202 Schweiz H Shwimmen
obligatoriſch. Die oberen Claſſen unterrichten die Knaben auch in Akerbaukunde und Über
die bürgerlichen Pflichten und Rechte, die Mädchen aber in weiblichen Arbeiten und Haus8-
wirthſchaſt8kunde, Die ganze Vorbildung der Lehrex beſteht in einem zweimonatlichen
methodiſchen Curſe, Die Wahl der Lehrer geſchieht durc< den Gemeindeſchulrath, Die
Lehrergehalte ſind äußerſt gering, wie das bei dem geringen Intereſſe, welches die Be-
völferung am Schulweſen nimmt, kaum anders zu erwarten iſt. In der Hölfte der Schulen
- beträgt die Schulzeit 6-7 Monate. Primarſchulen gab es 1864 im Ganzen 461 mit
16,200 Schülern, welche von 244 Lehrern und 217 Lehrerinnen unterrichtet wurden.
22) Waadt. Unter dem Staatsrathe, welcher die Oberleitung des geſammten Schul-
wejens hat, ſtehen der Erziehungsrath, 3 Schulinſpectoren und die Gemeindeſchulcommiſſionen.
Die Primarſchule iſt für das 7. bi8 16. Jahr obligatoriſch. Für die Lehrer iſt ein drei=,
für die Lehrerinnen ein zweijähriger Seminarcurſus- vorgeſchrieben. Die Lehrer werden von
der Gemeinde angeſtellt. Die Gehalte bewegen ſich, Wohnung, Holz und Gartenland un-
gerechnet, zwäijhen 900-- 1200 Fr. Die Ruhegehalte reichen bis zu 400 Fr. Der Canton
zählte 1864 in 747 Primarſchulen ca. 29,400 Sulkinder. 23) Wallis. Die Ober-
leitung des Schulweſen8 beſorgt im Auftrage der Regirung der Erziehungsrath. Die
Aufſi die Gemeindeſ „Zahre wenigſtens für 5 Monate im Jahre verpflichtet. Die Unterricht3ziele ſind ziemlich
beſchränkt. Die Schule iſt noch ganz in den Händen des Klerus. Dex zweimonatliche
Beſuch einer Normalſchule befähigt zum Sculehalten. Tüchtige Lehrer find ſelten. Die
Gehalte ſind unauskommlich. 1865 zählte man 408 Primarſchulen mit 14,500 Schülern.
24) Neuchatel. Dem Erziehungs3departement ſteht ein Staat8rath vor. Jede Gemeinde
wählt eine Ortsſchulcommiſſion. Der Unterricht iſt vom 7. bis 16. Jahre obligatoriſch
und wird unentgeltlich ertheilt. Unter die Lehrfächer iſt auch aufgenommen Meßkunde und
Verſaſſungslehre. “ Der Schulbeſuch iſt vielfach noch ein unregelmäßiger. Für die Aus
bildung der Lehrer ſorgt ſeit 1865 die Section de p6dagogie der Akademie von Neuchatel.
Der Curjus iſt zweijährig. Für die bereits angeſtellten Lehrer und Lehrerinnen beſtehen
Wiederholungscurſe. 1865 wurden 14,770 Primarſchüler in 282 Schulen von 136 Lehrern
und 140 LBehrerinnen unterrichtet. 25) Genf. Die Oberleitung hat der Staatsrath ;
die locale Auſſicht über die Primarſchulen führt der Gemeinderath. Die Aufſicht über das
Techniſche des Unterrichtes iſt 2 Cantonalſchulinſpectoren übertragen. Der Unterricht in der
Primarſchule iſt unentgeltlich, nicht aber obligatoriſch. Die Aufnahme geſchieht vom 6. Jahre
an. Die wöchentliche Stundenzahl einer Claſſe iſt auf 30 feſtgeſeht. Den Landgemeinden
iſt die Errichtung gehobener Primarſchulen freigeſtellt; ja der Staat gewährt dazu eine
Beihülfe. Die Lehrer bilden ſich auf den höheren Schulen des Cantons vor. Die Lehr-
amt8=-Candidaten werden alljährlich durch eine Commiſſion geprüft. In den Mäd unterrichten nur Lehrerinnen. Die Lehrergehalte find von der Art, daß ſie noch immer
dringend der Aufbeſſerung bedürfen. 1865 zählte man im Canton 117 Primarſchulclaſſen
mit 5972 Kindern. -- Wer Ausführlichere3 über die einzelnen Cantone, beſonders über
die Schulgeſchichte derſelben, wiſſen will, den verweiſen wir auf das Werk, dem wir vor-
ſtehende Angaben hauptſächlich entnommen haben, nämlich Schmid'8 „Encyklopädie des ge-
jammten Erziehung8= und Unterricht8weſen8“, und außerdem noch auf dic „Pädagogiſchen
„Jahre8berichte“" von Lüben.
Schwimmen. Von allen Leibe8übungen iſt wohl das Schwimmen eine ver älteſten.
Unter den Völkern des Alterthum3 zeichneten beſonder3 die Griechen ſich als tüchtige Schwimmer
018. Schon Solon 3. B. forderte, daß die Knaben vor Allem ſchwimmen und leſen lernen
jollten ; und in Athen bezeichnete der Ausdruck: „Ex kann weder ſchwimmen noch leſen“
einen leiblich und geiſtig Ungeſchidten , einen Ungebildeten. Cbenſo war bei den Römern
die Erlernung des Schwimmen ein weſentlicher Theil des Jugendunterrichtes. De3gleichen
wurde bei den alten Deutſchen das Schwimmen von Jugend auf geübt; als beſonders
fertige Shwimmer galten unter ihnen die Franken. Noch im Mittelalter wurde das Schwimmen
für eine der wichtigſten unter den ſieben ritterlichen Fertigkeiten angeſehen ; im 16. Jahr-
hundert waren beſonder3 die Venetianer al8 tüchtige Shwimmer und Taucher berühmt.

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