- Shuljahr un | Shulleben ooÖÜUü
der Pädagogik." In neterer Zeit fangen: auch die Schulgrammatiken an, auf die Ergeb-
niſſe der neueren Sprachwiſſenſhaft Rückſicht zu nehmen; an die Stelle einer einſeitig lo»
giſchen Betrachtung der Sprache tritt mit Recht immermehr die hiſtoriſche Betrachtung, ſo
z. B. ini den beſonders empfehlenswerthen Grammatiken für Volksſchulen von Engelien und
Paniß. Die Mundart, deren Berückſichtigung in der Volksſchule eben ſo nöthig, wie für
die Erfolge des Sprachnmnterrichtes nußbringend iſt (f. Mundart), hat in der deutſchen
Sculgrammatik nod) feine8weg38 genügende Berüdſichtigung gefunden. Freilich müßte es
in Folge dieſer Forderung ſür verſchiedene Landſchaften auch verſchiedene Schulgrammatiken
der deutſchen Sprache geben. Es müßte das ebenſowohl zu erreichen ſein, wie die jekt
vorhandenen verſchiedenen Heimath8kunden für verſchiedene Landſchaften.
Schuljahr. Unter Schuljahr verſieht man einen ungefähr die Zeit eine8 Jahres um=
faſſenden Abſchnitt der Schulzeit, welcher in Beziehung auf den Unterricht ein zuſammen-
hängendes Ganze bildet. In Rußland beginnt das Schuljahr mit dem bürgerlichen Jahre,
doch dürfte dieſer Anfang ſchon aus Rücdſicht auf die neuauſzunehmenden Elementarſchüler
ein unzwedmäßiger ſein. Hauptſächlich wohl aus dieſem Grunde beginnt daher in Deutſch-
land und den meiſten anderen Ländern das Schuljahr entweder im Frühjahre oder im
Herbſte, jo daß es in eine Sommer= und Winterhälſte zerfällt. Welcher Zeitpunkt von dieſen
beiden der zwechmäßigere ſei, darüber iſt ſchon mehrfach geſtritten worden.. Leugnen läßt
fich freilich nicht, daß die Lebensweiſe und die örtlichen Verhältniſſe manchen Gegenden, z. B.
am Rhein und zum Theil auch in Süddeutſchland, einen Anfang des Schuljahres im Herbſte
geeigneter erſcheinen laſſen, als den anderwärt8 gebräuchlichen Oſtertermin. Andererſeits
dürfte es aber bei dem fortwährend ſteigenden Verkehre und bei dem in Folge der ſocialen
Verhältniſſe immer bedeutender werdenden Wohnung3wechſel höchſt zwe>mäßig ſein, wenn
der ſo mancherlei Störungen mit ſich führende verſchiedene Beginn des Schuljahres be
jeitigt würde. Und dann würde der Anſang zur Oſterzeit, obwohl er Ungleichheiten in die
Dauer der Schuljahre bringt, doch der richtigere ſein. Denn erſtens iſt für die Elementar-
ſchüler -das Sommerhalbjahr , das günſtiges Wetter und mehr freie Zeit bringt, als An=-
ſang unbeding! beſſer, al3 das Winterhalbjahr; und zweitens iſt e3 für jede8 einzelne Schul-
jahr, ganz beſonders aber für das letzte, in Bezug auf Erfolg des Unterrichtes unleugbar
vortheilhafter, wenn die arbeit8reichere Zeit am Ende desſelben liegt,
Schulleben. Das Leben in der Schule wird = und zwar nicht von den ſchlechteſten
Lehrern = gern mit dem Leben in der Familie verglichen. Dieſer Vergleich iſt, ſo viel
Richtiges ihm auch zu Grunde liegen mag, doch nicht ganz richtig. Man verſteht unter
Schulleben die Geſammtheit aller der Fälle, in denen die Schule weniger als Unterricht8-,
denn vielmehr als Erziehungsanſtalt ſich erweiſt, in denen nicht Wiſſen und Können, ſondern
Geſinung und Charakter der Schüler in Frage kommen. Man hat für ſolche Fälle mancher-
lei Veranſtaltungen getroffen, man hat beſtimmte Schulgeſeße entworfen ; gedruckt oder ge-
ſchrieben ſind ſie oft im Zimmer aufgehängt, man hat die Geſammtheit der Schüler in
beſondere Ganze geſchieden, hat Aufſeher u. dergl. erwählt, man hat die Schüler zu Bürgern
und Beamten einer nach römiſchem Muſter eingerichteten Republik gemacht (f. Troßendorf)
u. ]. w. ; man erwartet beſonder8 günſtige Ergebniſſe für die Charakterbildung der Schüler
von gemeinjamen Unternehmungen, von Turnfahrten, Ferienreiſen, Kinderfeſten, von gemein
ſamen Sammlungen für Unglückliche u. dergl, Das mag, von Spielereien wie die Troßen-
dorf'ſche abgeſehen, Alles recht gut ſein, aber die Hauptſachen, auf die es im Schulleben
anfommt, ſind das ebenſo wenig, wie ein Lehrer im Stande iſt oder im Stande ſein ſoll,
durchaus in der Weiſe eines Vaters oder einer Mutter mit ſeinen Schülern zu verfehren.
Der Lehrer ſteht ſeinen Schülern immerhin noh ander3 gegenüber , er iſt eben nicht nur
ihr Erzieher, wie ſehr er das auch ſein joll, ſondern auch ihr Lehrer. Das Geſchäft des
Lehrens und Lernens aber will mit einem ander8 gearteten Ernſte betrieben ſein, al8 das
Geſchäft des Erziehen8s. Der wichtigſte Factor für die Herſtellung eines muſterhaſften Schul
leben3 iſt die Perſönlichkeit Des Lehrers. Jn ihr muß der Schule ein lebendiges, verkörpertes
Geſeh und ein in allen Fällen giltiges Muſter des Lebens gegeben ſein. Des Lehrers
ſittlicher Ernſt, ſeine Conſequenz, ſeine mit Milde gepaarte Strenge, ſeine Treue im Kleinſten
Handwörterbuch f. d. Volksſchullehrer 2. Bd. 12

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