- Reizbarkeit = BReligionsunteriht 15
ſprechendes über Spaziergänge und Reiſen mit den Kindern giebt das Schriften :
„Sonnenſchein in der. Schule!" von A. Weilinger, Leipzig, Frieſe 1869.
Reizbarkeit, mag ſie nun körperliche oder geiſtige Urſachen haben, iſt für den Lehrer
immer eine ſehr üble Sache. Nur zu leicht wird er durch dieſelbe zu Ungerechtigkeiten und
übertrieben harte Straſen verleitet. Freilich hat fein Menſch ſich vollſtändig in ſeiner
Gewalt, aber der Erzieher, weicher fortwährend die Selbſtbeherrſchung im Munde führt,
jollte doch wenigſtens nicht gar zu grobe Verſtöße dagegen ſehen laſſen. Sehr oft iſt
Auſgabe manche Nebenbeſchäftigung , Ruhe und Zurückgezogenheit nac) den Stunden des
BVeruſe8, Zerſtreuung in Ferien, beſonder8 Fußreiſen, ein Hauptmittel, die übergroße Reiz-
barkeit zu mindern. Die Reizbarkeit bei den Schülern hat der Lehrer wohl zu beachten,
einerjeit8 zu ſchonen, andererſeit8 aber auch, ſoviel er kann, zu mindern. Namentlich
werde die gefliſſentliche Neizung, eine8 leicht erregten Zöglinge8 durch ſeine Mitſchüler, die
ihn 3. B. mit einem Spißnamen rufen, ihn an eine dumme Antwort, eine erlittene Strafe-
bis zum Neberdruſſe erinnern, vom Lehrer ernſt zurückgewieſen und im Wiederholungsfalle
empfindlich beſtraft. Der gar zu reizbare Schüler iſt als ein theilweis kranker anzuſehen
und zu behandeln und darum milder zu beurtheilen, wenn er ſeinen Principien gegenüber
zur Selbſthülfe jeine Zuſlucht genommen hat.
Reliefkarte. Eine ſolche, in erhabener Arbeit ausgeführte Karte giebt ein plaſtiſches
Bild von den Terrainverhältniſſen eine8 Landes. Dasſelbe wird um ſo genauer und
deutlicher ausfallen, je größer die Karte und je kleiner das auf derſelben dargeſtellte Stü
Erdoberfläche iſt. Dergleichen im Großen ausgeführte Kunſtwerke (aus Gyp8 oder Papier-
mache) ſind ſchon früher entworfen und dem Publikum vorgezeigt worden, 3. B. Reliefs
von Paläſtina, der Schweiz, den Alpen. Sollen größere Länder, wohl gar Erdtheile en
relief dargeſtellt werden, ſo kann dies nur mit bedeutenden Generaliſirungen geſchehen
und müſſen beſonder8 die Gebirge, damit ſie beſſer hervortreten, etwas höher angegeben
werden. Man hat nun auch mittelſt Prägedru>s Hand= und Wandkarten hergeſtellt, die
jich wegen der Taſtbarkeit beſonders für den Blindenunterricht eignen. Der von Raaz
herausgegebene Reliefatlas enthält nicht wirkliche Reliefs, ſondern auf photolithographiſchem
Wege hervorgebrachte Bilder derſelben. Die Meinungen der Fachmänner über die Brauch-
barkeit desſelben ſind zur Zeit noh getheilt. (S. Landkarten.)
Neligionsunterricht. Die einzelnen Zweige des Religions8unterrichtes ſind: Der
jyſtematiſche Religionsunterricht, in neuerer Zeit vorzug8weiſe Katechi3musunterricht genannt,
Bibliſche Geſchichte (ſ. d.), Bibelkunde (f. d.), Bibelleſen (ſ. d.), Sprucherklärung, Kirchen-
und Religion3geſchichte (ſ. d.) und Reeitiren der memorirten Bibelſprüche: und Kirchen-
lieder (j]. Spruchbuch). Da die Religion ihrem innerſten Weſen nach in dem Streben
nach Vereinigung mit Gott beſteht, ſo enthält der Unterricht in der Religion folgende drei
Stüce ; Die Lehre vom Menſchen, die Lehre von Gott und die Lehre von dem Wege und den
Mitteln, ſich mit Gott zu vereinigen. Hiervon handelt das erſte Stü> von der Beſtimmung
de38 Menſchen, jeinen Vorzügen vor den Thieren, von der Vernunft oder dem Gewiſſen, als
dem Sittengeſeße in unſerem Herzen, von den ſinnlichen Neigungen des natürlichen Men-
ſchen und von der Erziehung zur ſittlichen Freiheit. Das zweite Stück umfaßt die Lehre von
den Religionen, von Gott, ſeinem Weſen, ſeinen Eigenſchaften und Werken und ſeinem Willen
dpder dem Sittengeſeße. Das dritte Stück endlich begreift in ſich die Geſchichte de8 Reiches
Gottes, als die Geſchichte deſſen, wa8 Gott gethan hat und noch thut, um die Menſchen
zu ſich zu ziehen, die Lehre von den Gnadenmitteln und die Lehre von den leßten Dingen.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß die Ordnung dieſer Gedanken mannigfach modiſicirt werden
kann, wie dies ja auch in den verſchiedenen Religionslehrbüchern und Leitfäden auf's
Reichlichſte geſchehen iſt. Dieſer Stoff wird am Zweckmäßigſten in der Weiſe vertheilt, daß
in der Unterclaſſe von den ſämmtlichen drei Hauptſtüken da8 am Nächſten Liegende und
am Leichteſten Verſtändliche zur Behandlung kommt, und ſich der übrige Stoff in der
Mittel= und. Oberclaſſe in concentriſchen Kreiſen anſchließt. Zur Belebung des Unter-
richtes iſt es auf das Nachdrülichſte zu empfehlen, denſelben niemals lediglih an den
Text des Lehrbuches , reſp. KatechiSmus , ſondern abwechſelnd an Bibelſprüche , bibliſche
Geſchichten , Kirchenlieder , Sprichwörter oder Sentenzen claſſiſcher Dichter anzuſchließen.
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