186 | Schulverſäumniſſe " 
Beiträge aus Kirhencaſſen, ſoweit ſie lediglich für kirchliche Dienſte geleiſtet werden, davon 
ausgenommen. Aus dieſer Caſſe ſind folgende Aus8gaben zu beſtreiten : Die Beſoldung in 
Geld ; Einkauf der Naturalien , wenn ſolche dem Lehrer geſeßlich zu entrichten ſind ; Bei- 
träge zur Lehrerpenſion3caſſe (in Preußen) ; die Erhaltung der Schulgebäude in baulichem 
Stande ; Beſtreitung der auf ihnen und den Grundſtücken laſtenden Abgaben, al8 Steuern 
und Brandverſicherung ; Ausgaben für Beſtreitung aller Unterricht3bedürfniſſe, für Heizung 
und Beleuchtung der Schullocale, hier und da auch für Reinigung derſelben und endlich 
die bei Verwaltung der Sculangelegenheiten entſtehenden Koſten. Die Verwaltung dex 
Sculcaſſe geſchieht von einem oder mehreren Mitgliedern des Ortsſchulvorſtandes unter 
Aufſiht der Schulinſpection und iſt darüber alljährlich Rechnung abzulegen , in größeren 
Zeiträumen (in Sachſen aller drei Jahre) auch an die oberſte Schulbehörde ein Bericht 
über den Beſtand des Schulvermögens einzuſenden. Da die Verwaltung genannter Caſſe 
zu den Ehrenämtern gehört, ſo hat ſie unentgeltlich zu geſchehen und nur die baaren Aus- 
lagen werden zurückerſtattet ; doch wird für Cinnahme des Schulgeldes, falls kein Mitglied 
de3 Schulvorſtande3 ſich freiwillig dazu erbietet , eine angemeſſene Entſchädigung gewährt, 
weihe jedoch nicht vom Sculgelde in Abzug gebracht werden darf. 
Sculverſaumniſſe. Zu den größten Vebeln, mit denen ein geordneter Schulunterricht 
zu kämpfen hat, gehören die Schulverſäumniſſe, d. h. das zeitweilige Ausbleiben einzelner 
Schüler an einzelnen Tagen oder auch nur von einzelnen Lectionen. Nicht nur bleibt der 
Schüler, welcher verſänmt, ganz oder doch in einzelnen Fächern zurü& oder nimmt ein nur 
lüdenhaftes Wiſſen und Können aus der Schule mit hinaus ; e8 wird dur ſol<he Ver- 
jäumniſſe, namentlich wenn ſie hänfiger eintreten, auch der Fortſchritt der ganzen Claſſe ge- 
h:mmt, weil der geordnete Gang des Unterrichtes zuweilen unterbrochen werden muß, um 
den zu jehr hervortretenden Mängeln einigermaßen abzuhelfen. Auch wird durch häufiges 
Vernachläſſigen des Schulbeſuches eine gewiſſe Nichtahtung der Schule und des Unierrichtes 
zur Schau getragen, welche durch böſes Beiſpiel für die Zucht und den ganzen Geiſt 
der Schule verderblich werden kann. Leßteres gilt ganz beſonder8 von den leichtſinnigen, 
durch feinen genügenden Grund zu rechtfertigenden Verſäumniſſen. Es verſteht ſich von 
jelbſt, daß ein Kind bei notoriſchen Krankheiten oder bei ſolcher körperlicher Beſchaffenheit, 
welche eine geiſtige Anſtrengung ohne Gefahr für die Geſundheit nicht erlaubt, die Schule 
nicht beſuchen kann ; ebenſo iſt es gewiß nicht zu mißbilligen, wenn ein Schüler bei ſchlimmen 
Krankheiten ſeiner Aeltern und Geſchwiſter zur Pflege derſelben zurückbleibt, oder bei ein- 
getretenen Todesfällen in der Familie der Beerdigung beiwohnt; denn das Kind gehört 
zur Familie und muß auch in dieſem Kreiſe frühe ſchon ernſte Pflichten üben lernen. Auch 
Verſäumniſſe, die in Folge ſchlechter Witterung und ſchlechter Wege bei großer Entfernung 
vom Schulhauje ſtattſinden, ſind wohl zu entſchuldigen, namentlich wenn ſie von jüngeren 
Kindern gemacht werden ; und wenn an manchen Orten ausdrücklich vorgeſchrieben wird, 
daß Kinder, in deren Familie anſteekende Krankheiten herxſchen, für die Dauer derſelben 
die Schule nicht beſuchen dürfen , ſo läßt ſich gegen die zum Wohle der übrigen Scul- 
kinder und zum allgemeinen Beſten angeordnete Maßregel nichts ECrhebliches einwenden. 
Allein eine ziemliche Anzahl von Schulverſäumniſſen werden entweder gar nicht, oder nur 
mit unzuläſſigen oder auch mit ſolchen Gründen entſchuldigt, welche nur in ganz beſonderen 
Füllen das Ausbleiben der Schüler rechtfertigen können. Dergleichen zweifelhafte Entſchuldi- . 
gungsgründe ſind: Verwendung der Kinder zu häuslichen Verrichtungen, Reiſen und Be=- 
juche, Familienfeſte u. ſ. w. Es laſſen ſich Fälle denken, in denen dieſe Gründe ihre volle 
Berechtigung haben, und es muß in der Hauptſache der Einſicht des Lehrers überlaſſen 
bleiben, hier die ſeine Grenzlinie zu finden; doch muß er ſich ſorgfältig hüten, hierbei in 
eine ſchlaffe Praxis oder gar in Parteilichkeit zu gerathen. Noch ſchlimmer ſind diejenigen 
Fülle, in denen erheucheltes Unwohlſein ( Sculfrankheit), gewöhnlich durch allzu große 
Zärtlichkeit der Aeltern unterſtüßt , oder der Unverſtand von Aeltern der ärmeren Volks-= 
dajjen, die ihre Kinder zum Erwerbe oder zur Bettelei benußen, oder auch jugendlicher 
Leichtſinn ohne Wiſſen der Aeltern die Urſachen der Verſäumniſſe ſind. Dieſem der Schule 
jo nochtheiligen Ausbleiben abzuhelfen, muß nicht nur das ernſte Beſtreben eines jeden 
Lehrers jein, ſondern auch von Seiten der Geſehgebung und der Schulbehörden müſſen
	        

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