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jungen Schweizers, endlich) der Geliebte der Frau v. Warens , auf deren Koſten er lebte
und Mathematik, Latein und die Werke von Loe, Leibniz , Malebranche , Descartes ſtu-
dirte, 1741 zog er nach Paris, wurde Secretär, dichtete Luſtſpiele und verkehrte viel
mit den parijer Philoſophen. Seit 1745 lebte er in wilder Che mit einem beſchränkten
Schenkmädchen aus Orleans ; erſt 1768 ließ er ſich mit ihr trauen. Die Kinder wurden
in's Findelhaus geſchit. Berühmt wurde Rouſſeau durch eine gekrönte Abhandlung: „Ueber
die Berderblichkeit der Bildung", ſowie durch eine zweite ; „Ueber den Grund der Uns-
gleichheit unter den Menſchen"; am Meiſten durch ſeinen „Emil“ und „Contrat 80cial“.
„S1zwiſchen führte er einen, während einer Krankheit gefaßten Entſchluß , in unabhängiger
Armuth zu leben, vier Jahre lang durch, ging nach Genf, wo er zum Calvini8mus zurück=
trat, dann wieder nach Paris, wo er in einem kleinen Gartenhauſe der Madame d'Epinay
im Walde von Montmorency lebte, von wo er, nachdem er mit der genannten Dame. und
mit Diderot zerfallen war, nach Mont Louis bei Montmorency überſiedelte. Hier vollendete
ex, in Menjc ders verbitterten ihn nun die Verfolgungen, die er, von Ort zu Ort ausgewieſen, oder mit
Verhaſtung bedroht, wegen des „Emil“ zu erdulden hatte. Er ging endlich mit Hume
nac< England, kehrte aber nach Auflöſung der kurzen Freundſchaft nach Frankreich zurü,
weilte an verſchiedenen Orten und ſtarb 1778 zu Ermenonviſle.
Rütfall iſt da8 Verfallen in denſelben Fehler, welcher bereits gerügt, beziehentlich be-
ſtraft worden iſt, z. B. ein Schüler läuft zum zweiten Male hinter die Schule. Mit Recht
jteht nun der Grundſaß feſt, den Rückfall, namentlich den wiederholten , ſtrenger zu be=-
ſtrafen, als den einfachen Fall, das erſte Vergehen. Der Grund liegt einfach in der Macht
der Selbſinachahmung , der Gewohnheit. Erziehen iſt zum großen Theile nichts Anderes
als „gewöhnen.“ Mit jedem Zuwiderhandeln, jedem Abfalle wird aber die „Gewöhnung“
unterbrochen. Folglich entſteht die Aufgabe , an Stelle der falſchen fehlerhaften Gewöhnung
die rechte „Gegengewöhnung“ zu ſehen. Der oft jo leichtſinnig gebrauchte und angewendete
Saß: „Einmal ijt keinmal" hat doch in gewiſſer Hinſicht einen ganz richtigen Sinn, näm-
lich den, daß der einzelne und einmalige Fehler verhältnißmäßig leicht verbeſſert werden
fönne, während die eingewurzelte Gewohnheit ſich nur ſchr ſchwer wieder austreiben laſſe.
Die Gegengewöhnung muß , wenn ſie dieſen Namen verdienen joll , wenigſtens um Eins,
um Cinen Fall der vorherigen falſchen Gewöhnung überlegen ſein. Hat 3. B. der Schüler
zwei Mal jeine Arbeit abgegeben und zwei Mal nicht, ſo fleht die Waage gleich, und von
einer guten Gegengewöhnung kann noch nicht die Rede jein. Crſt wenn der Schüler drei
Mal hintereinander ſeine Arbeit richtig abgegeben hat, beginnt für ihn die gute Gegen-
gewöhnung zu überwiegen. -- Ganz unpädagogiſch iſt es , für jeden Rückfall von vorn-
herein eine beſtimmte Strafe feſtſezen zu wollen; es gilt auch hier zu individualiſiren.
Rührung iſt ein gemiſchtes, theils freudiges, theils ſchmerzliches Gefühl. Es iſt ein
jicheres Zeichen von Schwäche, immer nach dem Rührenden zu verlangen, wie jentimentale
Perſonen und Zeiten. Cs iſt aber auch ziemlich wohlfeil, dieſem Verlangen zu entſprechen.
Geiſtliche z. B., welche die Technik des Rührens einmal weghaben , können e8 Tauſende
von Malen mit ſicherem Erfolge wiederholen. Lehrer werden im Ganzen ſelten in den gleichen
Fehler verfallen. Bei Entlaſſungsreden erwartet ein ziemlicher Theil des Publikums , be-
jonder3 des weiblichen, von dem Rectox ein Rührſtüc auf ein jolches aus ; wenn ſich Rührung von ſelbſt einſtellt, ſo iſt dies etwas ganz Anderes.
Dem Rührenden ängſtlich aus dem Wege zu gehen oder die plößlich entſtehende Rührung
verbergen, beziehentlich unterdrücken zu wollen, iſt auch eine (der früher erwähnten nur ent-
gegengejehte) Schwäche, vor welcher ſich der Lehrer zu hüten hat. Wenn jemand 3. B. ein
Märchen, wie Scneeweißchen (Sneewittc fann, braucht er ſich deſſen wahrlich nicht zu ſchämen. =- Ganz verfehlt iſt es, die Rührung
als eine Hauptaufgabe des Reltigion8unterrichtes oder als das Hauptziel einer ſogenannten
Strafpredigt anzuſehen.“ Strafpredigten ſollten überhaupt nicht gehalten werden, da nur
kurze nachdrücliche Ermahnungen von Wirkung auf die Jugend ſind.
Nußland, ſ. Anhang.
Ruthe, |. Körperliche Strafen.

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