HFoturfiin | 37“
„die Jich die Apparate ſelbſt zuſammenſtellen, iſt ſehr warm zu empfehlen : Weinhold, „Vor-
ſchule der Experimentalphyſik." Für den Schüler : Krüger, „Grundzüge der Phyſik."-
(Für wenigclaſſige Schulen halten wir einen Leitſaden für unnsthig.) Billige Apparate
für Volksſchulen ſind zu bekommen u. A. bei Hering in Neichenbach in Sachſen , Lucas
in Dippoldi8walde, Vetter8 in Dre8den, Heſtermann in Altona, Körner in Erfurt. Wohl
zu benußen find auch die phyſikaliſchen Tafeln von Bopp.
Naturſiun iſt die Neigung des Geiſte8, ſich an der Natur zu erfreuen, in Folge
deſſen in ihr Weſen einzudringen und im höchſten Grade in ihr ſein Weſen aufgehen zu
laſſen. Naturſinn cultiviren, heißt die Liebe zu unſer Aller Heimath befeſtigen, klären und
erhöhen. Die Anlage dazu zeigt ſich bei jedem geſunden Kinde ſchon in der Liebe zu
Thieren und Blumen und ſelbſt bei den philiſtröſeſten und verknöchertſten Alten in der
Aufmerkſamkeit auf Nußen und Schaden der Naturproducte, bei Anderen in der Anlage
ſchöner Gärten, in der Unternehmung von Spaziergängen in Wald und Flur oder von
Reiſen in ſchönen Gegenden, bei no< Anderen im Beſuche von naturhiſtoriſchen Muſeen
oder der Anlage von Sammlungen, bei ganzen Völkerſtämmen in ihrer Baukunſt. Wollten
wir alle Regungen desfelben anführen, wir würden tauſenderlei Erſcheinungsformen con=
ſtatiren können. Er iſt etwas allgemein Menſchliches, das des Menſchen ganzes Sein zu ver-
ſchönern und zu vervollkommnen vermaiz, "und de8halb ſollte die Erziehung ein beſonderes Jn=
tereſſe an der Ausbildung und Veredlung des8ſelben haben. Unſere Zeit , die reich iſt an natur-
wiſſenſchaftlichen Forſchungen nnd Arbeiten, welche die Refultate derſelben dem Volke in po=
pulärem Gewande reichen, wie an trefflichen Verkehr3mitteln , die das, Reiſen bedeutend
erleichtern , hat , da8 darf nicht verkannt werden, in dieſer Beziehung wohlthätig gewirkt,
doch niht jo durgreifend , wie wohl Mancher erwarten dürfte. Nicht Jedem ſind die
Mittel vorhanden, um reiſen zu können und die Bücher ſind ja zum Theil ſolche, die
Wohlgefallen an der Natur im Zimmer durch Blendwerk (Phraſen , ſüßliche, weichliche
Sprache) zu erwecken ſcheinen, aber nicht befähigen, ſich mit der Natur ſelbſt zu beſchäf-
tigen und in ſie einzuführen (ſie bilden blaſirte, heuchleriſche Menſchen !), theils ſolche,
welche wohl die Sehnſucht nach der fernen Natur erwecken, aber bewirken, daß man die hei-
miſche geringſc von Anſchauen und Genuß des Alltäglichen Nicht8 wiſſen wollen. (Eine Au8nahme machen
die Jugendſchriften von Wagner, die Volks8bücher von Bernſtein u. A. m.) Durch die
Bücher wird , das iſt unſere Ueberzeugung, meiſt mur Denen gedient, die ſich mit der
Natur bereits zu beſchäftigen verſtehen. Von ihnen muß der Pädagog de3halb zunächſt
abjehen und nach einem anderen Mittel umſchauen. Und was allen Anforderungen zu
genügen im Stande iſt, das iſt der Umgang mit der Natur ſelbſt, bei Kindern geleitet
von Aeltern und Lehrern, jAuf dem Lande macht ſich derſelbe von ſelbſt, und de8halb ſind
Dorfkinder nach dieſer Seite hin, beſonder3 wenn man ihren Umgang mit der Natnr pä-
dagogiy< lenkt, weit bevorzugter, al8 Stadtkinder. Leßteren muß darum möglichſt Erſaß
geboten werden. Wohlhabenden iſt zu rathen, mit ihren Kindern einen Theil de8 Jahres
auf dem Lande zuzubringen. Wa3 ſoll aber die Mehrzahl thun? Sie müſſen zunächſt
innerhalb des Hauſes für öfteren Umgang mit Thieren (Canarienvögel, Hund, Kaße) und
Pflanzen ſorgen. In leßterer Beziehung iſt es ſehr zu empfehlen, die Kinder zur Pflege der
Blumen zu veranlaſſen, ihnen ſelbſt ein Stö> einen Napf Samen zu ſäen, damit ſie mit Pflanzen (von deren Jugend bis zum Abſterben)
ſörmlich verwachſen. Der Winter bietet S genug Material zur elementarſten Phyſik. Dann aber müſſen die Aeltern, ſo oft e8 ihnen
nur die Zeit geſtattet, durch die engen und dunklen Gaſſen ihre Kinder hinausführen in
Wald und Feld, auf Berg und in's Thal, müſſen mit ihnen da eingehend und liebevoll
alles Schöne beobachten und in ſich aufnehmen, wa3 ſich ihnen bietet, ſei e8 der Vogelſang,
- das Rauſchen de8 Waldbache8, das Grotes8ke der Felſen, das niedliche Moos und der
riejige Baum, das Weiden der Heerden und das Graſen des Rehes, die mit Blumen
geſc ihres Heims und Beeren zum Geſchenke für die kleineren Geſchwiſter. Nur halte. man
ſtet8 und überall auf ein gründliches , eingehende3 Betrachten der Naturgegenſtände und

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