Wfſm oo H Toleranz 249.
der Sammler „mit ſeinem Sammeln einen wirklich höheren Zwe verfolgt, e8 nicht in Spielerei.
und Zeitvergeudung aunsarten läßt. Nicht genug iſt den Familien (vielleicht wird man es
auch bald in der Schule thun!) zu empfehlen, die Freude an der Thierwelt durch ein
Aquarium, beſtehe dasſelbe auch nur aus einem größeren Glaſe , zu befördern. Trokdem
durd) Unterhaltung8= und Belehrungsblätter, dureh Schnlbücher, Thierſchußvereine u. |. w.
vielfach für beſjere Erkfenntniß und Behandlung ver Thierwelt geſorgt wird, empfehlen wir
dod< dem VNolkslehrer ganz beſonder8 zum Studium eine ſchlichte und billige, aber ganz
vortreffliche Schrift des verdienten Dr. Gloger: „Die nüßlichſten Freunde der Land= und
Forſtwirthſchaft unter den Thieren" und Karl Vogt'8 „Vorträge über verkannte und ver-
leumdete Thiere.“
Zieſſinn, |. Scharfſinn.
Tüchterſchule. Seit in vornehmeren Kreiſen Mode geworden iſt, unter „Mädchen“
nur den Dienſtboten zu verſtehen, den eigenen weiblichen Sprößling aber mit dem Namen
„Tochter“ zu bezeichnen, iſt auch der Name „Töchterſchule“ aufgekommen. Faſt immer iſt
darunter eine Anſlalt für die Mädchen aus den beſſeren Ständen zu verſtehen. Dieſe
Anſtalten gehören der neueren Zeit an. Gegen den Namen „höhere Töchterſchule“, der
jeit 1774 von Zürich aus in Umlauf gebracht worden iſt, wandte ſich ſchon Jahn in
jeinem deutſchen Volk8thum. Die Töchterſchule hat dieſelbe Aufgabe wie die Mädchen-
(Volk8=) Schule, nur daß hier noc< Rüdſicht auf die Zirkel, in welchen die Töchter der
höheren Stände leben und ſich bewegen ſollen, genommen wird. Darum wird eine höhere
intellectuelle und äſthetiſche Ausbildung des Geiſte8 erſtrebt. Wenn auch in den niederen
und mittleren Claſſen die „höhere Töchterſchule“ ſich von der „Mädchenſchule“ nicht oder
nur wenig unterſcheiden wird, ſo doh in den oberen Claſſen ſowohl durch Aufnahme neuer
Lehrobjecte zu den Üblichen, als auch durch die gründlichere, wiſſenſchaftlichere Behandlung
der zu lehrenden Fächer. Fremde Sprachen , gewöhnlich Franzöſiſch und Engliſch (im
Mittelalter erlernten die Töchter der Vornehmen in der Regel Lateiniſch, wohl auch Griechiſch),
Mythologie, Literatur, Kunſtgeſchichte, Unterweiſung in den feineren weiblichen Handarbeiten
ſinden wir in den Lectionsplan der „höheren Töchterſchulen“" aufgenommen. Das übliche
Schulgeld wechſelt in der Höhe von 1--8 Thlr. monatlich, in Wien bis 15 Gld. Vis-
weilen ſind derartige Schulanſtalten mit Lehrerinnenſeminaxen verbunden. Wir begnügen
uns mit dieſen kurzen Bemerkungen und verweiſen im Uebrigen auf die Artikel „Mäd erziehung“ , „Mädcheninſtitut “, „Mädchenſchulen“. =- Literatur (ſoweit in den ebengenannten
Artikeln dieſelbe nicht bereit3 erwähnt worden iſt) : J. Paul, „Lewana“ ; Schwarz, J. H. Chr.,
„Grundſäße der Töchtererziehung für die Gebildeten“, Jena 1836 ; Lüben, „Jahre3berichte“ ;
3. H. Meier, „Ueber weibliche Bildung durch öffentliche Anſtalten“, Lübe> 1826 ; A. Meier,
„ Der Zeichenunterricht in Töchterſchulen als wichtiges Bildungsmittel für die Geſammts=
erziehung", 1842 ; Derſelbe, „Die Behandlung unſerer Mutterſprache in Bildungsanſtalten
für Töchter von höheren Ständen“, Lübe> 1846; Derſelbe, „Unſere Schulgemeinde“, 2..und
4. Theil, Lübe> 1869; Stoa, „Zeitſchrift für die Intereſſen der Töchterſchule“, heraus=
gegeben von Hermes, Berlin, 2 Thir. ; „Vierteljahrsſchrift für höhere Töchterſchulen“ , heraus=
. gegeben von Dr. Prowe und Dr. Schulße, Thorn, 2 Thlr; außerdem die Programme der
höheren Töchterſchulen in Frankfurt a. M. (Kühner), Seine>e in Hannover, Spielle>e u.
Bormann in Berlin, Schornſtein in Etberfeld, Merget in Berlin u. A.
Zoleranz. Man verſteht darunter im engeren Sinne die den Religions8geſellſchaften der
Minorität eine8 Staates gewährte Erlaubniß freier Religion8übung, im weiteren Sinne aber
die Duldung abweichender religiöſer Ueberzeugungen. Die Pädagogik hat e8 nur mit dem
leßzteren Begriffe zu thun, und zwar ſieht dieſelbe die Toleranz als eine Pflicht an, zu deren
Beobachtung der Zögling ſchon aus Rücſicht auf das allgemeine Erziehungsprincip zu ge=
wöhnen iſt. Derſelbe iſt dahin zu führen, daß er in dem Nächſten über dem Religion8=
bekenntniſſe niemal8 den Menſchen vergeſſe und daß er ihn nie zunächſt oder gar allein
nach jeinem religiöſen Glauben beurtheile., Am Meiſten wird es hierbei auf den Geiſt an=
kommen, in welchem der Religionsunterricht ertheilt wird. Iſt es der Geiſt der Liebe und
Humanität, jo iſt der confeſſionelle Unterricht der Erziehung zur Toleranz nicht weniger
günſtig als der conſeſſionsloſe. Dann wird der Lehrer bei den Haderſachen nicht ungebührlich

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