180 Squlregiment | - Sdqulregulativ
gelegenheiten einer jeden Schule beziehen und bedarf ſelbſt bei ſolchen Dingen, welche auf
das innere Gedeihen der Schule von Einſluß werden können (z. B. Anſhaſſfung von Lehr-
mitteln u. j. w.), einer Controle durch eine höhere Aufſichtöbehörde, Die bis jeht noch ſaſt
überall übliche Localſchulinſpection durch den Ortsgeiſtlihen, die ſich mehr auf den Lehrer
als die Schule bezieht, muß als überſſüſſig in Wegfall fommen. = Der Kirche ] auf den erſten Blick der größte Einfluß auf die innere Organiſation zu gebühren, da in
einer weſen vom Geiſte des Chriſtenthumes durchdrungen ſein ſoll. Da aber die Begriffe Chriſten=
thum und Kirche ſich nicht deen (f]. Kaßer, „Die Trennung der Schule von der Kir A. Richter, „Die Emancipation der Schule, |. Schule) und durch kirchlichen Einfluß leicht
das ganze Erziehungsweſen Deutſchland8 eine höchſt einſeitige und dem Geiſte der Zeit wider-
ſprechende Nichtung annehmen könnte; jo kann auch ihr nur ein beſchränktes Aufſicht3recht
zugeſtanden werden, welches jich nur auf den Neligion3unterricht, namentlich jo lange er
confeſſionell ertheilt wird , nicht abex, wie man kirchlicherſeit8 will, auf die ganze ſittlich-
religidje Erziehung erſtre>t. =- Dem Staate, als der jeht ausgebildetſten Form der menſch
lichen Geſellſchaft, der als Vertreter des Recht8principes die höchſte Autorität beſißt und
dem zugleich die größte Summe von Einſicht zu Gebote ſteht, gehört de8halb auch der
größte Antheil an der Aufſicht, beſonder3 aber die Oberaufſicht über alles Schulweſen ;
das unbeſchränkte Regiment aber de3halb nicht, weil die Ziele des Staates und der Schule
verſchiedene ſind und bei der ſchwer zu beſchränkenden Macht der Staat8gewalt die Gefahr,
vaß das Schulwejen in falſche Bahnen gelenkt werde, ebenſo nahe liegt, wie bei zu großem
Einfluſſe der Kirche. In welcher Weiſe das Regiment der Schule unter die drei Theil-
haber vertheilt und wie dasſelbe gegliedert ſein könnte, darüoer leſe man oben angezogene
Schrift von Kaßer. In der Praxis wird das Aufſichtsrecht verſchieden gehandhabt. Jn
Preußen kommt nach dem neuen Sculaufſficht8geſeße die Aufſicht über die Schule allein
dem Staate zu und alle mit Ansübung desſelben betraute Perſonen handeln im Auftrage
de3 Staate8. Schon das allgemeine Landrecht enthält eine ähnliche Beſtimmung und wird
der Mitwirkung der Kirche in keiner Weiſe gedacht. Unbewußt kam man aber in der Praxis
vem Anjpruche der Kirche dadurch entgegen, daß der Staat, wie noch jeht, die Auſſicht
nur durch Geiſtliche ausüben ließ. In Sachſen ſtrebt der neue Schulgeſezentwurf die Be-
auſſichtigung durch Fachmänner an, der Religionsunterricht ſoll aber der Aufficht der Kirche
überlaſſen bleiben. Die Localaufficht liegt dem Schulvorſtande , zu dem auch der Orts-
geiſtliche gehört, ob und erſtre>t ſich auch auf die inneren Schulangelegenheiten und das
Verhalten de8 Lehrer8 im Amte. Aehnliche Beſtimmungen enthält das Gothaiſche Schul-
gejeß ; überhaupt geht die ganze neuere Schulgeſebgebung in dieſer Nichtung vorwärts.
Sculregulativ, Shulordynug. Schulordnung oder Schulregulativ iſt eine anf Grund
allgemein geſetzlicher Beſtimmungen erlaſſene Anordnung der Regirung, welche ſich vom Schul-
gejeße hauptſächlich dadurch unterſcheidet, daß ſie mehr auf das Einzelne eingeht und ihr
die allgemein verbindliche Kraft des Geſees fehlt. Die Schulordnung hat in weiterer Aus=
führung des Sculgeſeßes die Gattungen der Schule nach ihren beſonderen Eigenthümlich-
keiten, alſo nach ihrem Ziele und den Mitteln zur Erreichung desſelben ſchärfer zu unter-
jheiden, die Localauſſichtöbehörden anzugeben und die Lehrpläne der verſchiedenen Anſtalten
(jedoch nur im Allgemeinen) aufzuſtellen. In Bezug auf die Lehrer hat ſie die ſpeciellen
Vorjehriſten über die Prüfung derſelben zu geben, die Beſchaffenheit und Größe der Dienſt-
wohnungen zu beſtimmen und die Berechnung der Naturalien beim Dienſteinkommen zu
regeln. Sie muß jedoch bei dieſer Ausführung der allgemeinen Vorſchriften bei aller Feſt-
haltung de8 Weſentlichen doch auf provincielle Verhältniſſe und Eigenthümlichkeiten mög=
lichſt Nückjicht nehmen, um die individuelle Freiheit und mit dieſer die geſundeſte Entwicke-
lung der Schule zu wahren. = Eine Localſchulordnung wird von den ſtädtiſchen Be-
hörden mit Genehmigung der Regirung aufgeſtellt und kann alle auf das Schulweſen eines
Ortes bezüglichen Details enthalten über Vertheilung de8 Lehrſtoffe8 auf die einzelnen
Claſſen, die Stundenzahl für leßtere überhaupt, als auch in Beziehung auf die einzelnen
Lehrgegenſtände, die Schülerzahl der Claſſen, die Form des Aufrücken8 und Verſeßens,
Zeit und Ordnung der öffentlichen Schulprüfungen, Zeit der Ferien, Ertheilung der Schul-

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