- Infeipunction./ | : DE ad - Ironie 5“ . “ . 285 |
heit ves Stoffes fich anders geſtaltet , daß 3. B. in einer Schiller' ſchen Tragödie - anders
Interpungirt werden muß, als in einem mathematiſchen Lehrbuche. -- Um man die Schüler
dahin zu bringen, daß ſie beim Verlaſſen der Schule möglichſt richtig interpungiren = -
denn darauf, nach allen Seiten hin vollſtändige Sicherheit zu erzielen, muß die Volk8ſchule -
verzichten -- iſt die Beachtung folgender allgemeinen vivaktijchen Regeln nothwendig: Sobald
als möglich ein logijc< richtiges und euphoniſch ſc üben ; die Bedeutung der Saßzeichen den Kindern genau zu erklären ; bei der Behandlung der
Saßlehre die Interpunction beſonders mit einzuüben ; erſt nach Erklärung der Hauptregeln
und Cinübung derſelben durc< die mannigfaltigſten Uebungen auf Nebenregeln einzugehen. --
Geſchichtliches. Der Name Interpunction ſtammt von den Römern, welche aber einen
ganz anderen Begriff als wir damit verbanden. Ihre Interpunction, wie auch die der Griechen,
war vorzugsweiſe eine oratoriſche, d. h. eine ſolche, welche ſich nur auf den Vortrag und
die Declamation der Worte bezog und lediglich mittel3 Punkte am Ende der Säße oder
dur< neue Linienanſänge und Abſäße angedeutet wurde. Die neuere, größtentheil8 grams
- matijhe Interpunction ſoll von dem alexandriniſchen Grammatiker Ariſtophane8 erfunden
worden ſein. Zur Zeit Karl8 des Großen hatte ſie ſich jedoch bereit8 wieder ſoweit verloren,
daß ſie Aleuin und Warnefried ſo gut als ganz von Neuem einführen mußten. Anfangs
beſtand ſie darnach nur in einem auf dreiſcc bisweilen noch in einem Striche. Da man aber dabei keine beſtimmten Regeln befolgte, ſo
blieb die Interpunction lange Zeit noch ſehr ſchwankend, bi3 zu Ende de8 15. Jahrhunderts
die gelehrten venetianiſchen Buchdrueker Manutins die Interpunction8zeichen vermehrten und
über deren Gebrauch feſtere Regeln aufſtellten. Sie ſind als die eigentlichen Schöpfer der
gegenwärtigen Interpunctionsmethode anzuſehen , und es iſt ſeit jener Zeit außer einzelnen
genaueren Beſtimmungen Nichts hinzugefügt worden. Anleitung zur JInterpunction enthält
jede Grammatik. Sehr gründlich iſt dieſelbe dargelegt in Be&>er*s „Ausführliche deutſche
Grammatik,“
Irgnie. Jronie iſt eine Art der Verſtellung, die aber nicht betrügen, ſondern ſcherzend
belehren oder beſſern will. Der Jroniſche nimmt die Miene der Unwiſſenheit, Einfalt, Treu-
herzigkeit , Naivetät an , um das Fehlerhafte in den Meinungen oder dem Betragen An-
derer in einem folchen Lichte darzuſtellen, daß e8 ungereimt erſcheint und dadurc< lächerlich
wird. Daher kommt es, daß ironiſche Reden dem Wortlaute nach loben, während ſie doch
eigentlich tadeln, oder daß der ironiſc;, Redende eine ernſthafte Miene macht, während er
doch ſeinen Scherz mit Anderen treibt und innerlich über ſie lächelt. Aus dieſem Grunde
wohl überſeßte Campe das Wort durch Schalksernſt. Die Jronie kann feiner und gröber
jein. Ju der feineren war Sokrates Meiſter, we8halb er ſelbſt der attiſche Jron und
die ihm eigene Jronie die ſofratiſche Jronie genannt wurde. Er ſtellte ſich dabei ganz
auf den Standpunkt jeiner Umgebung, ging auf ihren Jdeengang ein und verfolgte ihn mit
bis zu dem Punkte, auf welchem ſich das Ungereimte desſelben herausſtellte. Alsdann erſt,
nachdem ſeine Umgebung ſo die Nichtigkeit ihrer Säße eingeſehen, ließ er den richtigen
Standpunkt auffinden. Ex machte von ſeiner Jronie bald einen ſchärferen, bald einen
milderen Gebrauch, je nachdem er es mit anmaßenden Gegnern, deren Blößen er auf=
veden oder mit lernbegierigen Schülern, deren Unwiſſenheit und Vorurtheile er beſeitigen
wollte, zu thun hatte. Jm erſteren Falle machte die Jronie den Eindru> des Spottes
(ſ. d.), obgleich beide Begriſſe durchaus nicht gleichbedeutend ſind. Aus den Erfolgen des
Sokrates lernen wir, daß Ironie bei der Belehrung wohl angewendet werden kann; ſie
tilgt Jrrthümer und Zweifel ſicherer, als die reine Einimpfung bereit8 fertiger , richtiger
Grundſäße. Auch zur Heilung von moraliſchen Verirrungen wendet man zuweilen die Jronie
an, doch mit minderem Erfolge. Daß Jronie leicht an Spott ſtreift, iſt der deutlichſte
Fingerzeig dafür, daß man bei Anwendung derſelben umr mit äußerſter Vorſicht verfahren
muß. Der ſitilich Gefallene darf nie lächerlich gemacht, ſondern muß vielmehr ſtets mit
liebendem Ernſte zurecht gewieſen werden. Da die ironiſche Behandlung übrigens einen
bereita geweckten Geiſt, ſelbſtändiges Denken und feines Gefühl vorausſeßt, ſo muß von
ihr als Erziehungsmittel für das frühe Jugendalter für alle Fälle abgeſehen werden, und

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