314 Werktagsſchulen | . Wiederholung
Klarheit erſcheinen läßt. Das gilt namentlich auch von dem geographiſchen: Unterrichte,
da der Unterricht in der Heimath8 = nnd Vaterlands8kunde oft gar nicht einmal: Veran
lajjung giebt, gewiſſe geographiſche Begriffe und Verhältniſſe in Betracht zu ziehen , ganz
abgeſehen davon , daß die Betrachtung der Erde als Weltkörper ja voc Fernen führt und troßdem feiner Schule erlaſſen werden kann. Wie weit die allgemeine
Weltgeſchichte in den Unterrichtskreis der Volksſchule gehöre, darüber iſt der Artikel W elt-
gej Werktagsſc zu den Sonntags- (Fortbildung8=) Schulen.
Wetteifer. Der Wetteifer iſt erfahrung8mäßig ein kräftiges Reizmittel in der Erziehung.
Er baſirt auf dem Ehrtrieb (f. d.) und iſt beim Starken das Streben, e3 Anderen in allen
dvder do< mindeſten8 in gewiſſen Stücken zuvorzuthun, ihnen den Rang abzulaufen, beim
Schwäöderen, die Bemühung, mit den Genoſſen einer Bildung8= und Altersſtufe gleichen
Schritt zu halten. In der Schule wird dem Wetteifer ein ziemlich weiter Spielraum ge=
gönnt: Die Rangordnung, die ſich nach dem Grade der Leiſtungen und der Tadelloſigkeit
des Verhaltens richtet, das Aufrücken in höhere Claſſen, das Anweiſen von Chren= und
Vertrauens8poſten für die Braven , die Vertheilung von Prämien, die öffentlichen Cenſur-
feierlichfeiten u. dergl. laufen in8geſammt auf die Weung und Stärkung des Wetteifers
hinaus. E38 iſt Erfahrungs8jache, daß der Privatunterricht, der den einzelnen Schüler im
Hanuje ertheilt wird, verhältnißmäßig nicht die günſtigen Reſultate auſweiſt, weil dabei ein
Hauptmittel zur Anjpornung , der Wetteifer, fehlt (ſ. Sc hoher Leiſtungen iſt demnach Erregung des Wetteiſer3s zu empfehlen, nicht ſo allgemein als
ſittliches Erziehung3mittel. Auf dem Gebiete der Moral vermag der Wetteifer oder die
Emulation (jo von Nouſſeau genannt) vielmehr unter Umſtänden großen Schaden anzu-
richten und Neid, Eiferſucht, Eitelkeit, Habſucht , niedrige Furcht, alſo gerade die gefähr-
lichſten Leidenſchaften groß zu ziehen. Was83 darin geleiſtet worden iſt, das lehrt uns deut=
lich die Geſchichte der Bädagogik bei Betrachtung der Jeſuitenſchulen (ſiche Karl v. Raumer*s
„Geſchichte der Pädagogik“ Band 1). Da jedoch die Möglichkeit des Mißbrauches den Ge-
brauch eines Dinges überhaupt durchaus nicht ausſchließt, jo bleibt troß der damit ver=-
bundenen Gefahren der Wetteifer auch für einen Pädagogen von zarteſter Gewiſſenhaftigkeit
ein nicht zu entbehrendes8 Reizmittel, und es iſt bei ſeiner Anwendung nur die größte
Vorſicht anzuempfehlen und Beachtung alle3 Deſſen, was unter Ehrgefühl , Eitelkeit und
ihren verwandten Begriſſen dem Erzieher ans Herz gelegt wird.
Widerſeßlichkeit, Widerſpenſtigfeit, |. Oppoſition.
Wiederholung. Alles, was in der Volksſchule gelehrt wird, ſoll zum unverlierbaren
Eigenthume des Schüler3 gemacht werden , wenigſtens ſoweit, daß es in ſpäteren Jahren
- und in betreffender Stimmung oder Lage zum Troſt, zur Ermunterung des Geiſtes und
zur Benußung im praktiſchen Leken ohne mühſames Suchen ſofort gegenwärtig iſt. Ein
Hauptmittel hierzu ſind aber extenſiv und intenſiv immer höher potencirte Wiederholnngs-
übungen. Dies iſt jhon ausgeſprochen in dem alten lateiniſchen Spruche : „„Ropetitio mater
est Studiorum.“ Was den Zwe> der Wiederholung betrifft, ſo iſt derſelbe ein dreifacher :
1) Das Gelernte recht feſt und ſicher einzuprägen; 2) vdas8ſelbe zu: erweitern, und 8) zum
immer tieferen Verſtändniſſe zu bringen. Das Wiederholen darf um dieſer Aufgaben willen
dem Lehrer nicht weniger wichtig ſein, als der erſtmalige Unterricht. Und daß man heut=-
zutage viel zu ſehr in's Breite und zu wenig in die Tiefe arbeitet, davon iſt eine Haupts-
urſache, daß man über dem Streben, dem Schüler möglichſt viel, von Allem Eiwa3 zu
bieten, das Peben und Wiederholen verabſäumte. =- Es kommt jedoch nicht nur darauf
an, daß wiederholt wird, ſondern auch darauſ/ wie e8 geſchieht. Die Wiederholung muß
nämlich: 1) eine gründliche ſein, indem man die Hauptſachen beſonders heraushebt, die
Grundregeln oſt vorführt und die Elementarübungen von Zeit zu Zeit immer wieder durch-
maden läßt; 2) muß ſie intereſſant ſein und zwar in der Weiſe, daß der Lehrer immer
von neuen Geſichtsöpunkten ausgeht und den behandelten Stoff nach einem neuen, wenn
auch manchmal nur wenig veränderten Plane überſehen läßt (Varietas delectat), wobei
aber nicht außer Acht zu laſſen iſt, daß bei jüngeren Schülern wenig oder gar nicht von

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