24 Mitſchüler u Mnemoteqnik
Mitſchüler. Unter Mitſchüler, auch) Schulkameraden, verſteht man diejenigen, welche
gleichzeitig eine Schulanſtalt beſuchen, ſpecieller gefaßt die Genoſſen einer und derſelben
Shulclaſſe, Dieſelben ſtehen gewöhnlich auf einer Alteröſtufe , doch iſt dies nicht immer
unbedingt nöthig, Wohl aber ſollen ſie ſtet8 gleichen Bildung8grad mit einander gemein
haben. Nur ſeltener , beiſpielweiſe im Privatunterrichte, wohl anch in den ſogenannten
einz und zweiclaſſigen Volksſchulen, ſind die Mitſchüler oder Claſſengenoſſen , wie im
Alter, jo an Leiſtungsfähigkeit völlig verſchieden, jedoch nie ohne den fühlbarſten Nachkheil
für das Gedeihen der Anſtalt und das Vorwärt8kommen des einzelnen Zöglinges. In allen
Füllen aber ſollen ſich Mitſchüler ihrer Zuſammengehörigkeit, hervorgehend aus dem gemeinſam
vorgeſtedten Ziele, klar bewußt ſein und dieſes Bewußtſein auch in ihrem Denken, Reden und
Handeln beweijen. Wie die Bürger eine8 Staates, ſo ſollen ſie ſich einem Geſeße gemeinſam
beugen und gegenſeitig auf Beobachtung der feſtgeſehten Ordnung halten , den Zuwider-
handelnden ermahnen und warnen, in einzelnen Fällen wohl auch zur Anzeige bringen,
nie aber es zu gemeinen Klatſchereien und Angebereien kommen laſſen. Vielmehr ſollen
jim Mitjchüler gegenjeitig in Liebe tragen, entſchuldigen und einen löblichen Gemeingeiſt
zeigen. Daß dieſer nicht in verwerfliches Complotiren ausarten, und daß der gegenjeitige
Beiſtand bei Fertigung der Schulaufgaben nicht in Hintergehung und Betrug dem Lehrer
gegenüber dürje übergehen, iſt bereit8 bei Behandlung der betreffenden Ausſchreitungen
näher erläutert worden. Wenn Mitſchüler in der rechten Weiſe mit einander verkehren,
jv entwitfelt ſich aus der Schulkameradſchaft oft eine FUgendſreundſc feſter Art, daß ſie nicht ſelten bi8 in's reifere Alter nachhaltig bleibi.
Mittelſchulen (mittlere Schulen) heißen: 1) die zwiſchen den Volk8= und den
Hochj land und Deſterreich); 2) die zwiſchen dieſen leßteren und den Volksſchulen liegenden
höheren Stadt= und Bürgerſchulen (mehr in Norddeutſchland) ; häufig auch die nicht an
einem Kirc Mnemotechnik (Mnemonik, Gedächtnißkunſt) iſt die Kunſt, durch gewiſſe
Mittel das Gedächtniß zu unterſtüßen. Sie iſt jedenfalls, inſofern fie eine rein individuelle
Methode verfolgt, jo alt als das Menſchengeſchlecht ſelbſt und wird ganz nach Bedürfniß
no< von einem Jeden angewendet. Als ausgebildete Kunſt iſt ſie jedoch jüngeren Ux-
jprunges, Nach Cinigen joll ſie aus dem Morgenlande nach Griechenland gekommen ſein ;
nah Anderen war ihr Erfinder der Dichter Simonides , nach no< Anderen dex Sophiſt
Lippias. Am Beſten ſoll ſie Metrodor geübt haben, von dem man erzählte, das er Alles
wörtlich wieder herjagen konnte, was er hörte. Bei den Römern war ſie beſonder3 zu
Cicero's Zeiten bekannt, gerieth aber ſehr bald wieder in Verfall. Auch bei den modernen
Völkern iſt ſie von Zeit zu Zeit aufgetaucht, auch jeht bemächtig ſich wohl der Eine oder
Andere ihrer, um ſie marktſchreieriſch anzupreiſen, ohne bei ſeinen Zeitgenoſſen ausgedehnten
und ausdauernden Anklang zu finden, was jedenfalls daher kommt, daß ſie nicht Das
leiſtet, was man von ihr erwartet, nämlich daß ſie ein ſchlechtes Gedächtniß in ein gute3
umzuwandeln vermöge. Wer fich durch ſein Gedächtniß ausgezeichnet, hat dies immer der
Natur oder Uebung oder beiden zugleich zu danken gehabt. Die Mnemotechnik hat mehrere
Methoden, von denen ſich jede nur auf eine beſondere Art von Gedächtnißſachen beſchränft ;
jolche ſind 3. B. die Topologie, vermöge welcher man ſeine Gedanken an räumliche Gegen-
ſtände anknüpft und durch den Ort ſich an dieſelben erinnert, und die Symbolik, welche
vermittelſt Bilder, die man ſich einprägt, das Feſthalten der Gedanken bewirken will,
Lehtere iſt oft auf jo unnatürliche Abwege gerathen, daß Kant ſagen konnte, das Meiſte
lauje bei ihr auf Albernheiten hinaus und diene dem Verſtande mehr zum Nach- als zum
Vortheile, und in dem Kopfe eines Wahnſinnigen könne es nicht ſchlimmer ausſehen, als
in dem eines ingeniös Memorirenden. (Dasſelbe könnte auch von der tabellariſchen Me-
thode der Scholaſtiker geſten.) Fragen wir, wie ſie ſich zur Schule zu ſtellen habe, ſo
müjſen wir ſagen, daß die Schule dieſelbe als ausgebildete Kunſt nicht aufzunehmen habe,
weil in ihr die beſte Gedächtnißkunſt in Uebung und womöglich täglicher Vebung zu be-
ſtehen hat, daß aber in Fällen, wo das Gedächtniß einer Unterſtüßung bedarf (fonſt iſt
jie ja völlig überflüſſig) und dieſe auf leichte und recht natürliche Weiſe geſchafft werden

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