230 - Stipendium Stotiern
Stimme nach künſtleriſchen Geſichtspunkten iſt eine Lebensaufgabe ; was dem Lehrer obliegt,
ſoweit er der Leiter des Geſangunterrichtes in der Schule iſt, ſiehe unter Geſang, Lite-
ratur: Merling, „Der Geſang in der Schule", Leipzig, Merſehurger, 15 Sgr.; F. L. Schubert,
„Satechi3mus der Geſanglehre", daſelbſt 9 Sgr. ; Graben-Hoffmann, „Die Pflege der Sing-
ſtimme“, Dres8den, Wienecke, 10 Sgr.
Stipendium, Jede Geldunterſtüßung, die einem Studirenden aus Staats8- oder Privat-
caſſen zufließt und die nur auf eine beſtimmte Zeit ertheilt wird, heißt „Stipendium“, ein
lateiniſcher Ausdruck, der zunächſt jo viel als Sold oder Löhnung der Soldaten bezeichnet.
Haben Privaiperſonen Stipendien gegründet, ſo werden lehtere oft nach den Perſonen ge-
nannt, 3. B. „Hohenthal'ſches Stipendium“. GErtheilt werden fie meiſt, namentlich die
Staat3-Stipendien auf den Nachweis der Bedürftigkeit hin; häufig iſt ihre Erlangung von
dem Anusgange eines Examens abhängig, das in manchen Fällen alljährlich wiederholt
wird. Zuweilen iſt der Empfänger verpflichtet, an dem Geburt3= oder Todestage des Sktiſters
das Gedähtniß desſelben in vorgeſchriebener Weiſe öffentlich zu feiern. Bei Familien-
Stipendien bedarf es nur de8 Nachweiſes der Familienangehörigkeit, um das Stipendium
zu erlangen, wenn nicht in der Urkunde noch beſondere Beſtimmungen beigefügt ſind, z. B.
daß der Cmpfänger Theologie, Medicin 2c. ſtudiren müſſe. Wie an Univerſitäten, giebt es
auch Stipendien an KHunſt= und wiſſenſchaftlichen Akademien, an Gymnaſien, Realſchulen, Semi-
narien, höheren Lehranſtalten 26. Bei Gymnaſien 2c. iſt meiſt eine beſtimmte Verwendung
des Stipendium, 3. B. zu Kleidern, Büchern u. dergl. mit vorgeſchrieben.
Stolz (ſ. Selbſtgefühl und Beſcheivenheit.) iſt nach der einen Seite etwas
eben jo Berechtigtes und Wünjc liches und Beklagenswerthes. Am Dümmſten iſt der Stolz, bei welchem man nicht begreifen
kann, worauf er denn eigentlich beruhe. Sehr unangenehm iſt ver Geldſtolz, begreiflicher
und verzeihlicher noch an Dem, welcher ſich das Geld dur< angeſtrengte Arbeit verdient hat,
unausſtehlich, wenn der Bejikh von Erbſchaft oder Zufall (Lotterie) herrührt. Der Adelſtolz
hat jeine theilweiſe . Berechtigung , ſoweit der Betreffende ein tüchtiges Mitglied einer
tüchtigen Familie iſt und dieſer auf alle Weiſe Chre zu machen ſich beſtrebt, doch artet auch
der Adelſtolz jehr leicht aus. Unter dem Lehrerſtande, welcher doch mit verſchwindenden
Ansnahmen dem Bürgerſtande angehört, finden ſich hier und da geſchworene Feinde des
Adel3, welche =- ungeſchichllich und unbillig = die guten Seiten des Adelſtolzes nicht ſehen
und nicht ſehen wollen. Der Stolz bezieht ſich endlich auch auf die eigene Begabung, Kraft
und Leiſtung. = Der ächte Erzieher, dem „Männerſtolz,“ gerade den reichſten und vor-
nehmſjten Aeltern ſeiner Zöglinge gegenüber unentbehrlich iſt, ſuche den Stolz ſeiner Zöglinge
nicht bloß zu mäßigen, ſondern zu dem edeln Stolze umzubilden, welchen jeder gute und
tüchtige Menſch haben ſollte, dem Stolze in keinem Falle eine Gemeinheit, eine Niederträch-
tigkeit zu begehen, dem Stolze, ſich nie als bloßes Mittel gebrauchen zu laſſen. Im Unter-
richte findet ſich Gelegenheit genug, zu zeigen, auf wie vergänglichen Gütern der Geldſtolz
beruht, wie wenig die Verdienſte der Vorfahren ein eigenes Verdienſt begründen =- gegen
den Adeljtolz, wie die Begabung eben ſo wenig ein Verdienſt ſei und doppelte Verpflich
tungen auferlege (]. Anlage, Genie). In dem Schüler dagegen, welcher ſich ſelbſt weg-.
wirft, der zur Gemeinheit neigt, ſuche der Erzieher den rechten Stolz, das Gefühl und
Bewußtſein der Menſchenwürde überhaupt, des eigenen Werthes8 in8beſondere auf jede nur
mögliche Weiſe zu we>en und wach zu erhalten!
Stottern iſt ein unfreiwilliges, mit einem peinlichen Gefühle der Anſtrengung für den
Sprechenden verbundenes Innehalten im Sprechen und ein unwillkürliches raſches Wieder-
holen einzelner Laute, deſſen Urſache nicht wie bein Stammeln, in dem zwiſchen Kehlkopf
und Lippen liegenden Sprechapparate, ſondern in einer regelwidrigen Reizbarkeit und Zu-
jammenziehung gewiſſer Muskeln, oder in dem durch zu große Hebung und Anſpannung
des Zwergſelles herbeigeführten momentanen Verſchluſſe der Stimmriße, over in einer Störung
der Functionen des Rückenmarkes und Gehirnes, in deren Folge die Herrſchaft des Willens
über die Sprechorgane beeinträchtigt erſcheint, zu ſuchen iſt. Vom Stammeln unterſcheidet
es fich außerdem dadurch, daß es nie beim Singen, ſondern nur beim Sprechen vorkommt,
daß der Stotterer alle Laute einzeln gut und richtig artikulirt und daß die Abhülfe nicht

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.