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in „anderen Anſtalten), ſei e8 aus ſittlicher, ſei e8 aus anderer Beziehung nicht mit fortge- n
kommen ſind. Nicht zu leugnen iſt, daß in ihnen noh Mancher gerettet und zum brauch= -
baren Lehrer gebildet wurde, der auf anderem Wege dies Ziel nicht hätte erreichen können
und daß wegen der geringen Anzahl der Schüler dem Einzelnen vielfach mehr Gelegen-
heit zu anhaltender und mannigfach praktiſcher Uehung als in anderen Lehrerbildung3-
anſtalten geboten wurde. Troß alledem müſſen wir ſie nur als Nothanſtalten bezeichnen,
während ihnen noch zu Zeiten eines Dinter und Anderer viel höherer Werth beizumeſſen
war. Einzelne Privatſeminare , wie das Nebenſeminar zu Grimma in Sachſen , nehmen
auch, beſonders wenn ihnen, wie dieſem, Staatsunterſtüßung zufließt, einen größeren Um=
fang an. Das genannte hat den Zweck, ältere Leute von nachgewieſener Sittlichkeit, die
jich in ihrem Berufe unbefriedigt fühlen und den Drang ſpüren, als Lehrer der Welt zU
nüßen, zum VLehrerberufe auszubilden. Es ſind aus dieſer Anſtalt ſehr tüchtige , für
ihren Beruf begeiſterte Lehrer hervorgegangen; doch dürfte wohl nicht zun verkennen ſein,
daß jol gebracht gewejen wäre. | |
Privatſtuvdium, ſ. Fortbildung des Lehrer8, Lehrbuch, Nebenbeſhäf-
tigungen.
Privatſtunden, ]. Privatunterricht und Nebenbeſchäftigung des Lehrers,
Privatnnterrichi. Er iſt in Folge der mangelhaften Dotation der Lehrerſtellen für
viele Lehrer noch ein nothwendiges Uebel (ſ. „Nebenbeſchäftigung des Lehrer3“). Auch für
den Schüler iſt er ein Uebel, das man beſſer vermeidet, wenn nicht dringende Umſtände
(allzuweite Entfernung der Schule vom Wohnorte 2c.) e8 erfordern. Gewöhnlich handelt es
Ji beim Privatunterrichte um Unterricht8gegenſtände , die in der vom Schüler beſuchten
Schule nicht gelehrt werden, namentlich auch um Muſikunterricht, auf den neuerdings viele
Aeltern zum Schaden der Geſundheit ihrer Kinder und zum Nachtheil für andere Unter»
richt3fächer allzu großen Werth legen. Muß nun auch zugegeben werden, daß die Fort-
jehritte des Schüler8 beim Privatunterrichte ſchnellere ſein können, weil der Lehrer ſich mit
weniger Schülern zugleich zu beſchäftigen hat, als in der Volksſchule, ſo iſt doch auch zU
bedenken, daß das Lernen in Gemeinſamkeit mit Anderen Vortheile bietet, die dur< die Vor-
theile des Privatunterrichtes nicht erſeßt werden können. Durch die verſchiedenen Jndivi- .
dualitäten, die in der Volks8ſchnle neben einander ſißen, erhält der Lehrer ganz ungeſucht
Veranlaſſung zu vielſeitiger Erfaſſung und Behandlung des Unterricht8gegenſtandes; der Um-
ſtand, daß ein Schüler den Lehrer nicht ſogleich verſteht, kann Urſache dazu werden, daß
die übrigen Schüler den Gegenſtand viel tiefer und klarer erfaſſen, als es wohl der Fall
gewejen wäre, wenn der Lehrer nicht Veranlaſſung gehabt hätte, den Schwachen zu Liebe
den Gegenſtand noh einmal zu behandeln, wie denn überhaupt die faljhen Antworten der
Schüler dem gewandten und einſichtigen Lehrer die beſten Handhaben für ſeine Belehrungen
ſind. Durch ſie wird der Lehrer oſt erſt über die geiſtigen Zuſtände und Thätigleiten ſeiner
Schüler aufgeklärt, über die er oft in großen Irrthümern ſich befinden würde, wenn er
lediglich jſeinen Vorausſehungen trauen wollte. Der wichtigſte Vorzug des gemeinſamen
Unterrichtes vor dem Privatunterrichte iſt ſein erziehlicher Einfluß. Und würden auch, wie
ojt geſchieht, einem Hofmeiſter oder Hauslehrer Kinder verſchiedener Familien zugleich anver-
traut, jo wäre das doc Geiſte8= und Gemüthsanlagen , wie e8 der Unterricht in Schulclaſſen gewährt. Daß der
Schüler Andere verſtehen und ertragen, daß er ſich ſelbſt in die richtige Beziehung zur
Allgemeinheit ſehen lerne, das wird der Privatunterricht viel weniger zu leiſten im
Stande ſein, als der gemeinſame.
Probe (auf die Probe ſtellen.) Jemanden auf die Probe ſtellen, heißt, ihn abſichtlich
in eine Lage führen , in welcher an ihn beſonders lebhaft die Verſuchung herantritt, den
rechten Weg zu verlaſſen und Unrecht 'zu ihun. Es iſt anerkannt, daß keine That einen
ſittlichen Werth beſißt, wenn ſie nicht aus ureigenem, freien Antriebe hervorgegangen iſt.
Das Gute, was nur aus Gewohnheit oder gar aus Zwang geſchieht, iſt werthlos ; daher
joll der Erzieher der Jugend auch nur in der früheſten Zeit durch bloße Gewöhnung und
ſtrenge Feſſellung des Willen8 das Kind zum Guten hinlenken ; je älter hingegen der Zög-

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