340 Zulaze | Zaniikhalten
Ehre- und Tugendbegriff beibringt. Ein willenloſer Menſch iſt allemal auch ein zügelloſer3
denn der fremde Wille, der im Geſeke liegt, kann nur erſt dann wirken, wenn ex 4in Metnt=
ſchen Jo Siß gefaßt hat, daß er zum eigenen Willen geworden iſt. Man gebe daher j dem Kinde eine beſtimmte Wiſllensrihtung anfangs durc< gute Gewöhnung , dann durch
Beiſpiel. und zuleht durch Aufſftellung einiger weniger , aber weſentlich erziehlich wirkender
und in ihrem Werthe leicht zu dur<ſchqauender Geſeßhe. Auf die Beachtung derſelben halte
man mit der größten Gewiſſenhaftigfeit und ſelbſt Strenge, von ihnen weiche man um
kein Jota ab, ihnen ordne man ſich ſelbſt und ſeine ganze übrige Umgebung ſklaviſch unter.
So impft man dem kindlichen Willen Feſtigkeit und Geſeßmäßigkeit ein. Man ſteuere
aber auch weiter der natürlichen Bequemlichkeitsliebe durch ſrühzeitige Anleitung zum CEnt-
behren und Ertragen. Man gewähre nie aus falſcher Liebe zum Kinde da, wo das Geſeß
zum Verſagen mahnt, man erlaſſe ihm keine Pflichterfüllung aus dem Grunde , weil ſie
unter den obwaltenden Verhältniſſen ſchwer wird, man unterſtüße wohl dabei, aber ruhe
nicht eher, bi8 das Ziel erreicht und die Schwierigkeit überwunden iſt, alsdann aber laſſe
man deutlich die Ghre durchblicken, welche man dem Ueberwinder zollt und den Lohn, der
in dem Bewußtſein erfüllter Pflichten liegt. Virtus, die Tugend, das edle, gejehliche Ver-
halten ward in der Erziehung der Alten der Jugend als das höchſte Gut eines Mannes
bezeichnet, Veppigkeit und feiges Sichgehenlaſſen ward der Verachtung preisgegeben. Auch
unſere Erziehung ſollte in dieſer Hinſicht etwas ſpartaniſcher jein!
Zulage, ]. Alters8zulage.
Zunge. Dieſes Organ des menſchlichen Leibes iſt für mehrere Zwecte beſtimmt.
Einmal dient fie der Verdauung, inſofern fie hauptſächlich dazu beiträgt, die Speiſen nach
dem Schlundkopf zu ſchieben, dann, den Geſchmac> zu vermitteln, we8halb ſie mit Ges
ſ Der Erzieher ſorge dafür, daß ſie immer als Hauptorgan des Geſ und verhüte deshalb alle Verlezungen und Neberreizungen dex Nerven (durch zu heiße
Speiſen und Getränke, äßende Flüſſigkeiten u. ]. w.); er biete nur eine einſache, kräftige
Roſt (ohne Anwendung von unnöthigen Gewürzen), verhüte die leider jo häufig gepflegte
Leckerei, die leicht zur Verwöhnung, Näſcherei und ärgeren Fehlern führt, und ſorge dur<
öfteres Ausſpülen de3 Mundes für Nichtaufkommen von Unreinlichkeit und Krankheiten der
Zunge. (Die Zulpſangerei darf nicht gelitten werden. Schwämmchen der kleinen Kinder.)
Wo das Zungenbänd Arzte ſo zeitig als möglich gelöſt werden. =- Für die geiſtige Ausbildung dient die Zunge,
inſoweit fie Sprachorgan iſt. Al3 ſolches iſt ſie aber die Schülerin des Ohre8, was wohl
von Niemand bezweifelt werden dürfte. Iſt z. B. die Reinheit de3 Geſanges nicht von
der Ausbildung des Ohres abhängig? Vermochten menſchliche Weſen, die nur Gelegenheit
hatten , mit den Thieren des Walde3 zu verkehren, etwas anderes, als thieriſche Laute
hervorzubringen? Und woher kommt es ſonſt, daß Taubgeborene troß der Fehlerloſigteit
aller Sprachwerkzeuge ſtumm bleiben? Daher müſſen wir aber auch auf das Ohr unſere
beſondere Aufmerkſamkeit richten , wenn wir die Zunge bilden wollen. Darum laſſe man
von den erſten Tagen an das Kiid viel hören, beſonder8 aber, wenn dasſfelbe anfängt,
die erſlen Sprachverſuche zu machen. Um de8 Kinde8 Sprache nicht von vorn herein zu
verderben, achte man ſtet8 auf ſich, daß man da8 Hochdeutſch ſelbſt rein und wohllautend
ſpricht und laſſe e8 nicht zu, daß ältere Geſchwiſter und Kindermädchen ſich der unvoll-
fommenen Sprache angehender Sprecher bedienen. Nachdem das Kind ſich der zujammen=
hängenden Sprache bedienen kann, werde e8 auch angehalten, ſtet8 in vollſtändigen Säßen
zu ſprechen. Cine modulirte Sprache wird am Leichteſten mit Hülfe des Geſanges erzielt,
we8halb den Müttern und Kinderwärterinnen nicht genug empfohlen werden kann, ſich der
jo leicht aufzufaſſenden Kinder» und Volkslieder ſo oft als möglich zu bedienen. =- Bei
ſtotternden Kindern muß die Urſache ihres Uebel8 (dieſe kann verſchieden ſein, 3. B. Nex-
venüübel , Verlegenheit, ſehlerhafte Reſpiration) erforſcht und darnach gehoben werden
(j. Stottern).
Zurüchalten der Schüler in der Schule, ſ. Nachſißen, Einſperren,
Carcex, |

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