218 - Sparſamkeit Din Spott > 
- Doppelte erhöht hat, ſo iſt doch die Unwiſſenheit de3 Volke3 immer noch ſehr groß; denn 
nach den leßten ſtatiſtiſchen Erhebungen konnten nur 2,414,055 Männer und 71 5,366 Frauen 
ſchreiben und leſen, während 5,034,545 Männer und 6,849,846 Frauen des Leſen3 
. und Screiben8 noh unfundig waren. 
Sparſamkeit ſteht mitten zwiſchen Verſchwendung und Geiz. Alle drei haben es mit 
der Verwendung irdiſcher Güter zu thun. Verſchwender und Geiziger ſchäßen dieſe Güter 
falſch, der eine zu gering, der andere zu hoh; nur der Sparſame verſteht ſie recht zu 
jſhäßen und daher auch re<ht anzuwenden. Er giebt nur ſoviel aus, als nöthig iſt und 
vermeidet alle unnüßen Ausgaben. Die Erziehung hat nun dafür zu ſorgen, daß auch 
dieſe Tugend Eigenthum der Kindesſeele werde, da ſie, wie überhaupt jede andere, Niemandem 
angeboren iſt. Zunächſt ſorge man für gutes Beiſpiel in Haus und Schule, damit das 
Kind ein Vorbild erhält, dem es nachfolgen kann. Doch dabei darf nicht ſtehen geblieben 
werden , ſondern es iſt auch dem Kinde Gelegenheit zu bieten, ſich nach dieſer Richtung 
hin ſelbſtthätig zu erweiſen ; denn auch hier gilt: Uebung macht den Meiſter! Sehr zu 
ainpfehlen iſt, daß das Kind veranlaßt werde, ſeine Sachen (Kleidung , Bücher u. |. w.) 
zu ſc<onen und das geſchenkte Geld in einer Sparbüchſe zu ſammeln. No<F mehr aber 
iſt zu empfehlen, dem Kinde Gelegenheit zu geben, ſich ſelbſt Etwa38 zu verdienen und von 
dem Verdienten kleine Ausgaben (Unterſtüßung von Armen 3. B.) ſelbſt beſtreiten zu müſſen. 
So führt man den Zögling von der Selbſtthätigkit zur Selbſtändigkeit. Größere aber 
ſeien herangezogen, wo e3 nur geht, in der Familie (wir denken hierbei beſonder8 an die 
arme und bürgerliche) Antheil zu nehmen an den Berathungen (die ja beſonders in kheueren 
Zeiten oder bei Unglücksfällen ſtattfinden werden und müſſen) über das Wie und Wo 
der Erſparniſſe. Die Kinder ſollen nicht jahrelang nur für ſich ſorgen laſſen, ſondern ſchon 
zeitig die Sorgen de8 Leben3 kennen und ihnen Vorſchub leiſten lernen. = Dem Unter= 
richte iſt auch zu empfehlen, daß er ſparſam ſei. Nicht zuviel Lehrgegenſtände, nicht zuviel 
Stoff, nicht zuviel Anſtrengung. Dem Lehrer aber ſei noh zugerufen: Sei ſparſam im 
Sprechen! Rede nur ſoviel, als nöthig iſt, das Andere überlaſſe den Kindern, der Kinder 
und Deinetwegen. 
Specielle Methodik. Die Methodik zerfällt in die allgemeine und ſpecielle. Erſtere 
iſt der Inbegriff der Geſehe für den Geſammtunterricht, leßtere der der Regeln für die 
einzelnen Fächer an ſich oder die Anwendung der allgemeinen Negeln auf einzelne Gebiete 
de3 Unterrichtes. Sie iſt beſjonder3 durch die Peſtalozzi-Dieſterweg*ſche Schule au8gebildet 
worden. In einzelnen Lehrfächern iſt man mit ihr (z. B. im Nechnen) ſo ziemlich zum 
Abſhluſſe gekommen, in anderen dagegen ſtehen ſich noch Gegenſäße gegenüber und iſt noh 
nicht an eine völlige Klärung zu denken, alſo für Methodiker noc<h ein Gebiet danken3- 
werther Thätigkeit vorhanden. Ebenſo gehört in das Gebiet der ſpeciellen Methodik das 
Auſſtellen beſtimmter Lehrgänge. Daß dieſe nicht für alle Zeiten gelten können , liegt in 
der Abhängigkeit der Schule vom Leben. Jede Zeit hat darin für ſich zu ſorgen und be 
müht zu jein, das Zwemäßigſte zu ſchaffen. 
Spiel, ſ. Kinderſpiel. . 
Spielſchuyle iſt meiſt nur ein anderer Name für Kindergarten , deſſen Nennung man 
enttveder aus Furcht vor den Gegnern desſelben oder auch au3 Beſcheidenheit vermied. 
Vielfach iſt dies für die Sache der Kindergärtnerei von Nußen geweſen, inſofern nämlich, 
als mehrere der betreffenden Anſtalten der Kindergärtnerei zu dienen durchaus nicht im 
Stande waren und ſind, da ſie wohl ſeine Beſchäftigungs8mittel verwenden , von Fröbel" 
Methode dagegen Nichts ſehen laſſen. 
Spielzeug, ]. Kinderſpiele. 
Spott (ſpotten) nenat man jede beißende Bemerkung über fremde Schwächen , die 
den Zwed hat, lächerlich zu machen. Nit dem Spotte iſt der Hohn eng verwandt, nur 
fommt bei diejem noch der Nebenbegriff ſtolzer Verachtung der verſpotteten Perſon hinzu. 
Beim Erziehungswerke tritt der Spott in den verſchiedenſten Formen und Beziehungen zu 
Tage. Die Schüler verſpotten zuweilen ihre Erzieher und Lehrer, oder ſie verſpotten ſich 
unter einander, oder ſie werden von ihren Erziehern verſpottet : Die erſte, ſelbſiverſtändlich 
höchſt verwerfliche, weil allen guten Erfolg der erziehlichen Bemühungen vernichtende Art
	        

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