108 Privaterziehungsanfſtalt = Priväatſeminare |
lehrer dur< Seminare, die Predigtamt8-Candidaten in der Fertigkeit methodiſcher Entwicke-,
lung der Begriffe und gemeinfaßlicher Erklärungen und Vorträge oft in einem hohen
Grade hinter den Scullehrern zurückſtehen", daß dieſelben darum vor dem zweiten Examen
an einem Seminare 6--8 Wochen lang dem Unterrichte in den Uebungen der Semina-
riſten beiwohnen ſollten. Außer den Local-Aufſicht8-Behörden giebt e8 in den älteren Pro»-
vinzen Kreis = Auſſicht3behörden , bei welchen die Superintendenten oder die katholiſchen
Dekane (Erzprieſter) Kreisſchmlinſpectoren ſind, Auch in Betreff der Schulaufſicht bedarf es
dringend der Regelung durch ein Schulgeſeß.
Privaterziehungsanſtalt, |. Penſionat.
Privatlehrer, |, Hauslehrer.
Privatpatronat. Das Privatpatronat iſt in neuerer Zeit in Oeſterreich gänzlich ab-
geſc jchränkterer Weiſe al3 früher, in Gebrauch ; doch mehren ſich auch hier die Stimmen für
gejekliche Aufhebung desſelben. So wurde auf dem Gothaiſchen Landtage dieſe Aufhebung
nur in Folge des Widexſpruches der Regirung abgelehnt. Auch die Landes8ſynode des
K. Sachſen beabſichtigt gänzliche Beſeitigung des Privatpatronate8 und wenn dieſelbe au <
vorläuſig nur für geiſtliche Aemter gelten ſoll, ſo würde doch nach Annahme der Anträge
der Synode da8 Privatpatronat auß für die Schule in kurzer Zeit fallen müjjen. Im
Uebrigen |. Beſeßung3recht,
Privatſchulen ſind Schulen, welche von Privatperjonen errichtet und unterhalten
werden, oder, nach der officiellen preußiſchen Erklärung, ſolche , zu deren fortdauernder
Unterhaltung keine Verpflichtung beſteht. In Oeſterreich gehören nach den Beſtimmungen
des Sculgeſeßes von 1869 auch die Schulen, welche von der confeſſionelleu Minderheit
einer politiſchen Gemeinde neben der Ortsſchule errichtet werden , zu den Privatſchulen,
während ſolchen anderwärts (in Preußen, Sachſen u. ſ. w.) der Charakter der öffentlichen
zukommt. Die Privatſchulen werden entweder auf Rechnung ihres Schulvorſteher3 (Sul
directors) geführt, oder von einer Anzahl Familien gehalten , in welchem Falle ſit meiſt
nur den Kindern dieſer offen ſtehen (Sammelſchulen) ; oder ſie werden von Vereinen, be-
jonders8 Wohlthätigkeit8vereinen, in'8 Leben gerufen und ſind dann meiſt Freiſchulen. Die Er-
richtung, reſp. Leitung einer Privaiſchule iſt in manchen Ländern (z. B. Oldenburg) einem
„Zeden geſtattet, welcher die Befähigung zur Verwaltung eines ſelbſtändigen Lehramtes nachweiſen
kann; an anderen Orten muß ſich ein Solcher außerdem noch einer beſonderen Prüfung unter-
ziehen ; noc eine beſondere Conceſſion , welche die Behörde nur auf Widerruf und nur dann ertheilt,
wenn das Bedürfniß einer ſolchen Schule ſich geltend macht. == Das Schulziel einer
Privatſchule muß dem einer öffentlichen Schule, welche ihr der Art nach gleichfommt, min-
deſtens gleichſtehen ; das Intereſſe des Unternehmers wird in den meiſten Fällen ein etwas
erhöhles Ziel jſordern. Jn Betreff ihrer inneren Einrichtung muß ihr eine größere Freiheit
geſtattet werden, als der öffentlichen ; dagegen iſt, eine ſtrenge Beaufſichtigung von Seiten
des Staates (der Schulbehörden) um ſo nöthiger als die Gefahr nahe liegt, daß ſolche
Anſtalten nicht immer in erſter Linie nach pädagogiſchen Grundſäßen geleitet werden. Die
Privatſchulen gänzlich aufzuheben , wofür fich in neuerer Zeit mehrfache Stimmen ausge-
jprochen haben, dürfte weder gerechtfertigt, noch unter den gegenwärtigen ſocialen Zuſtänden
rathjam jein. Die meiſten heilſamen Reformen des Exziehung3= und Unterricht8weſens
ſind aus Privatanſtalten hervorgegangen und ſchon um des pädagogiſchen Fortſchrittes
willen iſt es wünſchens3werth, daß ſie, wenn auch in beſchränkter Anzahl, fortbeſtehen bleiben.
Privaiſeminare beſtehen in unſerer Zeit nur des Lehrermangels wegen. Sie können
mit den vom Staate unterhaltenen Lehrerbildungsanſtalten durchaus nicht concuriren over
rivaliſiren, da an ihnen meiſt nur Eine Kraft für die geſammte wiſſenſhaftliche und prak-
tijche Ausbildung vorhanden iſt, und da fie nicht im Stande ſind, die nöthigen Bildungs-
mittel (Bibliothek, Sammlungen von Naturalien, phyſikaliſchen Apparaten u. ſ. w.) in ſo
ausgedehntem Maße, wie dieſe zu erringen. Meiſt beſtehen ſie nux aus wenigen Schü-
lern, die im Hauſe des Lehrer3 wohnen oder auch außerhalb desſelben eingemiethet ſind.
Vielfach ſind ſie eine Zufluchtsſtätte für Schüler, die in Staatsſeminarien (wohl auch

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