250 Trägheit - SEEN - Träumerei |
verweilen ; er wird die Gebräuche und Lehren anderer Religion8gemeinſchaſten mit Achtur
und Ehrfurcht beſprechen, anſtatt ſie lächerlich zu machen; namentlich aber wird er nic
verfehlen, den Schülern zu zeigen, daß es in allerlei Neligionen auch gute und ſromn
Menſc die in Aberglauben und Umwiſſenheit verſunkenen Mitchriſten und Mitbrüder mur un)
Bedauern verdienen.
Trügheit iſt die Neigung zu langſamem Bewegen und. Handeln. Sie kann ihre N
ſache in dem Mangel an Lebendigkeit der Anlagen haben. Iſt dies der Fall, jo wird o
(3. B. bei Blödſinnigen) keine Abhülfe möglich ſein, oftmal8 (z. B. bei Shwacſinnige!
dagegen dod) in gewiſſem Maße dur< Aufmunterung, durch den Umgang mit lebhaſtt
Kindern, durch ſtetes Halten auf ihnen angemeſſene Thätigkeit und möglichſte Begünſtigum
derjelben. Liegt die Urſache nicht hierin, ſondern in anderen Dingen, ſo kann Heilung vr
dieſem Fehler nur dadurch rationell bewirkt werden, daß man gegen dieſelben mit all
Kräften arbeitet oder, wenn möglich, dieſelben völlig vernichtet. Meiſt rührt diejer Fehl
von BVerwöhnung her, indem man von früheſter Jugend an das Kind nur nach jein
Launen handeln ließ und e8 nicht an Selbſtbezwingung gewöhnte, vielfach auch darin, dc
man dem Kinde nicht ſeinen Kräften entſprechende Beſchäftigung gewährte und jo jein
Kräſte einroſten ließ. Schwer zwar iſt es, wieder gut zu machen, was verſäumt word(«
iſt, do< nicht unmöglich ; vor allem aber iſt dabei die rechte Einſicht in den Entwickelung;
proceß der Trägheit des Individuums, Tact, Energie und Conſequenz erforderlich. Nic
verlange man im Anfange zuviel; denn aller Anfang iſt ſchwer ; aber man gebe dem Kini
re zu frönen, zu erarbeiten. Nur ſo wird e8 zur Gewohnheit; Uebung allein macht auch hit
den Meiſter. Ganz beſonder8 aber ſeien Leibe8übungen aller Art als treffliche Vernicht:
der Trägheit empfohlen.
Translocation, ſ. Verſeßung.
Traumerei, Sowie während de8 Schlafe8 durch einſeitige Thätigkeit gewiſſer Thei
des menſchlichen Organi8mus eigenthümliche ſeeliſche Zuſtände und Empfindungen hervo:
gebracht werden, welche ſich dur< Unklarheit, Mangel an logiſcher Verbindung und Schwei
behaltlichfeit au8zeichnen, ſo find auch im wachenden Zuſtande derartige Erſcheinungen wah
zunehmen. Man bezeichnet fie, ähnlich jenen, mit dem Worte „Träumereien“. Sie ſin
den Menſchen vorzug8weiſe eigen, bei welchen ein vorherrſchendes Gemüth8= und Gefühlt
leben zu ſinden iſt und haben ihren Grund überhaupt in einſeitiger Richtung der Seelei
thätigkeit. Kinder ſind zu Träumereien ſeltener geneigt und geben fich ihnen wohl nie hin
ſobald man ſie ihren natürlichen kindlichen Neigungen überläßt oder überhaupt richtig leite
Kommt ver Erzieher ſolchen Träumereien auf die Spur, ſo darf er regelmäßig annehmei
daß auf den kindlichen Organiömus von irgend einer Seite her ſchädigend eingewirkt worde
iſt. Man bat die Bemerkung gemacht, daß allzu ſtarke Reizung des Nervenſyſtemes, vo!
nehmlich deſjen, welche3 im Unterleibe ſeinen Siß hat, Träumereien erzeugt; damit hän(
au zuſammen, was man bei Onanie und anderen geſchlechtlichen Ueberreizungen beobacht
hat. Aber auch die Schule kann Träumereien erzeugen, wenn ſie dur< Ueberanſtrengun
und Mangel an richtiger Abwechſelung auf der einen Seite Abſpannung veranlaßt und ft
mit zu einſeitiger Thätigkeit des feineren phyſiſchen und de8 damit zuſammenhängende
pſychiſchen Organi8mus auf der anderen Seite nöthigt. Dafür liefert die Erfahrung die beſte
Belege; denn man beobachtet die Träumereien faſt nie in den erſten Unterrichtöſtunden, i
welchen alle Theile des Kinde8, Körper und Geiſt, noh gleich friſch ſind, faſt nie a
fräftigen, gleichmäßig ſtark angelegten Naturen und nie in Stunden, in welchen Unterrid
und eigene Thätigkeit den ganzen Menſchen harmoniſch in Anſpruch nehmen. Aus de!
Geſagten geht genügend hervor, wie ſich der Lehrer zu verhalten habe, um Träumer nid
aufkommen zu laſſen. 1) Er thue auch beim Unterrichten de38 Guten nicht zu viel un
gönne dem Kinde von Zeit zu Zeit die nökhigen Pauſen zur Erholung und Sammlung
2) Er ſchreite ſo langſam und ſtreng ſtufengemäß vorwärt8, daß ſelbſt die Schwachen imm«
folgen können, hüte fich auch gleichzeitig vor zu frühen Verſezungen in höhere Claſſen
3) Er laſſe ſtet8 eine heilſame Abwechſelung in den Unterricht83zweigen eintreten, vermeit

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