedem neuen Geſeße bleibt dann die Hoffnung,
e8 werde nicht genau genommen oder wohl gar aufgehoben werden. Wird dieſe Hoffnung
getäuſcht, jo bricht das Kind in Thränen, Stränben und ungezogene Widerſpenſtigkeit aus,
die bei feſtem Willen der Erzieher nicht ſo leicht vorkommt. Auch bleibe man ſich 5) in
den Forderungen gleich. Was einmal unbedingt geboten und verboten ward, bleibe auch
unwandelbar. Was man bedingt verſagte, bleibe verſagt, ſo lange die Bedingung fort-
beſteht. Woher joll ſonſt Folgeleiſtung gegen eine fremde Vermnft kommen, wenn ſich
zeigt, daß dieſe nur durch Launen beſtimmt wird? Cs mögen zwar die Zöglinge 6) zu-
weilen durch unmittelbare, abſichtlich zu dieſem Zwecke veranſtaltete, gute Folgen de8 Ge
horjams und ebenſo üble Folgen des Ungehorſams die Erfahrung machen, daß ſie ſich beim
Gehorſam beſſer befinden, als bei der Befolgung ihres eigenen Willens (denn dadurch lernen
ſie dem fremden Willen vertrauen und fühlen ſich glüklich unter ſeiner Leitung), aber man
gewöhne ſie gleichzeitig, auch ohne unmittelbare Erfahrungen äußerer Vortheile oder Nach-
theile gehorſam zu jein. Sie laſſen fich ſonſt leicht verleiten, dieſe Folgen als einzige Trieb=
feder des Gehorſams zu betrachten und eine Belohnung dafür zu fordern, daß ſie ihre
Schuldigkeit thun. Mit jeder weiteren Annäherung an die Jahre der Mündigkeit aber ver-
wandle jich unvermerki 7) die befehlende Sprache des Erzieher38 in die Sprache der wohl-
meimmenden Zurechtweiſung. Nur dem Kinde gebiete man kurz, und dem Knaben gebe man
beſtimmte Vorſchriſten ; dem Jünglinge aber rathe man, damit ihm ſein Gehorſam immer
mehr als die Wirkung eigener Einſicht und Freiheit erſcheine. Sonſt wird der Uebergang
vom blinden Gehorſam zu dem Stande der Unabhängigkeit zu raſch, der Abſtich zu grell
und der Mißbrauch der plößlich eintretenden Freiheit unvermeidlich. (In JInternaten, wo
ültere Zöglinge neben jüngeren weilten, mag es ſich auch hier und da empfehlen, die älteren
an der Geſekhgebung für äußere Ordnung u. dergl. thätigen Antheil nehmen und al8dann
für Aufrechterhaltung derſeiben mitwirken zu laſſen. Dadurch wird Einſicht in das Ent=-
ſtehen und Klarheit über die Nothwendigkeit der Geſeße entwickelt, und dies ſind die Grund-
bedingungen des rechten, freiwilligen Gehorſams.) Daß neben den angegebenen praktiſchen
Winken noc< das Beiſpiel des Erziehers als Haupthebel des Gehorſams auſgeführt wird,
iſt durch den allgemein anerkannten Werth guter Vorbilder genügend gerechtfertigt.
Gehör. Nach Dr. Bo>ds aus New-York neueſten Experimenten im Laboratorium des
Prof. Helmholß ſind die Gehörknöchelchen als ein Hebelwerk zu betrachten, das ſich um
eine gemeinjame Axe dreht und ſo vie Schwingungen des Trommelfelles auf das Labyrinth-
waſſer überträgt. (Als vortreſſliches Lehrmittel empfehlen wir das Modell des Ohre8 von
Prof. Bo> in Leipzig, 3 Thlr. 19 Sgr.) Die Behandlung der Krankheiten des inneren
Ohres ſind einem Arzte zu überlaſſen, we8halb wir über dieſelbe nicht berichten. Die Er-
zieher haben vorzugsweiſe darauf ihr Augenmerk zu richten, daß das Ohr immer rein ge-
halten, d. h. vom überflüſſigen Gehörſchmalz gereinigt wird, daß die Kinder nicht fremde
Körper, bejonder3 durch Feuchtigkeit ſich vergrößernde, als Bohnen, Erbſen u. ſ. w. in
den Gehörgang ſtecken, weil ſonſt uur zu leicht heftige Entzündung und dadurch Ohren-
luß, Scwerhörigfeit, ja Taubheit entſtehen können. Ferner find abzuhalten zu ſtarke
und zu anhaltende Eindrücke (zu ſtarker Schal!, Schläge an Ohr und Kopf, zu große
Hiße und Kälte u. dergl.); denn ſie können Zerreißen des Trommelfelle8, Schwerhörig-
feit, ja Taubheit hervorbingen. Die Krankheiten des Ohres ſind ſeltener, als die des Auges,
weil das innere Ohr im härteſten Knochen des Leibes, im Felſenbein, eingeordnet iſt, aber
darum auch der Unterjuchung weit unzugänglicher und de8halb ſchwieriger heilbar. In Be=-

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