340 Füſtern vun Fyceen
Lüſtern , Lüſternheit, Lüſtern, lebhaft und anhaltend ſinnlich verlangend, beſonders
beim Anblikke des begehrten Gegenſtandes, Ein Apfel unter der Bank, mag er ſein Eigen-
thum jein oder nicht, gleichviel! kann einen Zögling um alle Aufmerkſamkeit bringen.
Glücklicher Weiſe verräth ſich die Lüſternheit von ſelbſt durch den eigenthümlich ſchielenden,
unruhigen Blik, Der achtſame Erzieher wird denſelben ſofort bemerken, der Urſache nach-
ſorjhen und dieſelbe beſeitigen. (S. Begierde.)
Luther, Martin (geb. 10. Nov. 1483, geſt, 18. Febr. 1546). Daß die Re-
ſormation durch ihr Princip der freien Forſchung nach der Wahrheit, durch ihre Betonung
der Lehre Einfluß auf das Erziehungsweſen haben mußte, ſoll im Artikel Reformation
dargelegt werden, hier jei nur die pädagogiſ evangeliſ tiefeingreifend , jo als ein rechter Pädagog „von Gottes Gnaden“. Als ſolcher tritt ex
uns entgegen durch jein Beijpiel eines ſtrengen und doch liebevollen, aber allezeit klugen
Hausvater8s. Wie lieblich iſt 3. B. ſein Brief „an ſein Söhnhen, Hänſichen Luther“ zu
leſen! Bedentungsvoller iſt jeine Wirkſamkeit als Viſitatox und Organiſator des Sc weſens jener Zeit. Er ließ es nicht beim Klagen darüber , wie groß ſein Jammer über
den elenden Zuſtand der damaligen Schulen ſei, bewenden, ex legte rüſtig Hand an's
Werk, damit es beſſer werde, beſonder8 auch in der Volksſchule. Cine Fibel, die jeden-
fall3 von ihm jelbſt verſaßt iſt, ſeine Katechiömen und andere Scriften legen davon
Zeugniß ab; er empfahl zwedmößige Methoden, ermahnte Fürſten und Obrigkeiten, Sorge
zu tragen für die Heranbildung der Jugend und brachte es dahin, daß wenigſtens ein
Theil der eingezogenen Kloſtergüter nicht dem Fi8cus einverleibt, ſondern zu Schulzweden
verwendet wurde. Keine8wegs zu unterſchäßen iſt der Einfluß, den er in ſeinen Schriften
nd Jeden, joweit ſie das pädagogiſche Element berühren , auf die Meinung ſeiner Zeits-
genoſſen aller Stände ausübte, galt er ihnen doch mit Recht auch hierin als Autorität.
Von den trefflichen Grundſäßen und Fingerzeigen, die wir von ihm ausgeſprochen finden,
fann hier, der nöthigen Kürze wegen, nur folgender Erwähnung geſchehen : „Die Aeltern
verſehen es insgemein auf dieſe zwo Seiten: entweder durch allzugroße Hätſchelei und
Verzärtlung , oder durch eine allzugroße Strengigkeit und Erbitterung !" „Es wiſſe ein
Jeglicher, daß er ſchuldig iſt bei Verluſt göttlicher Gnade, ſeine Kinder vor allen Dingen
zu Gottes Furcht und Erkenntniß zu zieh'n, und wo ſie geſchit ſind , auch lernen und
ſtudiren lajjen, daß man ſie, wozu es noththut, brauchen könne." „Man ſoll den Wei-
bern , die der Kinder warten , nicht geſtatten, daß ſie die Kinder zu fürchten machen mit
Gaufeleyen, ſonderlich des Nacht8." „Man erſiehet, daß die Kinderzucht eine der höchſten
Aufgaben der Aeltern iſt." „Glaube mir, es iſt viel nöthiger, daß du achteſt und Sorge
habeſt , die Kinder wohl zu ziehen, denn Ablaß löſen , Gebete thun, fremde Kirchen be
juchen oder viel Gelübde thun." Weiteres über Luther ſiehe: Froböſe, Luther's ernſte,
fräftige Worte an Aeltern und Erzieher, Göttingen 1822; Gedike, Luther'8 Pädagogik,
Berlin 1792; Göbel, Luther's Gedanken über Schul= und Erziehung8weſen, Dresden
1816; Hantj Kinderzucht, Lippſtadt 1828.
Lyreen, Jn Athen führte den Namen „Lyceum“ ein großes Gymnaſium in der
Nähe eine3 Tempel3, Auf deutſche Bildungsſtätten übertragen, bezeichnet e8 im Allgemeinen
dasſelbe wie Gymnaſium ; doch iſt im Beſonderen ſein Begriff oft enger, oft weiter; ſo
werden in Bayern „Lyceen“" Anſtalten genannt, die mit den Univerſitäten gleichſtehen und
deren philojophiſchen und theologiſchen Unterricht vollſtändig ertheilen. In Baden verſteht
man unter „Lyceen" vollſtändige Gelehrtenſ während die Gymnaſien nur 5 Claſſen und 7jährigen Unterricht haben. Jn Württemberg
wieder bezeichnet „Lyceum“ ein Gymnaſium, dem die zwei oberſten Jahrescurſe fehlen.

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