2 Mäddenerziehung 
ganz gewiß aber da8 Tanzen, und [Jo ausgerüſtet erwarten die Jungſrauen den Freier, 
um als Gattin und Verſorgerin de3 Hausweſens , um al8 Mutter der Kleinen ihre Be= 
ſtimmung zu erfüllen. Wenn dies im Allgemeinen der Bildung8gang unſerer Mädchen des 
ſogenannten Mittelſtandes iſt, jo unterſcheidet ſich der der Töchter höherer Stände mur 
dadur<, daß man hier in den Stundenplan den einen oder anderen wiſſenſhaftlichen Lehr- 
gegenſtand mehr aufnimmt, außerdem noc< mehr Zeit und Muße auf Erlernung ſremder 
Sprachen, auf Aneignung gewiſſer Kunſiſertigkeiten verwendet und ſo ſchnell als möglich 
das Fräulein jalonſähig zu machen ſucht. In den niedrigſten Ständen hingegen begnügt 
fich leider der Schulunterricht nux mit dem Unentbehrlichſten , die übrige Zeit aber wird 
zum Erwerbe des täglichen Brotes verwendet. Wir ſtimmen einer Schriftſtellerin (Fr. 
v. Hillern) bei, wenn ſie ſagt: „Die Mehrzahl unſerer Frauen ſind entweder jehlichte 
Haushälterinnen, denen Nicht8 über die Intereſſen ihrer Küche und ihrer Kinderſtube geht, 
oder „glänzende Puppen, die nur Sinn haben für Geltendmachung ihrer äußeren Vorzüge. 
Von Politik, von den Intereſſen ihres Vaterlande8, von Wiſſenſchaſt und Dichtung ver- 
ſtehen ſie wenig oder Nichts, von den Künſten fordern ſie nur Unterhaltung, nicht Be- 
lehrung und Exhebung. Solche Frauen können nicht den Keim der Vaterland3liebe in 
die Herzen ihrer Söhne legen, nicht die Beſtimmung ihrer Männer theilen, noch die 
Seelen ihrer Töchter dem Shönen und Wahren öfſſnen.“ Es bedarf gewiß keines beſon- 
deren Nachweiſes, daß dieſer von uns ſkizzirte Bildung8gang, wie er im Allgemeinen ein= 
geſ<lagen wird, keine8wegs8 der geeignete oder ausreichende iſt, um das weibliche Geſchlecht 
ſeiner hohen Beſtimmung gemäß vorzubilden. Wenn wir nun oben meinten, daß der 
Beruf des Weibes ein dreifacher ſei, ſo wollen wir nicht vamit behaupten, daß eine be- 
jondere Erziehung unſerer Mädchen für jeden einzelnen Beruſ8zweig ſtattfinden müſſe. 
Wir ſind nicht der Anſicht, wie ſie neuerdings in Frankreich wiederholt aufgetaucht iſt, 
daß das weibliche Geſchlecht zur Che reſp. zur Liebe vorgebildet werden müſſe. Wir hal- 
ten dafür, daß dem völlig genügt wird, wenn das Mädchen zur wahren Weiblichkeit erzo- 
gen wird, wie wir auc fordern, daß wahre Männlichkeit das Erziehungsziel für den Knaben 
ſein muß, dann wird auch die Gattin alle ihre Pflichten gegen ihren Gatten im vollſten 
Maße zu erfüllen befähigt fein. Im Weſen der Weiblichkeit liegt auch begründet, daß das 
Mädchen für das Haus, zur Häuslichkeit erzogen werde. Damit halten wir Haushaltungs- 
funſt feine8wegs für identiſch, obgleich dieſelbe dazu gehört. Schleiermacher verglich das 
Verhältniß zwiſchen Weib und Mann mit dem zwiſchen Haus und Oeffentlichkeit. Und 
in der That liegt der Schwerpunkt weiblicher Thätigkeit im Hauſe, der des Mannes im 
öffentlichen Leben. Oft wird das häusliche Leben unterſchäßt, während das Gegentheil 
vom öffentlichen Leben zu ſagen ijt. Im Volksleben ſind aber häusliches wie öffentliches Leben 
gleichberechtigte Factoren und müſſen , jede8 auf ſeine Weiſe, den Inhalt nationaler Ent- 
wickelung repräſentiren. Das öffentliche Leben wurzelt im häuslichen und ſpiegelt ſich in 
demſelben wieder ab. Darum aber muß auch das Weib theilnehmen an Allem, was das 
Volk bewegt, muß Verſtändniß für alle wichtigen Fragen der Zeit, ein klares Urtheil, 
Sinn für alle3 Wahre, Gute und Schöne beſißen. Mit ſeiner Theilnahme aber hat das 
Weib in den Schranken der Sitte und des Haujes zu bleiben. Ohne geiſtige Bildung iſt 
weder die eine, noh die andere Seite der Häuslichkeit , die Haushaltungskunſt an fich, 
denfbar. Das Weib muß im Stande ſein, das Hausweſen zu erhalten, zu heben und zu 
I<müden , muß geübt jein im ernſten Arbeiten und Entſagen. In dem Zuſammenwirken 
aller ſittlichen Eigenſchaften, bei dem kein beſonderes Gewicht auf die eine oder andere 
Tüchtigkeit gelegt wird, beſteht ja das Weſen wahrer Weiblichkeit. In jeinen Briefen an 
Pjychidion über weibliche Erziehung hat CE. M. Arndt dieſelbe herrlich geſchildert. In 
Zurücgezogenheit vom äußeren Leben und in Abhängigkeit vom Manne wird das Weib 
al8 Haushälterin und Gattin im Stande ſein, dem Manne ſein Haus zu einem gern 
aufgeſuchten Daheim zu machen. = Die wichtigſte Seite des weiblichen Beruſe3 liegt aber 
in der Mütterlichkeit mit ihren ſchweren Pflichten. Eine ächt weibliche Mutter wird auch 
gewiß in den meiſten Fällen die beſte Erzieherin ihrer Kleinen ſein. Aber troß ihres rich- 
tigen Gefühles dafür meinen wir dennoch, daß gerade dieſer Beruf einer ſpeciellen Vor=- 
bereitung bedarf. Kenntniß der Kindesnatur , Verſtehen und Geſc<hi> in der Handhabung
	        

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