Volksunterricht | Por= und Hächſpreßjen - 299.
Annaberg, 1845 Coburg u.-[. w. = Veber den Lehr= und Lerngehalt der Seminarien
). d. Art. über das Bollsſchulweſen der einzelnen Länder und Staaten.
Bolksunterricht, Außer dem Unterrichte der ihnen anvertrauten Jugend laſſen eich
gewiſſenhafte Lehrer, namentlich da, wo ſie neben dem Geiſtlichen faſt die einzigen Ver-
treter der Intelligenz ſind, angelegen jein, auch anf da3 erwachjene Volk einen bildenden
Einfluß auszuüben. Cinux ſolche Thätigkeit, die um ſo anerkennen8werther , als ſie ihren
Lohn meiſt uur in ſich ſelbſt und in ihren Erfolgen finden muß, äußert ſich zumeiſt in
beſonderen , für das betreffende Publikum beſtimmten und berechneten Vorträgen, in der
Verbreitung guter Preßerzeugniſſe, ſeien e8 nun Zeitſchriften oder Bücher, in der Anlegung
von Volksbibliotheken u. ſ. w. Wie richtig und einflußreich eine ſolche Thätigkeit ſein
kann, bedarf weiterer Auseinanderſeßungen nicht.
Vorbereitungsſäuien, Vorbereitungsſchulen ſind alle diejenigen Lehranſtalten, welche
ihren Schülern einen Unterricht ertheilen, der ſelbſt in den oberſten Stufen noch nicht ab-
geſchloſſen ſein, ſondern auf einer höheren Unterrichtsanſtalt fortgeſeßt werden ſoll. Im
engſten Sinne bezeichnet man damit Anſkalten, die ihre Zöglinge lediglich zur Aufnahme
im eine beſtimmte Fachſchule (3. B. Lehrerſeminar u. A.), oder zum Beſtehen einer be-
jonderen Prüfung (für einjährigen Militärdienſt u. dergl.) tüchtig machen wollen.
Vorſchriften, kalligraphiſ ſein Schreibebuch vor, was natürlicherweiſe ſehr zeitraubend war, und auch nicht immer
kalligraphiſch ſchön ausfiel. Cin offenbarer Fortſchritt zum Veſſeren war es darum , als
man dem Schüler kalligraphiſche Vorſchriften oder Vorlegeblätter gab. Jedoch auch von
diejem Verfahren kommt man jeht mehr und mehr ab, und man iſt gegenwärtig für eine
möglichſte Entfernung der Vorlagen aus dem Schreibunterrichte, weil man erkannt hat,
daß jie ſür die richtige Darſtellung der Schrift von ganz untergeordnetem Werthe, ja ſogar
ein Hinderniß ſind, indem die Schüler gewöhnlich die Vorſchrift Zeile für Zeile durchleſen
und dann aus dem Kopfe ganz mec Mühe nehmen , Glied für Glied jeden einzelnen Buchſtaben genau zu betrachten und mit
dem nöthigen Fleiße nachzubilden. Soll der Schüler einen Buchſtaben gut ſchreiben lernen,
jo muß er denſelben nicht auf der Vorſchrift fertig daſtehen, ſondern vor ſeinen Augen
an der Wandiafel entſtehen ſehen, er muß jeden Zug genau beobachten und ſehen
können, wie die einzelnen Züge ſich zum Buchſtaben verbinden. (Das Geſagte gilt auch
von den in die Schreibheſfte eingedruckten Vorſchriften =- die Henze'ſchen), Daraus aber
die Verwerflichkeit der Vorſchriften für alle Claſſen der Volksſchule zu folgern , würde
heißen, das Kind mit dem Bade ausſchütten. In der lekzten Hälfte de3 Schuljahres
dürften in den Oberclaſſen gut lithographirte Vorſchriſten , welche auf Pappe zu kleben
und mit dünnem La> zu überſtreichen find, am Plaße ſein. Als Stoffe kann man wählen :
Denkreime, Sentenzen, Quittungen, Anzeigen, kurze Aufſäße aus den realen Wiſſen8gegen=
ſtänden u. ]. w. Zu empfehlen find die „Chemnißer Schulvorſchrifſten“ und die vom
thüringiſchen Lehrervereine heraus8gegebenein.
Borſchnle, Dieſe Bezeihnung finden wir hier und da mit dem Namen Spielſchule
(„Spiel- und Vorſchule“) verbunden und zeigt an, daß in ven betreffenden Anſtalten al 8
Vorbereitung auf die Schule ſchon ſchulmäßiges Lernen (Leſen , Schreiben u. ſ. w.) ge-
trieben wird. Da ein jolches Verſahren bei noch nicht ſchulpflichtigen Kindern eine Ver-
ſrühung iſt, ſo finden wir es ſehr erklärlich, daß viele Lehrer Gegner ſolcher Anſtalten ſind.
Da38 Bor = und Nachſpreihen gehört neben dem Vorzeigen und Nachahmen , Exa>-
miniren und dem gegenſeitigen Unterrichte zur repetitoriſchen (zurücfordernden) Lehrform,
und nähert ſich, ohne eigentlich in Fragen und Antworten zu beſtehen, dem Dialoge.
Dieje Unterricht8weiſe iſt nur für die Unterclaſſe, wo der Lehrer ven Schülern ſowohl
den Stoff als auch die ſprachliche Einkleidung desſelben geben muß, in Oberclaſſen dürfte
„> ſie nur bei ſehr ſchwachen Schülern anzuwenden ſein. Der Zweek der genannten Lehrweiſe
iſt, wichtige, innerhalb des Unterrichtes gewonnene Säße feſt einzuprägen und die Sprach-
fähigkeit der Kinder zu erhöhen. Bormann ſtellt in ſeiner „Unterrichtökunde“ für die
Lehrform des Vor= und Nachſprechen8 folgende Regeln auf: „1) Nur wirklich Behalten8-
werthes werde vorgeſprochen. Was dem Kinde ſo angeeignet werden ſoll, daß es ihm ein

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