292 Verwaltung Verwöhnen
bereit iſt, ſowie Betteln und Vagabondiren der Kinder verdient ſtrengſte Ahndung, 5) Bei
allem Ernſte in der Erziehung jedoch müſſen die Kinder in Familien wie in Schulen ſtets
die aufopfernde, helfende Liebe, die Langmuth und Geduld verſpüren, welche ihnen in den
erhabenen Lehren und Vorbildern eines den Schmerz durc gebietet. Nie aber darf durch gefühlloſe3 Benehmen, durch Kälte und Härte beim Zucht-
und Strafamte das Herz de8 Zöglinges dem Erzieher entfremdet werden. Wo wiederholte
Anwendung dieſer Mittel keinen Erfolg zeigt, da iſt die Unfähigkeit der Familie zur Heilung
dieſes Gebrechens genügend erwieſen, da kann auch die Schule nichts Weiteres beginnen,
dann bleibt nur noch die Ueberweiſung de8 Verwahrloſten an ein Beſſerungs8= und Rettung3=
haus (j. d.) und die Entfernung aus dem häuslichen Kreiſe als lehter Verſuch übrig.
Ausführlicher behandeln dieſen Gegenſtand : Dobſchall, I. G., „Ueber ſittlich verwahrloſte
Kinder“, Bre8lau ; Schwabe, „Grundzüge der Erziehung und des Unterrichtes ſittlich ver-
wahrloſter Hinder“, Cisleben ; Weiß, Chr., „Veber Beurtheilung und Behandlung verwahr-
loſter Kinder“, Halle.
Verwaltung des Amte3, ſ. Gerechtigkeit, körperliche Strafen, Lection83-
plan, Lehrer, Lehrmethode, Lob, Wachjamkeit des Lehrer38 u. viele A.
Berweis, ]. Tadel.
Verwöhnen. Das Gegentheil von guter Gewöhnung iſt die Verwöhnung. Sie äußert
fich vorzug3weite in einer fehlerhaften Richtung des Wollens und Begehrens. Man be=-
zeimnet ſie wohl auch mit dem allgemeinen Aus8drucke „Verziehung“ oder, wenn ſie ſich
jpeciell auf das Leibliche erſtre>t, durch „Verzärtelung“. Die Verwöhnung kann auf zwei-
fache Weiſe vor ſich gehen, einmal bleibt der Beeinfluſſende an und für ſich in Paſſivität.
Er überläßt den Zögling rein ſich ſelbſt, gönnt ihm und ſeiner Sinnlichkeit den freieſten
Spielraum und geſtattet ihm die ungeſtörte Hingabe an die dem natürlichen Menſchen
eigene Genußſucht, Bequemlichkeitsliebe, Trägheit, phyſiſche und geiſtige Schlaffheit, Feigheit
im Ertragen u. ]. w. Activ verwöhnt er, wenn ex ihm allerhand falſche Vorſtellungen
und Lebenöauſſaſſungen einimpft, ihm Bedürfniſſe anerzieht, die über feinem Stande und
außerhalb des Bereiches der Möglichkeit liegen, Befriedigung zu finden , eiteln, nichtigen
Dingen einen falſchen Werth beilegt, zur Modeſucht, zum Dünkel und dergleichen Dingen
anleitet, die einem gut gezogenen Menſchen fremd bleiben müſſen. Cs iſt die Verwöhnung
vorzugöweiſe ein Erziehungsſehler der Mütter, allzu große Liebe mit Schwachheit gepaart,
jind die Urjache davon , oft jedoch ſpielt auch die Eitelkeit eine bedeutende Rolle dabei.
Hübſche Kinder werden gemeiniglich leichter und öfter verwöhnt als ſolche, deren äußerer
Eindruck kein beſonder8 anziehender iſt. Aeltern, welche das Glü> begünſtigt und in kurzer
Zeit aus einer niederen Sphäre auf eine bevorzugte Stufe der Geſellſchaft gehoben hat,
ſind in großer Gefahr, ihre Kinder zu verwöhnen. Sie haben noh nicht den rechten Ein-
blid und Ueberblid über ihre neue Lage gewonnen und überſchäßen leicht ihren Werth
und ihr Glü>, was in der Kindererziehung am Erſten hervortritt. Auch ſuchen ſie nicht
ſelten ſich an dem Anblicke der Genüſſe, die ſie ihren Kindern gönnen, für die Entbehrungen
zu entſchädigen, die ſie ſich einſt auferlegen mußten. Verwöhnung iſt die Quelle mehrfacher
Uebel. Zunächſt führt fie zu einer ganz falſchen Auffaſſung der ſocialen Verhältniſſe und
zu einer ungerechtſertigten Abſchäßung der eigenen Lage, deren Folgen entweder Mißachtung
und Bedrückung der Mitmenſchen oder Sc und dem zugetheilten Looſe ſein wird. Auch in Bezug auf äußere Wohlanſtändigkeit und
jittiges Verhalten richtet die Verwöhnung Schaden an. Dies beweiſen deutlich die Familien,
in denen man ſich jowohl von ſeiten der Aeltern wie der Kinder in vornehmer Leichtfertigkeit
ergehen läßt. Ungebundenheit, die ſich bis zur Grobheit ſteigert, Unfläthigkeit in Geberden
und Manieren, . völlige Ueberhebung über Geſeß und Ordnung ſind daſelbſt alltägliche und
gutgeheißene Dinge, und ſo ſpielt freilich der Einfluß der Verwöhnung zuleßt ſiet3 vom
äußeren auf das innere Leben, vom Gebiete des Socialen auf da8 de8 Moraliſchen über.
Mit verwöhnten Kindern zu verkehren, iſt die ſchwerſte Auſgabe des Lehrer8. Nur eiſerne
Conjequenz in der Behandlung, die nie hart, wohl aber ſtreng ſein darf, und unausgeſeßte
Achtſamkeit auf die anerzogenen Schwächen, die der Abgewöhnung bedürfen, ſowie verſtande8-

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