..“ Theilnahme: - Thedrie Ww
- erreicht wird und bei ächt kindlichen Naturen durc< Veranſtaltungen anderer , geeigneterer.
Art viel beſſer erreicht werden könnte. Sie bedenken bei dieſer Sorge für Beluſtigung
ihrer Kinder nicht, wie leicht ſie ihnen damit den größten Schaden zufügen können. Der
Theaterbeſuch erzeugt meiſt falſche Anſichten und Bilder vom wirklichen Leben, beſördert
leicht Frühreife bei beiden Geſchlechtern, nährt Vorliebe für glänzenden Sein und Heuchelei,
läßt Ungezogenheiten und Zweideutigkeiten a18 erlaubt oder doh mindeſtens unſchuldig er-.
ſcheinen, bewirkt beſonder8 bei Mädchen Coquetterie und verdreht nicht ſelten das natürlich
kindliche Verhältniß zu den Aeltern, Lehrern und überhaupt älteren Perjonen , entde>t
Schwachheiten und Leidenſchaften , die dem jugendlichen Gemüthe beſſer noc< verborgen
bleiben ſollten und regt überhaupt zu ſehr zur Sinnlichkeit an. =- Auch das Theaterſpielen
der Kinder kann vom erzieheriſchen Standpunkte aus nicht empfohlen werden und zwar,
wenn die Materie des aufzuführenden Stückes denen in öffentlichen Theatern gleich kommt
aus den ſchon oben angegebenen Gründen. Allein, auch wenn der Stoff auf's Sorg-
fältigſte geſichtet iſt, hat das Theaterſpielen der Kinder vor einem größeren Publikum ſeine
entſchiedenen Schattenſeiten , da es die Kinder aus ihrer Sphäre heraus reißt, in Rollen
der Erwachſenen hinein verſeßt und dadurch jenem altklugen und vorwißzigen Gebahren
Vorſchub leiſtet, da8 die Kinder ſo unkindlich und unbeliebt macht. Desgleichen ſind
theatraliſche Aufführungen, wie alles öffentliche Auftreten von Kindern überhaupt, ein jicheres
Beförderungsmittel des Ehrgeizes, der Selbſt= und Gefallſucht. Für die Mädchenerziehung
ſind obige Bemerkungen beſonder8 beherzigenswerth. .
Theilnahme, ſ|. Mitgefühl.
Themen. Die Wahl der Themen für die ſchriftlichen Arbeiten der Schüler iſt aner-
kanntermaßen eine ſehr ſchwierige: Vor allen Dingen hat man ſich in der Volksſchule
vor der Wahl zu ſchwieriger Themen zu hüten. Die Kraft der Schüler wird nur zu oft
überſchäßt und namentlich wird der Reproduction viel zu wenig Raum geſtattet. (S. Aufſaß.)
Gutes Material an Aufſaßthemen für die Volksſchule bieten: Engelien, „Sammlung von
Muſterauffäßen“ (Berlin, Schulße); L. Rudolph, „Praktiſches Handbuch für den Unter-
richt in deutſchen Stilübungen“, Vier Abtheilungen (Berlin, Nicolai). Von leßterem Buche
werden nur die erſten Abtheilungen in der Volks3ſchule gebraucht werden können. Ferner :
Tſchac Theorie gilt als der Gegenſaß zur „Praxis“. Theorie iſt die Kunſtlehre, Praxis die
Kunſtausübung (Kunſt im weiteſten Sinne genommen, ſv daß die näüßliche Kunſt mit herein
gerechnet wird). Die Theorie iſt um der Praxis willen da, nicht umgekehrt. Doch hat
auch die Theorie eine gewiſſe ſelbſtändige Bedeutung, als Theil der Einen Wiſſenſchaft.
Ohne jede Kenntniß der Praxis hat die Theorie keinen oder doch nur einen ſehr zweifel=
haften Werth. Aber auch die Praxis iſt ganz ohne Theorie nicht möglich ; Gewiſſe Kennts-
niſſe, „Vortelchen“, ſind auch bei der einfachſten Handarbeit unentbehrlich. Die Praxis
wird durch die rechte Theorie vertieft, gehoben, geweiht und verklärt. Die Theorie wird
durc< die Praxis bereichert, vervollſtändigt, berichtigt und zu neuen Forſchungen angeregt.
Das höchſte Jdeal bleibt die vollkommene Durchdringung von Theorie und Praxis. In
der Wirklichkeit freilich werden die Praktiker immer die große Mehrheit, die Theoretiker die
kleine Minderheit bilden, und es iſt ſo wohl auch beſſer, al8 wenn das Gegentheil ſtatt-
fände. Die menſchliche Beſchränktheit geſtattet nur wenigen Auserleſenen, in Beiden vor-
züglich zu ſein. Daher iſt man im Allgemeinen mit Recht gegen die Praxis eines berühmten
Theoretiker3 mißtrauiſch. Sowohl Peſtalozzi als Fröbel ließen als Praktiker jo Manches
zu wünſchen übrig. Die Pädagogik iſt gar nicht8 Anderes al3 die Theorie (die Kunſtlehre)
der Erziehungskunſt. Dieſelbe theilt mit der Politik die unendliche Bielſeitigkeit des zu
behandelnden Gegenſtande3, des concereten Menſchen, was natürlich die Theorie wie die
Praxi8 gewaltig erſchwert. Durch bloße Theorie kann Niemand ein auch nur leidlicher
Erzieher werden : die Praxis, die Uebung iſt ganz unerläßlich. Die beſte Vorübung be-
ſteht darin, daß der künftige Erzieher ſchon kleinere Geſchwiſter mit erzogen hat. An jedem
Seminare befindet ſich mit Recht eine Uebungsſchule, auch an Univerſitäten beginnt man,
dergleichen zu gründen. Ohne Studium der Pädagogif wird aber auch auf der anderen Seite
ſelten ein hervorragender Erzieher oder Lehrer ſich entwickeln. Der gewiſſenhafte Erzieher

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