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ſichtigem Strafen, das leicht in Härte und Unbarmherzigkeit ausartet und daher nur höchſt
ausnahmsweije al8 exemplariſches Mittel gutgeheißen werden kann.
Natchſiken. Das Nachſihen gehört unter die gebräuchlichſten DiSciplinarmittel. Es iſt
da anzuwenden, wo der Schüler durc) Mißbrauch ſeiner Freiheit eine Freiheitsſtrafe ver=
Dient hat, oder nach mangelhafter Löſung ſeiner Aufgaben Zeit gewinnen ſoll, um das
Fehlerhafte auszubeſſern und das Verſänmte nuchzuholen. In Bezug auf dieſes Straf-
mittel ſind folgende Winke zu berückſichtigen: 1) Der Schüler ſoll nie nachſißen ohne An-
wejenheit einer beauſſichtigenden Perſon und ohne eine genügende Beſchäftigung zur Aus-
jällung der dazu beſtimmten Zeit. 2) Das Nachſiken ſoll nie ſtattfinden, wenn der Schüler -
vereit3 durch die Abwartung der vollen Tages8ſchulſtunden zu ſehr körperlich und geiſtig
erſchöpft iſt. 3) Das Nachſiken ſoll nicht auf die zwiſchen den Vor= und Nachmittags-
unterricht fallende Freizeit gelegt werden, ſo, daß dadurch die Abwartung des Mittag8-
mahles unmöglich gemacht würde. -- Das Nachſiken anzuwenden, um dadurch Schwachköpfe
mit fortzubringen, hat ſeine großen Bedenken, lieber laſſe man dieſelben eine Claſſe zweimal
durchlaufen, ehe man zu dieſem Mittel greift. Sollte es aber in einzelnen Fällen zur Er-
reichung des Zweckes geboten ſein, jo trenne man, um nicht Sträſlinge und der Nach-
hülſe Bedürftige mit einander zu vermiſchen und die Erfolge damit abzuſchwächen , beide
Kategorien jowohl zeitlich al8 räumlich. -
Nachſpiel (Poſtludium). Das Nachſpiel ſoll als ein Nachklang aus dem Gottes=
dienſte die das Haus verlaſſende Gemeinde begleiten, es ſoll eine Erinnerung an die ge-
jungenen Melodien oder an Feſttagen ein lezter muſikaliſcher Ausdru> der Feſtſtimmung
jein. Nach dieſen Geſichtspunkten richtet ſich ſowohl die Form als die Regiſtrirung. Naments-
lich bietet hierbei die größere Fuge dem Organiſten Gelegenheit, ſeine Fertigkeit zu zeigen.
Wa3 aber dabei über Reproduction , eigene Compoſitionen und Improviſationen zu ſagen
wäre, iſt unter „Orgelſpiel“ und „Präludium“ nachzuleſen. Literatur: ſ. Orgelſpiel.
Nahrung. In der ſpäteren Kindheit kann das Kind ſaſt Alles genießen , was einem
Erwachſenen zukommt. Jm Allgemeinen reiche man ihm eine einfache, reizloſe, dabei aber
nahrhajte Koſt; denn wird dem Körper gegeben, was er fordert und was ihm gebührt,
jo wird ſeine Kraft erhalten und vermehrt, die Sinnlichkeit nicht geſteigert, nicht der
Keim zu Krankheiten gepflanzt und der ſeeliſc Naſchhaftigkeit u. a. bewahrt. Beſonders reiche man ihm auch reifes Obſt, Waldbeeren,
nicht aber zu fettes Fleiſch, Kaffee , Thee , Wein, ſtarke Biere, Leckereien , reichgewürzte
Speijen , halte auf den häufigen Genuß von reinem, geſundem Waſſer und darauf , daß
das Kind überall und immer mäßig ſei.
Näſſen, |. Betten.
Nationale Bildung und Erziehung. Jede Erziehung erhält ein nationales Gepräge
ganz ohne beſonderes Zuthun. Dieſer nationale Charakter jeder Erziehung iſt bedingt durch
die nationalen Eigenthümlichkeiten der Erziehenden ſowohl, wie der Erzogenen. Keine Er-
ziehung iſt im Stande, dieſelben auf der einen Seite ganz zu verleugnen, auf der anderen
ganz auszurotten. Es wäre dies auch keine3wegs räthlich. Aber was jede Erziehung leiſten
joll, iſt dies, daß zunächſt der Nationalcharakter als ſolcher mit Bewußtſein erkannt werde,
daß aljo ein Nationalbewußtſein erzeugt werde, daß über dieſem aber ein allgemein ſitt-
liches Bewußtſein ſtehe, durch welche8 Nationaltugenden und Nationalfehler in das rechte
Licht geſtellt werden. Die Folge eines ſo controlirten Nationalbewußtſeins wird der ächte
Patriotimus ſein; aber nicht iſt das Nationalbewußtſein ſelbſt ſchon Patriotizmus. Ein
nicht von allgemein ſittlichen Grundſäßen controlirtes Nationalbewußtſein wird immer aus-
arten in lächerlichen Nationalſtolz, und der Glaube, eine Nation erziehen zu können, wird
ſich immer als trügeriſch erweiſen, wenn man meint, mit hochtönenden Phraſen ein National=
bewußtſein ſchaffen zu können. Nationalitäten wachſen in der Geſchichte von ſelbſt und
entwiceln ſich in der Geſchichte. Soll dieſe Entwickelung mit Bewußtſein beſtimmter Ziele
erfolgen, jo kann dies nur auf geſchichtlicher Grundlage der Fall ſein. Nur wer ſeines
Volkes Vergangenheit recht erkannt hat, wird ſich in rechter Weiſe für ſeines Volkes Zu-
kunft begeiſtern fönnen, nur der wird wiſſen, welche Ziele zu erreichen wünſchen8werth und
Handwörterbuch f. d. Volksſchullehrer. 2. Bd, 3

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