= - Spruch“ SES -Speuihbuch „7a 
Erklärung und Beſprechung von Sprichwörtern , für die Anwendung derſelben zu Auſſah= . 
thematen der Volksſchule, ſowie Einkheilungen und Einordnungen der Sprichwörter in be- 
ſtimmte Gruppen , je nach ihrem Inhalte, ſei es nun nach den Perſonen, Gegenſtänden 
und Begriffen, von denen fie handeln, oder nach dem Werthe, der ihnen als Sittenſprüchen, | 
Klugheitsregeln oder culturgeſchichtlichen Zeugniſſen innewohnt. Gleichfalls Vortreſſliches 
über „die Benußung des Sprichwortes in der -Volköſchule bietet: „Kahle, Claudius und 
Hebel nebſt Gleichzeifigem und Gleichartigem", Berlin 1864. Eine billige Sprichwörter- 
jammlung, die ſich für die Hand de3 Lehrer3 beſonders empfiehlt, iſt : Simros, „Deutſche 
Sprichwörter“, Frankfurt , Brönner. Für den Lehrer hat das Sprichwort noch eine be- 
ſondere Bedeutung, weil e8 gerade über die Thätigkeit des Erzieher8 ſich eben ſo oft und 
gern, als eindringſih und treſſend ausſpricht. Intereſſant iſt darum für den Lehrer 
das kleine Schrifthen: „Das Kind im Sprichwort" von O. v. Reiesberg = Düringsfeld, 
Leipzig , Fries, 1864. Zu vergleichen iſt auch der Auſſaß: „Das deutſche Sprichwort 
al8 Erzieher" von Albert Richter (Cornelia, Bd. I4., S. 54 ff.) 
Spruih. Wenn in der Volkſchule von Sprüchen die Rede iſt, jo denkt man immer 
zunächſt an Sprüche aus der Bibel und das Auswendiglernen von Sprüchen beſchränkt 
ſich zumeiſt auch nur auf ſolche. Nun iſt kein Zweiſel, daß, ganz abgeſehen von den 
Sprüchen des neuen Teſtamentes, auch das alte Teſtament in ſeinen Sprüchen Vortrefſ- 
liches genug enthält, um deren Berücſichtigung beim Auswendiglernen in der Volksſchule 
zu rechtfertigen. Daneben ſollte man aber auch der volkfsthümlichen deutſchen Sprüche, [o- 
wie ausländiſche außer den hebräiſchen nicht ganz vernachläſſigen. Neben die Sprüche eines 
Salomo oder eines Jejus Sirach möchte ſich wohl manches deutſche Sprichwort, manchev 
kernige, gemüthvolle deutſche Volksſpruch ſtellen laſſen und es kann keinem Zweiſel unter 
liegen, daß, wenn auch der deutſche Spruch nicht allemal der poetiſch ſchönere, dex in 
ſeiner Faſſung werthvollere, ſo doch in der Regel der dem deutſchen Geiſte, dem deutſchen 
Denken und Empfinden angemeſſenere und verwandtere iſt. E38 kann aber, auch abgeſehen 
von dem poetiſchen Werthe eine8 Spruches, für die Löſung der nationalen Auſgabe der 
Volksſchule nicht gleichgiltig ſein, ob die vaterländiſche Literatur ſo ganz hinter eine fremd= 
ländiſche zurüctritt. Natürlich joll Ueberſezungen, wie ſie in den Sprüchen Salomos oder 
Sirach'3 vorliegen , der Eingang in die Volksſchulen nicht gewehrt werden; dann werden 
aber auch außer den hebräiſchen noch andere morgenländiſche Dichtungen, namentlich die 
indiſchen , heranzuziehen ſein. Man denke nur an die Sprüche des Bhartrihari, oder an 
die aus Hitopadeſa und Ramajana und an die Ueberſehungen eines Rückert, Höfer, Meier, 
Holßmann , Böthlingk u. A. In neuerer Zeit hat Wilhelm Fricke in ſeiner „Sittenlehre 
für confeſſionsloſe Schulen“ einen Anfang gemacht, deutſche Volksſprüche und Sentenzen 
deutſcher Dichter neben Bibelſprüchen als Memorirſtoff für die deutſche Schule zu bieten. 
Wenn man ſich mit der in dieſem Buche getroffenen Au3wahl auch keine8wegs einverſtanden 
ertlären kann, wenn man namentlich beklagen muß, daß vieles unter dem hier Gebotenen- 
allzuleicht wiegt, ſo muß doch wenigſtens die Richtigkeit und die hohe Bedeutung des in 
dem Buche Angeſtrebten anerkannt werden. 
Spruchbuch iſt eine hauptſächlich zum Zwecke des Auswendiglernens8 für die Scul- 
jugend veranſtaltete Sammlung von Bibelſprüchen. Die Grundſäße, nach welchen ein 
jolc<hes Spruchbuch abzufaſſen iſt, ſind folgende. Vor Allem darf dasſelbe keine vollſtändige 
Sammlung ſein wollen ; denn da do<h Niemand mehr im Ernſte verlangen wird, daß die 
Schüler eine Zahl von 800 Sprüchen auswendig lernen , anderentheil3 das Spruchbuch 
aber auch nicht die Stelle eines Bibelauszuges zum Zwecke der Lectiire vertreten kann, ſo 
iſt eine große Zahl von Sprüchen ganz zwecklos. C3 läßt ſich hier auch nicht einwenden, 
daß die Auswahl der zu memorirenden Sprüche dem Lehrer freigelaſſen werden ſolle; denn 
die Kunſt der Abfaſſung eines guten Schulbuches beſteht eben darin, eine gute Auswahl zu 
trefſen. Zweitens, Die in das Spruchbuch auſzunehmenden Sprüche dürfen nicht zu un- 
bedeutenden Inhaltes ſein und müſſen eine ſchöne und abgerundete ſprachliche Form haben. 
Vor Allen aber gehören diejenigen hinein, welche ſic< in dem religöſen Verkehre des 
Volkes bereits eingebürgert haben. Wenn nach einer nach dieſen Grundſäßen getroffenen 
Wahl das Spruchbuch für einzelne Materien der Lehre keinen Spruch verzeichnen kann, ſo
	        

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