336 Kere FBortal=Sculvorſtand
Literatur, pädagogiſche, |, Pädagogik, Geſchichte. Sn .
Lob. Unter den verſchiedenen Arten der Belohnungen (ſ. d.) wendet der Erzieher
mit Vorliebe das Lob an, d. 1, der Ausdru> der Beſriedigung über einen Gegenſtand,
der hervorhebenden Anerkennung der vorzüglichen Seiten an einer Perſon oder Sache. Er
thut dies, theils weil Lob das wohlſeilſie Lohnmittel iſt, theils weil ſeine Verwendung den
geringſien Zeitaufwand in Anſpruch nimmt, endlich aber, weil dabei die meiſten Abſtufungen
möglich ſind und damit zugleich die trefflichſte Gelegenheit eröffnet iſt, der Individualität
des Zöglinges gemäß zu verſahren. Von dieſen Geſichtöpunkten aus betrachtet, verdient
denn auch dag3 Lob unter den Erziehungsmittein ſicher eine hervorragende Würdigung.
Denno< muß auch an dieſer Stelle, wie bei Beſprechung der Belohnungen Überhaupt,
mehr gewarnt al38 ermuntert werden. Die meiſten Erzieher, beſonders aber die jüngeren
und unerfahrenen ſind, mit Lobesbezeigungen zu verſchwenderiſch. Jede einigermaßen tref=
fende Antwort empfängt ein anerkennendes „Gut!“ „Schön!“ „Brav geredet!" u. |. w.,
jodaß Belobigungen faſt zur ſtehenden Redens3art werden und allen Reiz verlieren, Hier
und da lobt man Jogar, was nicht einmal lobens5werth iſt, wobei der Zögling gar keine
beſonderen Anſtrengungen gemacht hat, und was nur augenblickliche Stimmung, glückliches
Zuſammentreffen verſchiedener Umſtände günſtig für ihn geſtaltet. Dann kommt man nicht
jelten in die Lage, Lob und gleich darauf wieder Tadel, wie in einem Athemzuge, aus>=
zuſprechen. Dieſe beiſpielsweiſe aufgeführten Fälle ſollen die Forderung begründen, mit
dem Lobe wie mit allen Belohnungen jo ſparſam als möglich zu verfahren, da8jelbe mehr
auf den ganzen Standpunkt des Zöglinges, als auf die einzelne, zufällige Leiſtung zu bes
ziehen , al8dann aber es in einer gewiſſen ſeierlichen Form auszudrüden , endlich jich vor
allen Pebertreibungen, Lobhudeleien und Schmeichelreden zu hüten. Schriftliche Lobe3=
ertheilungen (in den Cenſurbüchern u. dgl.), welche ein ganz beſonderes Gewicht haben,
müſjen auch mit ganz beſonderer Gewiſſenhaftigkeit abgewogen werden.
Local-Schulvorſiand, Orts8ſchulvorſtand, auch -Aus8ſ Deputation genannt, hat die Aufgabe, die örtliche Beauſſichtigung der Schule oder
der Schulen zu führen und die Intereſſen derjelben zu vertreten und zu wahren. Je
nachdem die Schule Gemeinde- oder Staat3anſtalt iſt, wird dem Schulvorſitande eine
höhere oder niedere Competenz von der Geſehgebung beigelegt. Bezüglich der Zuſammen-
jezung des Schulvorſtandes beſtimmt der jächſiſ und je nach Ortöſtatut einer orer mehrere Lehrer und eine feſtzuſehende Anzahl von Mit-
gliedern der Gemeindevertretung dem Sculvorſtande anzugehören haben ; nach dem badi-
ſc 3--5 gewählte Gemeindemitglieder ; im Herzogthum G otha beſteht der Sculvorſtand aus
einem Ortsgeiſtlichen, den Ortslehrern (reſp. den 2 älteſten im Dienſt) und ſoviel Schul-
pflegern , gls Lehrer im Orts8ſchulrathe ſihen; in Zürich aus dem Pfarrer und 4 Mit-
gliedern nebſt dem Lehrer, aber nur mit berathender Stimme; in Württemberg aus
einem oder mehreren Lehrern (nicht mehr al8 3) einer gleichen Anzahl gewählter Ge-
meindevertreter und 1 VBfarrer; in Bezug auf die Gemeindemitglieder mit der Ein-
ſchränkung, daß dieſelben nicht mit einander im erſten oder zweiten Grade verſchwägert ſein
dürfen. In der Regel iſt der Lehrer vom Vorſih im Sculvorſtande ausgeſchloſſen (eine
Inconſequenz zu der Beſtimmung , daß der Geiſtliche den Vorſiß im Kirchenvorſtande zu
führen hat); in Baden wird der Vorſtand in den Gemeinden unter 300 Cinwohnern von
der Regirung gewählt, anderwärts führt meiſt der Pfarrer den Vorſiph. Jn Anhalt,
wo die Schule Staatsanſtalt iſt, werden der Vorſtand und die 3 Mitglieder des Scul-
vorſtandes, denen der Lehrer zuzuordnen iſt, vom Staate ernannt. Die Befugniſſe des
Schulvorſtandes ſind faſt allerorten folgende? 1) Ausführung der Geſeßhe und Anordnungen
höherer Behörden ; 2) rechtliche Vertretung der Schulgemeinde ; 3) Verwaltung des Schul-
eigenthums, Unterſtüßung der Lehrer bei Ausübung ihres Berufes , in8beſondere in Bezug
auf Schulverſäumniſſe. In Anhalt fallen natürlich die Punkte 2, bez. 3 fort, doh iſt hier
dem Sculyorſtande das Recht eingeräumt, härtere Sculſtrafen zu verfügen, ſowie den
Schülern mehrtägige Erlaubniß zum Wegbleiben aus der Schule zu geben, und in allen
wichtigen Fällen an die Behörde zu berichten. Dem Lehrer gegenüber iſt in Anhalt,

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