274 Ungeduld = | Unglaube - 
Slavonien 811,564, in der Militärgrenze 978,231 , zuſammen: 12,751,314 Seelen. 
Davon waren des Leſen3 und Screiben8 unkundig in Ungarn 51,01 , in Siebenbürgen 
78,67, in Fiume ſammt Gebiet 53,52, in Kroatien-Slavonien 84,10, in der Militärgrenze 
67,05 ?16; Da3 ſind Zahlen, die deutlich ſprechen. 
Ungeduld des Lehrer8, ſ. Geduld. 
Ungehorſam, ſj. Gehorſam. 
Ungezogenheit. Ungezogen nennt man den, welcher ungeachtet des Ginſluſſes einer 
ſyſtematiſchen Erziehung ſich ſo gebervet, als ob er ohne Erziehung auſgewachſen würe. 
Die Ungezogenheit hat aus dieſem Grunde in ihren Aeußerungen viel gemein mit der Roh=- 
heit und Ungeſchliffenheit. Sie unterſcheidet ſich jedo< von derſelben durc<, den Umſtand, 
daß ſie ni<t wie jene aus dem Mangel an erziehlihen Cinflüſſen entſtammt. Ungezogen=- 
heit findet fich daher mehr in den Schichten der Bevölkerung , die man im Allgemeinen 
al8 die cultivirten und gebildeten bezeichnet, während Rohheit in den niederen, der Geſittung 
ferner ſtehenden Ständen ſeine Hauptvertretung hat. Ungezogenheit iſt nach dieſer Dar- 
legung ihrem innerſten Weſen nach etwas Verwerſliches, weil fie mit Mißachtung eines 
beſſeren Wiſſen3, ja im äußerſten Falle ſogar mit üblem Wollen und grundſäßlichem Widexr- 
ſtreben verbunden iſt. Der Erzieher hat auf ſie ſtet8 ein wachſames Ange zu richten und 
dabei vor allen Dingen die Quellen zu beachten, aus denen ſie entſpringt. Die Ungezogen- 
heit bei Kindern läßt ſich in der Hauptſache auf zwei Urſachen zurückführen: ungezügelte, 
natürliche Lebhaftigkeit und ein irregeleitetes Chrgefühl. Nur im ſpäteren Alter tritt wohl 
anc< voc< das dritte und zwar ſchlimmſte Motiv hinzu: wirkliche Bosheit. Die Behand- 
lung des lebten Falles hängt mit dem im Artikel „Verwahrloſung“ Geſagten auf's Engſte 
zuſammen. Hier ſeien nur die erſtgenannten Quellen einer Beſprechung unterzogen, weil 
fie die Ausgangs8punkte faſt aller der Ungezogenheiten ſind, die dem Lehrer in der Schule 
begegnen. Daß ungezügelte, natürliche Lebhaſtigkeit Ungezogenheiten erzeugt, wird am Beſien 
dadurch bewieſen, daß träge, leiblich und geiſtig verkümmerte Kinder meiſt frei davon ſind. 
Sie laſſen fich willig leiten und machen in Bezug auf derartige Ausſchreitungen wenig Noth. 
Den Ungezogenheiten aus Lebhaftigkeit begegnet der Lehrer am Beſten dadurc<, daß er den 
Zügel geregelter, den Kräften angemeſſener, ernſter Thätigkeit anlegt. Träge und unbeholfene 
Lehrer tlagen für gewöhnlich am Lauteſten über ungezogene Schüler. Dieſe Wahrnehmung 
iſt ein guter Fingerzeig. Man darf den Schülern in der Schule im vollſten Sinne des 
Wortes feine Zeit zur Ungezogenheit laſſen. Eine andere Wahrnehmung aus der Erzieher= 
praxi3 iſt, daß die Knaben durchſchnittlich mehr zu Ungezogenheiten geneigt ſind als die - 
Mädchen. Dies hängt mit der Eigenthümlichkeit der Knabennatur auf'8 Innigſte zuſammen. 
Der Knabe iſt mehr zur Kraſtentwieelung angelegt als das Mädchen. Zeitig jc<on zeigt 
ſich in ihm auch dazu der Trieb, ſeine Kraft zu erproben. Er ſekt ſeine Chre darein, 
als der Kühnſte und Kräſtigſte unter ſeines Gleichen dazuſtehen. Wird dieſes Streben 
nicht dur< gute Vorbilder und ernſte Beſchäftigung veredelt und auf den rechten Punkt 
hingeleitet, ſo führt e8 gar leicht zu offenbarem Widerſtande gegen Geſeß, Ordnung und 
Autorität. Aus dem Allen geht hervor : Es giebt zwei wirkſame Mittel zur Bekämpfung 
der Ungezogenheit im Schulleben, nämlich planvolle Arbeit und gute8 Vorbild, und nur 
nach erfolgloſer Anwendung derſelben wird der geſchite Erzieher zum Aeußerſten greifen 
müſen, zur Straſe. 
Unglaube. Bei der Beurtheilung des Unglaubens in Hinſicht jeines Einflujjes auf 
das ſittliche Leben iſt der theoretiſ<e vom praktiſchen Unglauben zu unterjcheiven. Der 
erſtere iſt nur eine Verirrung des Verſtandes, aber ein Zeichen des religiöſen Denkens 
und der Beſchäftigung mit religiöſen Dingen, während der lehtere in der Rohheit des 
Gefühles und in der vom Jdealen und Ewigen abgewendeten Denkungsweiſe ſeinen Grund 
hat. Der theoretiſche Unglaube verwandelt fich in ſchweren Lebenslagen oſtmal8 in leben- 
digen Glauben ; der praktiſche Unglaube aber führt in ſolchen Fällen zum Aberglauben und 
zur Verzweiſlung. „Wer aber nicht hat, dem wird auch genommen werden, das er hat." 
Matthäi 25, 29. Cin ungläubiger Lehrer iſt natürlich, da er nicht aus der Fülle des 
Herzen3 ſprechen kann, zum Religionsunterrichte völlig untauglich. Wir wollen aber hier-
	        

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