Begreifen .- Peihülfe zz
Theilbegriffe;. Momente oder Merkmale), 3. B. beim Quadrat: Vierecigkeit und Rechtwinkelig- |
- keit, und einen gewiſſen Umfang, ein gewiſſes Gebiet, eine Sphäre, welche der Begriff
umſchließt. Bei abſtracten Begrifſen ſtehen Umfang und Inhalt in umgekehrtem Ver-
hältniſſe: Der Begriff Quadrat hat mehr Inhalt. aher weniger Umfang al8 der Begriff
Vierec>. Bei individuellen Begriffen iſt aber, was gewöhnlich nicht beachtet wird, das Gegen-
theil wahr: Der Begriff Griechenland hat mehr Inhalt und mehr Umfang als der
Begriff Attika. =- Wenn der Umfang eines Begriffes bekannt iſt, heißt dieſer ein klarer
Begriff, wenn der Inhalt bekannt iſt, ein deutlicher Begriſſ. Klare Begriffe müſſen von
verwandten Begriffen unterſchieden, deutliche müſſen beſchrieben werden können. = Der
Erkenntnißquelle nach giebt es Erfahrungs begriffe, reine Vernunftbegriſſe und ge-
miſchte Begriffe. Unter den reinen Vernunftbegriffen, welche zwar auch durc< die Erfah-
rung angeregt, aber nicht aus dieſer geſchöpft ſind, nehmen eine hervorragende Stellung ein
diejenigen, welche ſich auf das Handeln beziehen, die Soll- oder Muſterbegriffe,
die Ideen: 3. B. gut, recht, erlaubt. =- Eine beſondere pädagogiſche Beachtung verdienen
die Verhältnißbegriffe oder relativen Begriffe: groß, klein, zu fpät, verfrüht,
Freund, Feind, die Verwandtſchaſt8bezeichnungen, Vorgeſeßter, Untergebener, Nachbar 2c. ; das
Kind hält dieſe Begriffe nämlich oft für ganzheitliche (totale). Der „Nachbar“ iſt nur dieſer
beſtimmte Mann. Oder e8 wird gar nicht daraus klug: „Wer war eigentlich in der
Schlacht bei Leipzig der Feind?" „Biſt du denn der Schwager oder der Onkel ?* -- Die
gejammten Begriffe bilden ein allſeitig verknüpftes Begriffs8neß (Syſtem), der einzelne
Begriff erhält die rechte Stelle darin durch Begriffs8beſtimmung (Definition) und
durch Begriffseintheilung. Die Definition giebt den höh eren Begriſſ an, womög=-
lich ven nä<ſthöheren, und das unterſcheidende Merkmal gerade dieſes Begriffes, 3. B. das
Rechteck iſt ein rechtwinkeliges Viere>. =- Beim Unterrichte der Jugend kommt es weniger
darauf an, ob die Begriffsbeſtimmung ganz erſchöpfend iſt ; aber hinſichtlich der Richtigkeit
kann der Lehrer nicht ſtreng genug gegen ſich ſelbſt und ſeine Zöglinge ſein. = Viel zu
wenig beachtet wird im Allgemeinen die Eintheilung der Begriſſe, dann darf man ſich
wahrhaftig nicht über Unklarheit und Verworrenheit der Begriffe bei den Schülern wundern.
Man halte ſtreng darauf, daß bei jeder Eintheilung der Eintheilung8grund ausdrüc-
lich angegeben werde, 3. B. nach der Raſſe werden die Menſchen eingetheilt in Kaufkaſier,
Mongolen u. ſ. w., nach dem Geſchle wiſſenhaft, verſchiedene Eintheilung8gründe durcheinanderzu werfen, z.B.
die Verba find 1) intranſitive , 2) tranſitive, 3) unperſönliche (impersonalia). Das eine
Mal bildet das Vorhandenſein eines näheren Objectes8, das andere Mal die Beſtimmtheit
des Subjecte8 den Eintheilung8grund. Ferner vermeide man die Unterarten auf gleiche
Stufe mit den Hauptarten zu ſeßen, z. B. die Verba reflexiva neben den Ver-
bi8 tranſitivi8, die Umlaute neben den Vocalen, aufzuführen, oder von Pro-
teſtanten, Katholiken, Juden und Heiden zu ſprechen, ſtatt von Chriſten, Juden 26. Natür-
lich iſt das Kind nicht mit abſtracten Definitionen und ſchwierigen Eintheilungen zu peini-
gen; wo aber dergleichen vorkommt, iſt es gründlich dur Beihülfe. Dieſe iſt nöthig bei der Geſammterziehung des Kindes wegen deſſen großer
Hülfsbedürftigkeit. Kein Geſchöpf kommt ſchwächer, hülfsbedürftiger auf die Welt als der
Menſch. Wie ſollte das neugeborene Kind phyſiſch, intellectuell und moraliſch gedeihen können
ohne ſofortige fräftige Unterſtüßung und Fürſorge ſeiner Aeltern und Pfleger? Auch dauert
es beim Menſchen eine geraume Spanne Zeit, ehe er dahin gelangt, ſein eigener Erzieher
ſein zu können. Aus Naturnothwendigkeit nehmen ſich daher Erzieher (Aeltern und Lehrer)
des Kindes an, denen Gott zur Sicherſtellung des Erziehung3zweckes die treibende Kraft der
Liebe ſchenkte. Sie müſſen ſich zum Kinde herablaſſen, den Zögling herauſziehen, erziehen,
daher ſie denn auch Erzieher genannt werden. Die Größe der erziehenden Liebe haben
wir ſchon oft an Müttern geſchaut, bewundert und geprieſen ; dankend ſteht uns das Bild
unſerer eigenen Mutter vor Augen, wie die Mutter alle Bedürfniſſe ihres Kindes zu er-
lauſchen ſich bemüht und wie ſie mit aller ihrer Einſicht, Kraft, Erfahrung, Selbſtentjagung
und Anſtrengung dieſelben zu befriedigen ſucht. Dieſe Liebe ſchärft auch den Blik für das,
was dem zu Erziehenden Noth thut, ſie giebt nicht bloß Kraft, ſondern auch Weisheit zur

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